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Fußball und Flüchtlinge : Majed spielt!

  • -Aktualisiert am

Paragraphen hin oder her: Beim SV Niederwörresbach läuft der aus Syrien geflüchtete Majed an diesem Samstag für die C-Junioren gegen den FC Brücken auf.

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          Der SV Niederwörresbach hat in dieser Woche den Gepflogenheiten des Fußballs zuwidergehandelt: Während Guardiola, Klopp und Co. bis zur obligatorischen Abgabe des Spielberichtsbogens ihre Aufstellungen meist wie ein Staatsgeheimnis hüten, verkündete der Klub aus dem Kreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz schon vor Tagen: Majed spielt! Der Junge läuft also an diesem Samstag für die C-Junioren gegen den FC Brücken auf. Dabei hat Majed gar keinen Spielerpass.

          Der junge Syrer stand vor kurzem, nach einigen Schlagzeilen über seinen Fall, beispielhaft für die missliche Situation von Flüchtlingskindern in den Mühlen großer Verbände. Der SV Niederwörresbach hatte sich beschwert, auch nach Monaten keinen Spielerpass für den ohne seine Eltern in einem Kinderheim lebenden Majed erhalten zu haben. Der für die Spielberechtigung zuständige Südwestdeutsche Fußballverband verwies auf formale Fehler des Vereins, auf die vom Internationalen Fußballverband (Fifa) auferlegte Anfrage beim Heimatverband des Spielers und eine Wartefrist von 30 Tagen - auch wenn man in Syrien gerade ganz andere Probleme hat.

          Die Fifa richtet sich damit gegen menschenhändlerische Aktivitäten im Jugendfußball, gegen diverse Großklubs ohne Skrupel auf diesem Gebiet. Nicht aber gegen Vereine wie Niederwörresbach. Und deshalb ganz offensiv: Majed spielt! Paragraphen hin oder her.

          P.S.: In seinem ersten Spiel traf Majed am Samstag gegen den FC Brücken beim 9:0-Sieg gleich fünfmal. Er durfte zudem die Kapitänsbinde tragen.

          Akt des zivilen Ungehorsams

          Parallel dazu übt sich gerade auch der Schleswig-Holsteinische Fußballverband in zivilem Ungehorsam. Der Verband verzichtet bei Flüchtlingskindern auf die Wahrung der 30-Tage-Frist und stellt den Pass umgehend aus. Man wolle „ein eindeutiges Zeichen der Solidarität mit den Menschen setzen, die aufgrund kriegerischer Konflikte ihr Heimatland verlassen mussten und hier in Schleswig-Holstein Zuflucht gefunden haben“, ließ der Verbandspräsident kürzlich in einer Pressemitteilung wissen. Der Verband hofft, mit seinem Ungehorsam Bewegung in die Sache zu bringen.

          Der für Majed zuständige Verband konnte sich zu einem solchen Schritt noch nicht durchringen - aus Angst, eines Tages verantwortlich zu sein für eine mögliche Fifa-Strafe für den DFB. Aber immerhin handelt der Verband pragmatisch: Am Samstag prüfte ein Mitarbeiter außerhalb der eigentlichen Geschäftszeiten das Postfach und erteilte nach dem erwartbarem Ausbleiben einer fristgerechten Mail aus Syrien Majeds Pass noch vor Anpfiff.

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