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Sport und die Corona-Krise : Was wird aus uns?

  • -Aktualisiert am

Eine verzwickte Situation – auch für Torhüter Silvio Heinevetter Bild: Imago

Der Sport leidet unter der Corona-Krise. Die Probleme sind immens. In der Debatte, wann es wieder losgehen kann, dominiert der Fußball. Aber was ist eigentlich mit Handball, Basketball und Eishockey. Die Lage ist ernst – und unterschiedlich.

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          Noch nie sei sein Garten so früh im Jahr derart herausgeputzt gewesen, hat Holger Glandorf von der SG Flensburg-Handewitt erzählt. Die viele freie Zeit macht es möglich. Martin Strobel wurde von anderen gefragt, ob er sein Karriere-Ende nun doch noch einmal verschieben werde. Silvio Heinevetter hat elf Jahre die Knochen für die Füchse Berlin hingehalten. Aber ein letztes Heimspiel mit großem Brimborium wird er wohl nicht bekommen. Glandorf ist 37 Jahre alt, Strobel vier Jahre jünger, Heinevetter ist 35. Drei Nationalspieler, die auf ihre Art von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind. Glandorf und Strobel, die Ende Juni aufhören, werden ihre Laufbahnen auf der heimischen Couch beenden. Bei Heinevetter wird der große Abschied vor seinem Wechsel zur MT Melsungen ausbleiben.

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          Geschichten wie diese sind Corona-Randnotizen. Der professionelle Handball hat andere Sorgen. Er kämpft um seine Existenz. Deswegen fallen auch die normalerweise vielbeachteten Rahmendaten einer Sportlerkarriere mit ihren Feierlichkeiten unter den Tisch: ein letztes Spiel. Blumen, Applaus, Tränen. Alle, die im Handball tätig sind, sorgen sich um ihren Sport, ihren Beruf. „Keiner weiß, wie es weitergeht“, sagt der Flensburger Coach Maik Machulla, „wir werden lange die Scherben aufkehren müssen.“ Lisa Heßler, Geschäftsführerin der Eulen Ludwigshafen, sagt: „Es geht darum, ob es die Eulen im Herbst noch gibt. Die Lage ist sehr ernst.“ Und Andy Schmid, der Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen, sagt: „Was machen die Vereine, wenn die Saison abgebrochen wird und Regressforderungen der Sponsoren kommen? Es ist eine bedrückende Situation.“

          Anders als im Fußball haben die Handballer keine nennenswerten Fernsehgelder. Sie machen nur einen kleinen Teil des Etats aus, bei den Spitzenklubs weniger als zehn Prozent. Größte Einnahmequelle sind die Spieltagseinnahmen – auf die Saison gerechnet, machen sie bei einigen Klubs fast 70 Prozent des Etats aus. „Handball ohne Zuschauer? Dann wird es für die Klubs immens schwierig zu überleben“, sagt Uwe Schwenker, Präsident des Ligaverbandes HBL. Das positive Szenario, dem sich Schwenker anschließt, beinhaltet, dass von September an wieder Fans in die Hallen dürfen. Bislang sind Großveranstaltungen bis zum 31. August ausgesetzt. Das düstere Szenario sieht Geisterspiele bis Ende des Jahres vor. Immerhin hätten die Sponsoren dank der TV-Übertragungen dann wenigstens einen Teil ihrer Leistungen aus Werbeverträgen erhalten.

          Seit dem 8. März ist Pause. Seitdem haben die Vereine und die Liga-Vereinigung HBL in den Krisenmodus geschaltet. Ob die Saison abgebrochen wird oder es doch noch weitergeht, soll am kommenden Dienstag entschieden werden. Alle 36 Profiklubs stimmen ab. Kommt eine Dreiviertelmehrheit für den Abbruch zustande, wird es in dieser Saison keinen Profi-Handball mehr geben. Schwenker sagt: „Klar ist, dass ein Saisonabschluss vor allem aus juristischer Sicht der 30. Juni sein muss. Das würde für uns bedeuten, dass wir spätestens am 16. Mai den Spielbetrieb wiederaufnehmen müssten. Wenn man bedenkt, dass die Teams ins Mannschaftstraining einsteigen müssten – wir sind eine Vollkontaktsportart – und wir den Trainern wenigstens drei Wochen Training unter Wettkampfbedingungen ermöglichen müssen, dann weiß man jetzt schon, dass eine Beendigung der Saison schwierig bis unmöglich wird.“

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