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Fifa-Council : Fußball-Europa spielt bei WM mit 48 Teams mit

Alles im Griff: Gianni Infantino darf beim Fifa-Council auf Unterstützung bauen. Bild: dpa

Die taktischen Manöver des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino führen teilweise zum Erfolg. Einer WM 2022 mit 48 Teams und einer neuen Klub-WM steht kaum mehr etwas im Weg – dank absehbarer Deals.

          Einer umfassenden Erweiterung der Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 48 Mannschaften schon zum Turnier in Qatar im Jahr 2022 und der neuen Klub-WM mit 24 Vereinen steht kaum mehr etwas im Weg. Die taktischen Manöver des umstrittenen Präsidenten der Weltorganisation Fifa, Gianni Infantino, haben teilweise zum Erfolg geführt. Zur Sitzung des höchsten und entscheidenden Fifa-Gremiums (Council) am Freitag in Miami werden nach Informationen der F.A.Z. auch die Widerstände aus Europa nicht mehr zu einer Eskalation führen – aufgrund absehbarer Deals.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alles hängt miteinander zusammen. Um mehr Geld für die Fifa-Kasse zu generieren, damit er seinem Versprechen an alle Nationalverbände, mehr Geld an sie auszuschütten, gerecht werden kann – was für seinen Machterhalt notwendig ist –, wird Infantino WM-Gastgeber Qatar weiter zur Aufstockung der WM drängen. Laut eigener Studie geht die Fifa von einem möglichen Einnahmeplus von 400 Millionen Dollar aus.

          Zwar ist politisch ausgeschlossen, dass Qatar die aktuellen Boykott-Länder Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate kurzfristig als Mitausrichter für ein solches Großturnier akzeptieren würde, weil seine acht WM-Stadien für ein erweitertes Teilnehmerfeld nicht mehr ausreichen. Aber mit Oman und Kuweit, die beide jeweils über ein ausbaufähiges Nationalstadion verfügen, hat die Fifa zwei mit Qatar befreundete Golf-Nachbarn ins Spiel gebracht.

          Aufstockung wäre auch für DFB gut

          Das 48er-Feld, das zum Turnier im Jahr 2026 sowieso kommen wird, liegt im Interesse einer Fifa-Mehrheit. Dieser Tatsache werden sich die sportpolitisch in der ganzen Welt aktiven Qatarer kaum verschließen können. Auch in Europa befürworten gerade weniger erfolgreiche Nationalverbände die Erweiterung, weil sie sich darüber eine WM-Chance versprechen. Selbst der Deutsche Fußball-Bund könnte das größere Teilnehmerfeld positiv sehen. Europa erhielte dann 16 statt der bisher vereinbarten 13 Startplätze.

          Weil die deutsche Elf nach der WM-Blamage in Russland in der WM-Qualifikation nicht mehr gesetzt sein wird, könnten schwere Gruppen-Gegner und am Ende sportlich vielleicht nur Platz zwei drohen. Nach bisherigem Modus würden sich nur drei von zehn Gruppenzweiten aus Europa für das Weltturnier qualifizieren – für eine 48er-WM wären es sechs.

          Das Fifa-Council dürfte am Freitag in Florida deshalb beschließen, dass bis zum Verbandskongress Anfang Juni in Paris, auf dem sich Infantino als einziger Kandidat der Wiederwahl stellen wird, die Formalitäten für eine WM-Aufstockung in Qatar geregelt werden. Der Fifa-Kongress würde beschließen – und den Qatarern auf großer Bühne danken.

          Zugeständnisse der Uefa

          Infantino brächte zwar nicht seinen offenbar präferierten Partner Saudi-Arabien in Position. Schließlich soll das Königreich mit hinter der dubiosen Offerte über 25 Milliarden Dollar stehen, welche der Fifa-Präsident fast ein Jahr lang hinter den Kulissen durchzudrücken versuchte. Die Rede ist von einem gemeinsames Konsortium mit bislang unbekannten Investoren und dem Plan eines zusätzlichen Nationalmannschaftswettbewerbs (Global Nations League).

          Dennoch: Allein ein WM-Turnier am Golf mit Qatar, Oman und Kuweit als Ausrichter würde die erste arabische WM aufwerten und den Fifa-Chef, der zuletzt sogar auf einem G-20-Gipfel als Redner auftrat, zudem politisch in Szene setzen. Das bedeutet nicht, dass er den Plan mit Saudi-Arabien, den Investoren und einem neuen Turnierformat ad acta gelegt hat.

          Im aktuellen Geschacher wird das offensichtlich hintangestellt. Darüber lassen sich der Europäische Fußballverband (Uefa) und dessen Präsident Aleksander Ceferin (Slowenien) zum Feilschen an den Tisch bringen. Die Uefa hat kein Interesse an einer Global Nations League als Konkurrenz zu ihrer neuen Nations League. Dafür machen die Europäer Zugeständnisse hinsichtlich der 48er-WM und einer aufgestockten Klub-Weltmeisterschaft. Die soll jetzt mit 24 statt sieben Teams als Pilotveranstaltung erstmals im Jahr 2021 stattfinden – und das im Sinne der großen Vereine.

          Die Klubs sind dafür, weil der Confederations Cup als Nationalmannschaftswettbewerb gestrichen wird, das Turnier alle zwei oder vier Jahre immer in der Sommerpause stattfinden soll und sich mit dem größeren sowie sportlich interessanteren Format viel mehr Geld verdienen lässt. Der Vorsitzende der Klubvereinigung in Europa, Andrea Agnelli (Juventus Turin), gilt inzwischen als Getreuer des Uefa-Chefs. Ceferin dürfte allerdings dagegen sein, dass die Europäer gleich mit zwölf Vereinen am Turnier teilnehmen. Schließlich soll die eigene Champions League nicht entwertet werden. Das spräche für acht Klubs aus Europa.

          Wer sich auf welche Weise dafür qualifizieren könnte und wie die Einnahmen aufgeteilt werden, ist nicht entschieden. Fifa und Uefa stimmen aber auch darin überein, dass eine Klub-WM privaten Veranstaltern das Wasser abgraben würde, die mit den großen Klubs aus Europa und Sommerturnieren in den Vereinigten Staaten oder Fernost derzeit einen lukrativen Geschäftszweig vorantreiben.

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