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Fußball-Kommentar : Rekorde verdecken Probleme

  • -Aktualisiert am

Viel Geld kommt durch TV-Verträge in die Kassen der DFL. Doch das Geld muss auch richtig eingesetzt werden. Bild: dpa

Die Deutsche Fußball Liga veröffentlicht die Zahlen hinter ihrem Geschäft mit dem rollenden Ball. 52 Seiten voller Millionen und Milliarden, Wachstum und Rekorde. Doch deutlich wird auch: Der Bundesliga fehlt dafür etwas anderes.

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          Der Fußball lebt von Emotionen. Und zwar bestens, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) an diesem Mittwoch wieder berichtet hat in ihrem „Wirtschaftsreport 2019“. Auf 52 Seiten beschreibt sie das Geschäft hinter ihrem Unterhaltungsprogramm, die Bilanz der Bundesliga-Saison 2017/18: wieder ein fettes Wachstum. 3,81 Milliarden Euro Einnahmen in der Beletage, im Schnitt 43879 abgesetzte Eintrittskarten je Spiel. Selbstredend ein Rekord.

          So werden die Zahlensammlungen belebt. Und Gefühle geschürt, weil jede trockene Bilanz nach einem plastischem Beispiel aus dem Leben schreit, nach Vergleichbarkeit: Und was verdienen die Kicker am jüngsten Aufschwung? 1,32 Milliarden Euro für Gehälter von Spielern und Trainern hat die Bundesliga gezahlt, 133 Millionen mehr als in der Saison zuvor. Das entspricht einer Steigerung von satten elf Prozent und einer groben Kalkulation zu Folge einem beruhigenden Durchschnittsverdienst: 1,6 Millionen Euro, 133.000 pro Monat. Die Rente ist sicher.

          Die Bundesliga lebt nicht über ihren Verhältnissen

          Die Bundesliga auch, Stand heute. Sie lebt nicht über ihren Verhältnissen. Im Gegenteil. Die Ausgaben für die Löhne sind auf 34 Prozent des Gesamtaufwands gesunken. Und trotzdem beschleicht DFL-Chef Seifert ein offenbar mulmiges Gefühl angesichts gewisser Spielergehälter. Weil im Einzelfall ein Star zwölf Millionen kassiert? Diese Entwicklung kann nicht so schwer nachzuvollziehen sein. Sie ist das nüchterne Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Eine Folge der von Seifert geforderten Wertsteigerung, die erst die Premier League und dann die Bundesliga erfasste mit den Milliarden schweren TV-Verträgen. Die Stagnation auf dem englischen Fußball-Markt deutet zwar eine Abkühlung an, aber das Vermarktungspotential der Bundesliga scheint noch nicht ausgeschöpft. Die Gehälter könnten weiter steigen.

          Millionenzahlungen mögen Fußball-Manager bei öffentlichen Auftritten als „irre“ bezeichnen. Aber überzeugend wirken moralische Bedenken gegenüber dem empörten Publikum ausgerechnet bei den Betreibern des Geschäfts nicht. Zudem führt selten die Höhe des Gehalts zu einem Problem. Es ist eher die damit empfundene Selbstwertsteigerung und die folgende Neigung mancher Neureicher in kurzen Hosen, den Wahrnehmungs-Unterschied aller Welt vorzuführen müssen: etwa mit Bildern vom vergoldeten Riesensteak als Zeugnis für den großen Hunger auf Überfluss. Die Freiheit des Individualisten, sich abseits seiner bestaunenswerten Kunst am Ball zum Narren zu machen, ist unbegrenzt.

          Profivereine haben weniger Spielraum, falls sie im Geschäft bleiben wollen. Und so investierten sie in der vergangenen Saison gut 177 Millionen Euro in ihre Leistungszentren, steigerten den Einsatz für die Talente um 34 Prozent seit 2015. Ob das reicht? Vor fünfzehn Jahren genügte ein Drittel für die Ausbildung eines Weltmeister-Teams; die großen Transfererlöse erzielen gegenwärtig Jungprofis aus weniger prosperierenden Ligen. Es sieht so aus, als fehle der Bundesliga nur eines: der effektive Einsatz des Gewinns.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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