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Fußball-Annexion : Die Angst der Fifa vor Moskau

Damals in der Ukraine: Ankündigung für das Ligaspiel zwischen Simferopol und Sewastopol am 1. März. Die neuen, pro-russischen Herren der Krim verboten schnell ukrainischen Fußball. Bild: REUTERS

Die Krim soll russisch sein, auch im Fußball: Mehrere Klubs sollen schon in dieser Saison in der russischen Liga spielen. Die Fifa schweigt dazu - neuerdings.

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          Die Angelegenheit ist heikel. Die Antworten aus Zürich und Nyon fallen kurz aus. Der Internationale Fußballverband (Fifa) schreibt: „Bislang sind wir über die Angelegenheit nicht offiziell informiert worden. Bitte verstehen Sie, dass wir darüber hinaus keinen Kommentar abgeben dürfen.“ Und die Europäische Fußball-Union (Uefa) teilt mit: „Die Uefa beobachtet die Situation und steht mit beiden Verbänden in Kontakt, um die Angelegenheit zu diskutieren. Mehr haben wir derzeit nicht zu kommentieren.“ Die Angelegenheit? Russland macht Nägel mit Köpfen.

          Die Krim soll russisch sein, also auch ihr Fußball: Schon in dieser Saison sollen drei Fußballklubs von der Krim, Tawrija Simferopol, FC Sewastopol und Schemtschuschina Jalta in die laufende Saison der dritten russischen Liga integriert werden. Das hat der russische Fußballverband RFU in der vergangenen Woche beschlossen. Bei der kommenden Sitzung der RFU-Exekutive solle dann über die Aufnahme der beiden regionalen Fußball-Verbände der Krim beraten werden. Der ukrainische Verband protestiert scharf gegen das Vorgehen. Das Verhalten der Russen sei „unannehmbar“, sagte Anatolij Popow, Präsident des ukrainischen Fußballverbands (FFU), in dieser Woche im ukrainischen Fernsehen.

          Die pro-ukrainischen Ultras sind geflohen

          Ein für Freitag angesetztes Spiel mit zwei der betroffenen Vereine, Simferopol und Sewastopol, im russischen Pokal wurde abgesagt. Noch Mitte April hatten sich beide Klubs in der ersten ukrainischen Liga gegenüber gestanden. Aber schon damals war klar, was die neuen Herren der Krim, eingesetzt nach Landnahme und vielfach gefälschtem Referendum, mit den Teams auf der Halbinsel vorhatten. Rustan Temirgalijew, stellvertretender Vorsitzender des Ministerrats der „Autonomen Republik Krim“, hatte bereits nach der russischen Annexion im März angekündigt, „spätestens“ zur neuen Saison sollten die Fußballvereine im russischen Verband untergekommen sein.

          Aufbau: Putin und Mutko (r.) bei der Grundsteinlegung für das WM-Stadion in Samara am 21. Juli
          Aufbau: Putin und Mutko (r.) bei der Grundsteinlegung für das WM-Stadion in Samara am 21. Juli : Bild: AFP

          Spiele der Klubs im ukrainischen Verband verboten die neuen Machthaber alsbald, so dass dem ukrainischen Verband nichts anderes übrig blieb, als die Klubs auszuschließen. Die kleine Gruppe unter den „Ultras“ der Klubs in Simferopol und Sewastopol, die sich stets pro-ukrainisch gaben, flohen nach dem Referendum von der Halbinsel, berichtet der in Sewastopol lebende Journalist Denis Trubetskoy. „Öffentlich hat das niemand gesagt“, schreibt er, „aber intern wären die Vereine gerne in der ukrainischen Liga geblieben. Das waren nicht die letzten Namen im ukrainischen Fußball.“

          „Empfehlen nachdrücklich, von Aufnahme abzusehen“

          Bemerkenswert ist vor allem, dass die Fifa inzwischen schweigt. Denn der Weltverband ist, entgegen seiner Darstellung gegenüber dieser Zeitung sehr wohl längst auch offiziell über die Angelegenheit informiert. Das geht aus einer Kopie eines Schriftsatzes hervor, den Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke am 5. Juni aus Sao Paulo an Nikolai Tolstych, den Präsidenten des Russischen Fußball-Verbandes, gesendet hat.

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