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Fußball : Die Qatar-Connection

Wenn das kein Grund zur Freude ist: Qatar ist Ausrichter der Weltmeisterschaft 2022 und der Emir jubelt schon mal mit dem Weltpokal. Bild: /laif

Milliarden-Investitionen und Seilschaften bis in die höchste Politik: Die Expansion des Wüstenemirats Qatar im Weltfußball ist nicht aufzuhalten. Das sorgt für Verwirrung und Argwohn.

          Josep Colomer fliegt mal wieder ein. Er bleibt nicht lange in Eupen, hat wie immer wenig Zeit und will nur schnell prüfen, ob die Entwicklung der jungen Kicker vorangeht. Colomer ist nicht irgendwer. Er hat einst Lionel Messi entdeckt, als dieser 13 Jahre alt war, führte die Nachwuchsabteilung des FC Barcelona und hat an der französischen Fußball-Eliteschule Clairefontaine gearbeitet. Heute leitet der Spanier das gigantischste Talentprogramm der Welt. Es trägt den überfliegenden Namen „Football Dreams“. Dahinter stehen die Qatarer.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die haben sich im vergangenen Jahr den belgischen Zweitligaklub KAS Eupen einverleibt, der nach turbulenten Zeiten zum Verkauf stand. Über die neue kleine Dependance der qatarischen Aspire-Sportakademie im Grenzgebiet zu Deutschland sollen nun junge Afrikaner den Sprung schaffen in den großen internationalen Fußball. 16 von ihnen sind im Sommer gekommen, sie stammen aus Nigeria, Ghana, Kenia, Kamerun, dem Senegal und Südafrika.

          Jugendförderung als humanitärer Akt: Die Qatarer haben viele Afrikaner nach Eupen geholt

          Einige von ihnen sind gerade einmal volljährig. Im Senegal erhielten sie eine mehrjährige Fußballausbildung, wo sie im afrikanischen Aspire-Ableger vorbereitet wurden. Nun sollen sie weitere Erfahrung sammeln und im Ligaalltag das Siegen lernen. In Eupen, einem ruhigen Städtchen am Rande der Eifel, reiben sich die Menschen verwundert die Augen.

          Qatarer sehen ihr Engagement als humanitären Akt

          Das Nachwuchsprojekt der Qatarer hat utopische Dimensionen. Eupen ist davon nur eine Facette. Es handelt sich um den größten Talentwettbewerb der Geschichte. Jahr für Jahr werden auf drei Kontinenten (Afrika, Asien, Südamerika) eine Dreiviertelmillion Jugendspieler auf ihre fußballerischen Fertigkeiten überprüft. Die Besten erhalten Stipendien, zudem sorgen die Spender vom Golf an den meist von Armut geprägten Sichtungsorten für den Aufbau einer Infrastruktur - mit Fußballplätzen, Trainern, Bällen, Trikots, Schuhen, aber auch Hygiene- und Gesundheitsvorkehrungen.

          Die Qatarer sehen ihr Engagement als humanitären Akt. „Wir wollen den Jungs helfen und ihnen über Fußball eine Perspektive bieten. Ich bin stolz, diese Visionen umsetzen zu dürfen. Es gibt hier keine Limits“, sagt Colomer. 300 Tage im Jahr ist er dafür in der Welt unterwegs.

          Alles ist möglich. Doch der Ehrgeiz der mit riesigen Gasvorkommen gesegneten Qaterer sorgt auch immer mehr für Argwohn. Gerade in Europa. Manche sehen in der Fußball-Expansion puren Größenwahn, die profane Gier nach Einfluss und Macht. Nun ist durchgedrungen, dass der französische Fußballklub Paris Saint-Germain, der seit 2011 ebenfalls im Besitz des kleinen Emirats ist, einen Werbevertrag in bisher einmaliger Größenordnung abgeschlossen hat. Partner ist die Tourismusbehörde Qatars, es geht rückwirkend für 2012 um einen jährlichen Geldfluss bis 2016 von etwa 200 Millionen Euro.

          Hinter dem Megadeal, der aufgrund seiner exorbitanten Ausmaße weit über Marktwert (fast die zehnfache Summe vergleichbarer Sponsorings der Konkurrenz) gegen die Financial-Fairplay-Regeln des Europäischen Fußballverbandes (Uefa) verstößt, steht das gewaltige Interesse, aus dem französischen Hauptstadtklub so schnell wie möglich eine Weltmarke des Fußballs zu machen.

          Trotzig bemerkte der Pariser Statthalter der Qatarer, Nasser Al-Khelaifi, gerade in einem Interview mit der Sportzeitung „L’Equipe“, dass andere Klubs doch schon seit 20 Jahren investierten: „Wir sind erst seit anderthalb Jahren dabei und sollen jetzt mit dem Geldausgeben aufhören? Das wäre nicht fair.“ Und so geraten die Uefa und ihr Präsident Michel Platini in Erklärungsnot, weil sie über die Rechtmäßigkeit entscheiden zu müssen. Aber gegen die geschickt aufgestellten Qatarer?

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