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OK-Chef beim „Sommermärchen“ : Beckenbauer kassierte doch für Chefposten bei der WM 2006

Es wird eng für den Kaiser: Offenbar hat Franz Beckenbauer bei der WM 2006 gar nicht ehrenamtlich gearbeitet Bild: AP

Neue Vorwürfe in der Affäre um die Fußball-WM in Deutschland: Anders als bislang behauptet, hat Franz Beckenbauer für seine Arbeit als Chef des Organisationskomitees 5,5 Millionen Euro erhalten – und diese offenbar erst Jahre später versteuert.

          Die Spekulationen um die Rolle Franz Beckenbauers rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gehen weiter. Nach F.A.Z.-Informationen hat der damalige Chef des WM-Organisationskomitees im WM-Jahr 5,5 Millionen Euro vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhalten, die zu Teilen aus einem Sponsorenvertrag des Verbandes mit dem staatlichen Sportwettenanbieter Oddset stammten. Im Gegenzug warb Beckenbauer für das Glücksspielunternehmen. Ob die Auftritte dem Marktwert der gezahlten Summe entsprachen, ist nicht klar. Jedenfalls behauptete der DFB damals, dass Beckenbauer ehrenamtlich als OK-Präsident tätig war. Die neuen Informationen könnten dies in Frage stellen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Zahlung vom DFB an Beckenbauer soll in einem Papier der Prüfungsgesellschaft KPMG aufgeführt sein, wie die F.A.Z. aus Kreisen des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) mitgeteilt bekam. KPMG hatte nach der WM 2006 für die Fifa als Auftraggeber wie üblich die Geldflüsse im Zusammenhang mit den WM-Ausrichtern in Deutschland durchleuchtet.

          Beckenbauer zog Ehrenamt vor

          Wie die F.A.Z. erfahren hat, soll der DFB mit Beckenbauer zu Beginn seiner Arbeit als OK-Präsident im Jahr 2001 über eine regelmäßige Vergütung gesprochen haben. Jedoch zog der Ehrenpräsident des FC Bayern dann das Ehrenamt vor. Wenn die 5,5 Millionen Euro eine nachträgliche Entlohnung fürs Beckenbauers Arbeit an der Spitze des WM-Organisationskomitees war, stellt sich die Frage, warum Verband und Fußballikone dies nicht so kommuniziert haben.

          Nach neuesten Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sollen die Beckenbauer-Millionen erst vier Jahre später, nachdem er das Geld kassiert hatte, im Jahr 2010 nach einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt Frankfurt versteuert worden sein. Das habe der DFB auf Anfrage bestätigt. Oddset war damals einer von sechs nationalen Förderern für die Fußball-WM 2006, jeder zahlte etwa zwischen zehn und zwölf Millionen Euro für das Engagement. Wie der DFB auf Spiegel-Anfrage mitteilte, habe „Beckenbauer bestimmte Werbeleistungen für Oddset erbringen und hierfür eine Beteiligung an den Erlösen des DFB aus dem Vertrag erhalten“.

          Öffnen

          Dazu habe der DFB mit Beckenbauer zwei Verträge geschlossen, einen im Oktober 2004 und einen im Oktober 2006. Dieser habe Beckenbauer einen Betrag von insgesamt 5,5 Millionen Euro zugesichert, die „im Zeitraum Februar 2005 bis Oktober 2006 in fünf Raten an Herrn Beckenbauer ausgezahlt wurden“, wie es in der DFB-Stellungnahme heißt. Angeblich sei das Geld vier Jahre lang nicht versteuert worden. Erst als das Finanzamt Frankfurt bei einer Steuerprüfung im DFB auf den Vorgang gestoßen sei, habe der Verband im Dezember 2010 „1 160 500 Euro an Abzugssteuer“ gezahlt. Im März 2011 habe Beckenbauer, so der DFB, das Geld dann erstattet.

          Noch immer ungeklärt sind derweil Beckenbauers Verstrickungen in einen Zahlungskreislauf über 6,7 Millionen Euro, den auch die Staatsanwaltschaften in Deutschland und der Schweiz beschäftigen. Zusätzliche Fragen drehen sich um Zahlungsflüsse über 5,4 Millionen Euro in den Jahren 2008 bis 2011 von der Fifa an Beckenbauer – über seinen damals engen Vertrauten Fedor Radmann.

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