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Forderung von SPD und CSU : Ein Gesetz zum Schutz des Sports?

Dagmar Freitag: „Der Fußball kann solch ein Problem nicht allein regeln” Bild: dpa

In Berlin und München scheint sich eine große Koalition für ein Gesetz zum Schutz des Sports vor Manipulationen zu bilden. Derweil zeigt sich die Leichtathletik beim Verbandstag in Berlin von den Machenschaften im Fußball bestürzt.

          In Berlin und München scheint sich eine große Koalition für ein Gesetz zum Schutz des Sports vor Manipulationen zu bilden. Unter dem Eindruck des Bestechungsskandals im europäischen Fußball kündigte Dagmar Freitag von der SPD, die künftige Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Gespräche mit der bayerischen Justizministerin Beate Merk von der CSU zu diesem Thema an. Sie wolle sehen, ob man parteiübergreifend vorankomme, sagte sie.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mit Blick auf die Arbeit im Bundestag sagte sie: „Wir stellen uns jetzt der Aufgabe, aus der Opposition heraus die Notwendigkeit einer solchen Regelung zu verdeutlichen. (...) Jetzt ist der Fußball betroffen. Ein andermal können die Leichtathletik und andere Sportarten durch Doping betroffen sein“, sagte Dagmar Freitag beim Verbandstag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Auch hier wird offensichtlich, dass der Sport, in diesem Fall der Fußball, solch ein Problem nicht allein regeln kann. Nur mit dem Einsatz von Polizei, Staatsanwaltschaft und ordentlichen Gerichten ist solchen Manipulationen erfolgreich beizukommen.“ (Siehe: Dagmar Freitag: „Die ehrlichen Sportler vor Betrügern schützen“)

          Leichtathletik von den Machenschaften bestürzt

          Die bayerische Justizministerin Merk hatte am Freitag in München gemahnt, dass Bestechungsskandale ebenso wie Doping die Lauterkeit des Sports untergrüben. „Wenn wir da nicht durchgreifen, stehen Sauberkeit und Fairness des Sports auf dem Spiel“, sagte die Ministerin und warb für ein Gesetz zum Schutz des Sports. Mit der bayerischen Bundesratsinitiative für ein strenges Gesetz gegen Doping ist die streitbare Bayerin vor drei Jahren am Widerspruch aller anderen Länder gescheitert. Bis heute hält sie an ihrer Vorstellung, die sich nicht mit dem Wunsch des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), fest.

          Der am Samstag wiedergewählte DLV-Präsident Clemens Prokop trat der sich abzeichnenden Koalition mit fliegenden Fahnen bei. Auch die Leichtathletik sei bestürzt von den Machenschaften im Fußball, sagte er in Berlin. „Die Werte des Sports sind so wertvoll, dass wir einen Anspruch auf den Schutz des Staates haben“, leitete er daraus ab und fordert ein Antidoping-Gesetz, das seinen Namen auch verdiene. „Was in Österreich möglich ist, sollte auch in Deutschland möglich sein“, sagte er. Prokop ist von Beruf Direktor des Amtsgerichts in Kelheim im Altmühltal. Beate Merk ist seine Dienstherrin, Dagmar Freitag ist im Verband seine Stellvertreterin. Auch sie wurde am Samstag wiedergewählt.

          An die Adresse des DOSB gerichtet, sagte die Vorsitzende des Sportausschusses, ihre Forderung sei nicht als Eingriff in die Autonomie des Sports zu verstehen. „Der Sport sollte solche Bemühungen vielmehr als Angebot verstehen, nicht als Angriff“, erklärte Frau Freitag. „Er sollte dringend davon abkommen, solche Überlegungen als Gegeneinander zu empfinden.“ Der DOSB und sein Präsident Thomas Bach lehnen die Strafverfolgung von Doping mit der Begründung ab, dass der Sport mit seinen Startsperren Athleten schneller und wirkungsvoller sanktionieren könne als der Staat.

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