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Footballer Madiama Diop : Auswärts darf er nicht spielen

  • -Aktualisiert am

Die Würzburg Panthers mit Interimstrainer Johannes Brandt (rechts) setzen sich für Madiama Diop ein Bild: dpa

Madiama Diop ist senegalesischer Asylbewerber und spielt Football bei den Würzburg Panthers. Aber wegen der Residenzpflicht nur bei den Heimspielen. Das soll sich ändern.

          Unzählige Fotos von Menschen, die ein American-Football-Trikot mit der Nummer 45 tragen oder Pappschilder mit „#45“ hochhalten, werden täglich auf die Facebook-Seite des Landesligateams Würzburg Panthers gestellt - darunter von Spielern der Erstligavereine Schwäbisch Hall und Marburg. Die Nummer 45 trägt bei den Panthers der senegalesische Asylbewerber Madiama Diop, der seit April für Würzburg spielt - allerdings in Grenzen.

          Denn als Asylbewerber unterliegt er der Residenzpflicht und darf in Bayern seinen Regierungsbezirk nicht verlassen. Die beantragte Sondergenehmigung wurde abgelehnt - die Zentrale Rückführungsstelle berief sich auf den Aspekt der Freizeit, der beim Sport überwiege, ein „dringend öffentliches Interesse“ oder „zwingende Gründe“ bestünden nicht.

          Die Idee, Fotos mit seinem Trikot oder seiner Rückennummer 45 über soziale Medien zu verbreiten, kam von Teamkollege Martin Riethmüller, der auf der Auswärtsfahrt nach Bamberg überlegte, wie man Diop ein Zeichen der Solidarität senden könne. Hochgeladen im sozialen Netz, verbreitete sich die Geschichte schnell. „Vielen Dank, Jungs, ich bin so glücklich. Das ist eine schöne Aktion“, schrieb er in Facebook.

          „Im Moment fühle ich mich sehr glücklich wegen der Unterstützung, weil ich sie nicht nur von Leuten aus Deutschland erhalte. Ich hoffe, dass Hautfarbe, Religion oder Sprache keine Rolle spielen. Gestern noch wollte ich American Football spielen und mich in die Gemeinschaft integrieren, heute möchte ich Teil der großen Familie namens Würzburg sein.“

          Unverzichtbar – auch als Mensch

          Die Resonanz ist mittlerweile groß, um die Facebookseite und die Website des Teams müssen sich abwechselnd verschiedene Mannschaftsmitglieder und Betreuer kümmern. An solch einen Zuspruch, an so viele Solidaritätsbekundungen hatte niemand geglaubt. Das gilt auch für eine im Internet gestartete Petition. Am vergangenen Dienstag hatte es schon mehr als 24.000 Unterzeichner gegeben. Interimstrainer Johannes Brandt sagt, es sei für viele Menschen unverständlich, dass die Residenzpflicht in anderen Bundesländern lockerer gehandhabt werde.

          Der ganze Verein signalisiert, dass Diop unverzichtbar sei, als Spieler, vor allem aber als Mensch. Brandt erzählt, dass der Neunundzwanzigjährige anfangs noch schüchtern gewesen sei, sich bald aber schon „eine Dynamik entwickelt“ habe. Diop scherze mit seinen neuen Freunden, und er habe „nicht lange gebraucht, um zu zeigen, was für ein cooler Typ er ist“.

          „Musterbeispiel“ von gelebter Integration

          Diop kam über ein mit Fördergeldern bedachtes Integrationsprojekt in das Team. Einer der Gründer von „Sport ohne Grenzen“, Stephan Rinke, sagt, dass es keinen besseren Integrationsweg als den Sport gebe, er sieht Diop als „Musterbeispiel“ von gelebter Integration. „Das Projekt dient auch dazu, dass die Asylbewerber besser Deutsch lernen“, sagt Brandt. Diop sei längst ein Symbolcharakter - seine Geschichte könnte anderen Asylbewerbern helfen, könne zu einem Umdenken führen, so Rinke.

          Er klingt zuversichtlich. Die Residenzpflicht hat den Sinn, dass Asylbewerber ständig schnell erreichbar sind. „Wenn Not am Mann ist, dann ist es für die Behörden sinnvoll zu wissen, wo sich der Asylbewerber aufhält - aber bei einem Footballspiel, das Samstagnachmittag stattfindet und nur wenige Stunden dauert? Da ist doch sowieso niemand im Büro“, sagt Rinke.

          Diop: „Das gibt mir Motivation“

          Die Diskussion ist in der Politik angelangt. In einer Presseerklärung der SPD-Landtagsfraktion Bayern wird die Residenzpflicht als „Integrationshindernis“ beschrieben, der Würzburger Abgeordnete Georg Rosenthal sprach von einer „Maske der Unmenschlichkeit“.

          Michael Münchow, stellvertretender Pressesprecher der Regierung von Mittelfranken, bestätigte auf Anfrage per Mail, dass es „Herrn Diop aber unbenommen“ bliebe, „bei Vorliegen eines neuen Sachverhalts einen erneuten Antrag auf Erteilung einer Verlassenserlaubnis zu stellen, über den dann wiederum zu entscheiden“ sei. Die Integration eines Asylberechtigten stehe im Vordergrund, aber bei Diop müsse „auch im Interesse des Antragstellers“ im Rahmen des Artikels 58 des Asylverfahrensgesetzes „seine persönliche Situation und nicht die Unterstützung eines Integrationsprojektes im Vordergrund stehen“.

          Diop hofft derweil darauf, nicht nur in Training und Heimspielen Teil des Teams zu sein: „Ich bin so glücklich, dass die anderen mit mir für mich kämpfen - das gibt mir Motivation. Es ist schwer für mich, nicht zu spielen. In Zukunft möchte ich gerne auch auswärts auf dem Feld stehen.“

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