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Fußball in der Ukraine : „Tödliches Risiko“

  • Aktualisiert am

Douglas Costa: Während des Ukraine-Konflikts anderswo trainieren Bild: dpa

Das Leben der Fußball-Profis bei Schachtjor Donezk sei in Gefahr, sagt der Brasilianer Douglas Costa, der sich wie fünf Mitspieler weigert, zurück in die Ukraine zu fliegen.

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          Der bewaffnete Konflikt in der Ukraine schränkt den Profi-Fußball im Land mehr und mehr ein. Der Brasilianer Douglas Costa sieht das Leben der Spieler beim Fußballclub Schachtjor Donezk in Gefahr. Die Profis gingen „alle ein tödliches Risiko ein, falls sie in der Region sind“, teilte der 23-Jährige mit. „Ich mag den Verein, die Leute, die Stadt, aber ich habe Angst.“


          Er und seine Landsleute Alex Teixeira, Fred, Dentinho, Ismaily sowie der Argentinier Facundo Ferreyra hatten am Samstag nach einem Freundschaftsspiel in Frankreich den Rückflug zu ihrem Verein nach Donezk verweigert. „Wir wollen im Klub bleiben, aber wir brauchen risikofreie Arbeitsbedingungen“, rechtfertigte der Rechtsaußen Costa den Entschluss der Spieler.
          Schachtjor-Besitzer Rinat Achmetow hatte den abtrünnigen Profis mit hohen Geldstrafen gedroht, sollten sie nicht umgehend zurückkehren. „Falls sie nicht kommen, denke ich, werden sie zuerst leiden“, warnte der Oligarch die Profis auf der Vereins-Homepage.

          Solche Vertragsangelegenheiten werden in der Regel von der Fifa geklärt. Sollte der Weltverband die Lage in der Ukraine nicht als entsprechend prekär einstufen, müsste er die Spieler international sperren. Die Profis bräuchten laut Achmetow aber keine Angst haben. „Wir werden kein Risiko eingehen und in keinem Fall Spieler an gefährliche Orte bringen“, versicherte der Oligarch am Sonntagabend.

          Trainer beschuldigt Spielerberater

          Schachtjor-Trainer Mircea Lucescu beschuldigte den Agenten Kia Zhoorabkhyan, den Konflikt auszunutzen, um die Spieler an andere Vereine zu vermitteln. „Das ist ein echter Skandal“, sagte er der französischen Zeitung „L'Equipe“. „Er nutzt die Situation aus, um sie zu entführen.“

          In der Ostukraine liefern sich die ukrainische Armee und prorussische Separatisten seit längerem heftige Gefechte. Rund 60 Kilometer von Donezk entfernt war die Passagiermaschine MH17 am vergangenen Donnerstag abgestürzt. Auch die argentinischen Profis Jose Sosa, Jonathan Cristaldo, Alejandro Gomez und Sebastian Blanco weigerten sich zum ostukrainischen Erstligaverein Metalist Charkow zurückzukehren, wie argentinische Medien berichten.

          Auch andere Vereine müssen ausweichen

          Die neue Saison startet am Freitag mit 14 statt 16 Klubs, nachdem zwei Vereine wegen der russischen Annexion der Krim nach der letzten Saison ausgeschieden sind. Nach Entschluss der Europäischen Fußball-Union (Uefa) soll es vorerst keine Partien zwischen Teams aus der Ukraine und Russland geben. Die ukrainische Fußball-Föderation muss nun entscheiden, wo Schachtjor seine Heimspiele in der kommenden Saison austragen wird. Neben dem ukrainischen Meister müssen auch die ostukrainischen Vereine Metalurg Donezk, Olimpik Donezk and Zorya Luhansk auf alternative Orte ausweichen, weil ihre Heimatstädte von prorussischen Separatisten kontrolliert werden.

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