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Basketball mit Kopftuch : Ihre Sache!

Man sich über jede Frau und jedes Team, denen nun die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen möglich ist, nur freuen. Bild: AP

Ab Oktober darf mit Kopfbedeckung Basketball gespielt werden. Aber die Funktionäre müssen endlich mehr dafür tun, die Gleichberechtigung durchzusetzen, die sie in ihren Regeln niedergeschrieben haben.

          Frage: Was haben Fußball, Handball, Hockey, Volleyball gemeinsam – und welche Sportart fehlt hier aus welchem Grund? Antwort: Alle vier dürfen auf höchster Ebene, zum Beispiel bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, mit Kopftuch gespielt werden – Basketball nicht. Das ändert sich in diesem Jahr, endlich. Ab 1. Oktober, hat der Internationale Basketball-Verband Fiba am Donnerstag beschlossen, darf mit Kopfbedeckung auf die Körbe geworfen werden.

          Jahrelang hatten sich die Funktionäre quergestellt, den Gesundheitsschutz angeführt und damit argumentiert, dass die Spielkleidung uneinheitlich aussehen könnte. Nun endlich, drei Jahre nachdem die Fifa im Fußball ihr Kopftuchverbot aufgehoben hat, ist es gelungen, die Basketball-Regel so zu formulieren, dass Kopftücher und andere Kopfbedeckungen im Basketball als genauso ungefährlich gelten wie im nicht eben unkörperlicheren Handball – und auch das Farbproblem wurde gelöst: Jede Mannschaft muss in einheitlichen Hedschabs antreten.

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          Zum Beispiel, denn während das bisherige Verbot vor allem von muslimischen Basketballspielerinnen kritisiert wurde, wird nun auch Sikhs erlaubt, Dastaar oder Patka (gemein: Turban) zu tragen und Juden die Kippa. Eingesetzt für die Regeländerungen haben sich aber vor allem Muslimas in aller Welt.

          Tatsächlich kann man sich über jede Frau und jedes Team, denen nun die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen möglich ist, nur freuen. Noch bei den Asienspielen 2014 hatten sich Qatars Frauen zurückziehen müssen, weil ihnen das Spiel mit Kopftuch untersagt worden war. Jüngst hatte sich auch der Sportminister des Irans mit einem Brief an die Fiba gewandt. Ungewöhnlich war dabei die Argumentation von Masud Soltanifar, verbietet die Islamische Republik doch Frauen zum Beispiel den Besuch von Männer-Fußballspielen (und umgekehrt).

          Und nun führt Soltanifar im Namen des Basketball-Hedschabs die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Olympische Charta an. Beide Dokumente basieren auf dem Gleichheitsgrundsatz. Eine gute Gelegenheit, die iranische Regierung, und längst nicht nur sie, daran zu erinnern, dass das Recht, ein Kopftuch zu tragen, auch das Recht mit sich bringt, es nicht zu tragen.

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          Gleiches gilt umgekehrt für die französischen Verbandsfunktionäre, die der 19 Jahre alten Trainerin einer Mädchenmannschaft in Échirolles bei Grenoble im Namen der „Neutralität des Sports“ untersagen, beim Pokalendspiel dieses Wochenende auf der Bank zu sitzen, sofern sie, wie bislang, ein Kopftuch trägt.

          Die Funktionäre von Fiba, Fifa, Volleyballverband und Internationalem Olympischen Komitee müssen zudem endlich mehr dafür tun, die Gleichberechtigung durchzusetzen, die sie in ihren Regeln niedergeschrieben haben. Niemand hat das Recht, Mädchen und Frauen zu verbieten, Sport zu treiben und anderen beim Sport zuzuschauen. Welche Kleidung sie dabei tragen? Ihre Sache.

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