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Fußball-Kommentar : Unter Männern in Iran

Irans Präsident Hassan Rouhani (Mitte) mit dem iranischen Sportminister Masoud Soltanifar (links) und Mehdi Taj, dem Präsidenten des iranischen Fußballverbands. Bild: EPA

Die Politik gelobt Besserung, doch noch immer herrscht in Iran ein Stadionverbot für Frauen. Finalspiele der Frauen-Nationalmannschaft werden nicht im Fernsehen gezeigt. Worte allein helfen den Iranerinnen nicht weiter.

          Das Turnier, das da in Bangkok ausgespielt wurde, war eine einseitige Angelegenheit. Fünf Spiele, fünf Siege, Torverhältnis 37:6. Es gibt in Asien keine Frauen-Fußballmannschaft, die den Iranerinnen das Wasser reichen kann, jedenfalls nicht in der von der Fifa abgesegneten Hallenfußball-Variante Futsal. Vor knapp zwei Wochen verteidigten die Iranerinnen ihren Titel erfolgreich, die zweite Asienmeisterschaft gewannen die Spielerinnen noch viel deutlicher als 2015, als das Turnier das erste Mal ausgetragen wurde. Damals hieß es im Finale 1:0 gegen die Japanerinnen, nun wurden die Ostasiatinnen mit 5:2 Toren aus der Halle geschossen.

          Am Dienstagabend waren die Spielerinnen beim Präsidenten der Islamischen Republik, Fastenbrechen mit Hassan Rohani. Anerkennung, die den Spielerinnen zuvor weitgehend versagt geblieben war. Ihr Siegeszug war zwar von vielen Iranerinnen und Iranern in den sozialen Medien mit großem Interesse verfolgt und bejubelt worden, das staatliche Fernsehen jedoch zeigte nicht einmal das Endspiel live – undenkbar, dass dies der Männermannschaft widerfahren würde (die, mit viel mehr Geld und weit besseren Trainingsbedingungen gefördert, elf der bislang 14 ausgetragenen Futsal-Asienmeisterschaften gewonnen hat). „Welches Problem hat das Fernsehen damit, Frauenwettbewerbe zu zeigen?“, fragte Rohani und hielt fest: „Im Islam gibt es zwischen Frauen und Männern keinen Unterschied.“ Folglich, sagte der Präsident, müsse es Frauen endlich auch erlaubt werden, Fußballspiele der Männer im Stadion zu verfolgen.

          Viele unter Rohanis Wählerinnen und Wähler warten nach wie vor und mit stetig wachsender Ungeduld auf die von ihnen erwartete Liberalisierung des Alltags der Islamischen Republik, in dem sich der laut Rohani nicht existierende Unterschied zwischen Mann und Frau an allen Ecken und Enden manifestiert – nicht zuletzt im Fußballstadion. In der abgelaufenen Liga-Saison war es mehr und mehr zum Trend unter weiblichen Fans geworden, sich als Männer ins Stadion zu schmuggeln und via Instagram auf die Unterdrückung aufmerksam zu machen. Rohani und seine für Frauen-Angelegenheiten zuständige Vizepräsidentin Massumeh Ebtekar suchen seit Monaten nach Möglichkeiten, die maßgeblichen Hardliner in der iranischen Theokratie von ihren Vorstellungen zu überzeugen – erfolglos bislang.

          An dieser Stelle nun würden in einer besseren Welt die Fußballverbände, der Asiatische und der Internationale, Gianni Infantinos Fifa, den Ball aufnehmen und dafür sorgen, dass besser heute als morgen wenigstens im Stadion Gleichberechtigung herrscht, so, wie es die eigenen Statuten vorsehen. In dieser Welt aber hat Infantino, der im März bei seinem Besuch dem Teheraner Stadtderby zwischen Perspolis und Esteghlal folgte, während vor den Stadiontoren protestierende Frauen verhaftet wurden, Rohani zu einem Besuch der Weltmeisterschaft in Russland eingeladen. Da haben sie dann Männer im Blick, das iranische Fernsehen wird selbstverständlich live berichten. Das kann man ruhig bildlich sehen: Worte allein helfen den Iranerinnen nicht weiter.

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