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DFB-Flüchtlingshilfe : Geld fürs gute Gewissen

Fußball verbindet: Ein junger Flüchtling bejubelt bei einem Turnier in Stuttgart ein Tor. Bild: dpa

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzt sich für Flüchtlinge ein – mit gerade einmal 500 Euro jährlich für ausgewählte Vereine. Bis die Asylbewerber einen Spielerpass bekommen, vergehen Wochen oder Monate.

          Als bekanntwurde, dass im Ort künftig Asylbewerber unterkommen würden, war für den TSV Tröglitz klar: Wir wollen die Flüchtlinge willkommen heißen und in unseren Sportverein integrieren. Das war vor einigen Monaten. Seither hat der Ort in Sachsen-Anhalt traurige Berühmtheit erlangt durch den Rücktritt seines ehrenamtlichen Bürgermeisters, der einen Aufmarsch von Gegnern der geplanten Unterkunft für Asylbewerber vor seinem Haus fürchtete, und durch den Brand, der kurz darauf in dieser Unterkunft gelegt wurde. Jörg Heinold, Sektionsleiter Fußball beim TSV Tröglitz, sagt: „Das hat uns eigentlich nur in unseren Plänen bestärkt.“

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Noch sind die Flüchtlinge nicht eingetroffen, aber alte Trikots hat der Verein schon für sie zur Seite gelegt. Alles andere wird sich zeigen: Kommen vor allem junge Männer, die Fußball spielen wollen? Oder Familien mit kleinen Mädchen, die lieber turnen möchten? In der Zwischenzeit hat der Verein sich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) um Fördergeld beworben, das ihm auch bewilligt wurde. Das Geld ist Teil einer Flüchtlingsinitiative des DFB, die neben Werbespots mit Fußball-Stars wie Ilkay Gündogan vor allem aus dem Programm „1:0 für ein Willkommen“ besteht. Mit dem Geld werden je 600 Fußballvereine, die sich für Flüchtlinge einsetzen, über zwei Jahre einmalig mit 500 Euro gefördert. Das können 600 Vereine 2015 und andere 600 Vereine 2016 oder auch dieselben 600 Vereine in beiden Jahren sein. So oder so sind es nur solche Fußballklubs, die sich bereits für Flüchtlinge einsetzen. Klubs, die das nicht tun, werden von dem Programm nicht dazu ermuntert.

          500 Euro im Jahr für 600 bis 1200 Fußballklubs, die sich ohnehin schon ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren, und nichts für die restlichen knapp 25.000 Klubs - ist das viel oder wenig? Und setzt sich der DFB auch unabhängig von solchen Kampagnen für die Integration von Flüchtlingen in den Sport ein? Oder legt er Asylbewerbern eher bürokratische Hürden in den Weg, die ihre Integration durch Sport erschweren?

          „Mehr darf’s natürlich immer sein“, sagt Jörg Heinold, „aber die ersten Aufwendungen sind damit gedeckt; es ist ein Anfang.“ Mit hohen Kosten rechnet Heinold nicht. „Es gibt dann halt ein paar Leute mehr, die keinen Mitgliedsbeitrag zahlen, aber die Kosten, die sie verursachen, etwa übers Duschen, sind ja nun auch gering.“ Da fürchtet er eher den organisatorischen Aufwand. Die Flüchtlinge dürfen nicht Mitglied im Verein werden, solange ihr Status ungeklärt ist. Aber sie dürfen einen Spielerpass bekommen. Wenn sie älter sind als neun Jahre allerdings erst, nachdem ihr Landesverband bestätigt hat, dass sie dort keinen Profivertrag unterschrieben haben: „Das ist natürlich wahnsinnig aufwendig.“

          „Der DFB macht sich ein reines Gewissen“

          Genau das macht Günter Reichardt wütend. Er leitet die Fußballabteilung des rheinland-pfälzischen Sportvereins SV Niederwörresbach und setzt sich schon lange für Flüchtlingskinder ein. Reichardt verzweifelt an den bürokratischen Hürden des DFB und des Weltfußballverbandes (Fifa). Der will Menschenhandel ähnlichen Praktiken etwa beim Wechsel von talentierten Jugendlichen aus Afrika nach Europa vorbeugen. Falls der Heimatverband antwortet oder 30 Tage lang nicht auf die Anfrage reagiert - was bei den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, öfter der Fall ist - , bekommen die Flüchtlinge einen Spielerpass. Reichardt sagt, die gesamte bürokratische Prozedur dauere oft noch viel länger. „Da sind die Kinder dann teils schon woanders untergebracht.“

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