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Novum im deutschen Fußball : „Ach, du kennst dich ja aus“

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Marburgs Kreisfußballwartin Daniela Rühl (rechts) und ihre Stellvertreterin Ellen Berghöfer. Bild: Christoph Heuser

Daniela Rühl ist die erste Frau an der Spitze eines Fußballkreises in Hessen. Ellen Berghöfer unterstützt sie. Ein weibliches Duo gab es noch nie. Nach der Pandemie stärken sie den Zusammenhalt.

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          In Marburg wird derzeit Fußball-Geschichte geschrieben: Daniela Rühl ist die erste Frau an der Spitze eines Fußballkreises in Hessen. Das ist bemerkenswert. Der Hessische Fußball-Verbandes (HFV) blickt auf eine 75-jährige Historie zurück. Eine, in der in den 32 Kreisen zigmal die Funktionsträger wechselten und doch immer gleich waren: männlich und lebenserfahren.

          DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte Anfang September in Grünberg beim Ehrungsabend des HFV zwar, dass es bundesweit noch drei weitere Frauen in vergleichbarer Funktion gebe. Trotzdem liefert der Kreis Marburg ein Novum: Rühls Stellvertreterin heißt Ellen Berghöfer und komplettiert damit das einmalige Duo. Keinem anderen Fußballkreis in Deutschland stehen und standen jemals zwei Frauen vor.

          Skeptische Zuhörer

          Ellen Berghöfer ist seit 1998 als Funktionärin im Fußballkreis Marburg tätig, seit Herbst 2021 ist sie Vorsitzende der Kommission Finanzen und Abrechnungen beim HFV. Sie macht keinen Hehl aus ihrem Eindruck, dass Frauen noch immer mehr tun müssen als Männer, um anerkannt zu werden. Manchmal sind es Kommentare, manchmal sind es Blicke, die ihr verraten, dass Zuhörer skeptisch sind.

          „Wenn es mir zu bunt wird, dann zähle ich auf, seit wie vielen Jahren ich das mache und in welcher Liga ich früher Fußball gespielt habe, auch wenn ich das eigentlich gar nicht möchte“, sagt sie. „Ach, du kennst dich ja aus“, sei die vielfache Reaktion.

          Beim „F27-Forum - Frauen im Fußball“ beschäftigt man sich mehrheitlich mit dem Profifußball. Die Welt des Amateursports ist weit entfernt.
          Beim „F27-Forum - Frauen im Fußball“ beschäftigt man sich mehrheitlich mit dem Profifußball. Die Welt des Amateursports ist weit entfernt. : Bild: dpa

          Nachdem Daniela Rühl im Jahr 2009 zur Vorsitzenden ihres Heimatvereins, dem TSV Weipoltshausen, gewählt wurde und an ihrer ersten Rundenbesprechung teilnahm, war der erste Kontakt mit ihren neuen Kollegen besonders einprägsam: „Ein Bier, bitte“ – man hatte sie für eine Kellnerin gehalten, nicht aber für eine Vereinsvorsitzende.

          In der jüngsten Vergangenheit ist sie auf ihrer ersten Verbandsvorstandssitzung angesprochen worden, dass sie wohl versehentlich auf dem Platz von Peter Schmidt sitze. Schmidt ist der Vorgänger Rühls. „Ich bin dann nach vorne ans Mikrofon gegangen und habe allen gesagt, dass ich der neue Peter Schmidt bin und man mich Daniela Rühl nennt, das hat die Stimmung dann aber auch aufgelockert“, sagt sie und schmunzelt.

          Leadership-Programme für Frauen

          Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist vielerorts ein erklärtes Ziel. Mehr aber noch nicht. Tanja Gröber, Trainerin und Beraterin in den Sportvereinen und -verbänden, liefert ein anschauliches Beispiel: „Schauen Sie sich mal die gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt der Mitglieder in den Sportvereinen. Dann halten Sie ein Bild der heutigen ehrenamtlichen Vereins- und Verbandsführung gegenüber. Frauen finden in diesen Strukturen oft wenig Vorbilder.“

          Gröber berät Vereine und Verbände und begleitet diese im Wandel. Unter anderem bietet sie dazu Leadership-Programme speziell für Frauen an, die ehrenamtlich Führung übernehmen wollen. So auch beim HFV. Mehr als einmal haben Programme wie „Frauen im Fußball stärken“ stattgefunden.

          Jugendspielerinnen der Eintracht trainieren unter Flutlicht.
          Jugendspielerinnen der Eintracht trainieren unter Flutlicht. : Bild: Frank Röth

          Auf F.A.S.-Anfrage erklärt HFV-Schatzmeister Jörn Metzler, dass die Ehrenamtlichen „das höchste Gut“ des Verbandes seien: „Leider ist es im Rahmen der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung zunehmend schwieriger, Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Wir freuen uns über alle, die ehrenamtlich mithelfen, unabhängig vom Geschlecht.“ Metzler kündigt an, dass mittelfristig wieder ein Leadership-Programm für Frauen stattfinden soll.

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