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Fina-Kongress : Die Gala der Mitverschwörer

„Ein Kongress im Geist der Transparenz und Demokratie“: Maglione (rechts) und al Musallam. Bild: dpa

Beim Fina-Kongress triumphieren Männer mit ziemlich garstiger Reputation: Scheich Al Sabah wird mit dem goldenen „Fina Preis“ geehrt und Al Musallam wird wieder gewählt.

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          Goldene Zeiten also im Internationalen Schwimmverband. So sieht es die Fina selbst, die an diesem Wochenende ihren Präsidenten Julio César Maglione, einen Uruguayer im neunten Lebensjahrzehnt, gefeiert hat, zuerst auf ihrem Kongress in einem Budapester Luxushotel, dann in der prächtigen Ungarischen Staatsoper. Spätestens hier, an der besten Adresse, die Pest zu bieten hat, in der Theresienstadt, dem VI. Bezirk, wurde endgültig jede Zurückhaltung an der Garderobe abgelegt.

          Es war an der Zeit, einen Mann zu ehren, der sich in letzter Zeit dünn gemacht hatte, hinter den Kulissen der internationalen Sportpolitik verschwunden war: Ahmad al Fahad al Sabah, der Scheich aus Kuweit, nahm aus Magliones Händen auf der Bühne der Oper den goldenen „Fina Preis“ entgegen. „Goldene Zeiten“, hieß es dazu im Galareport des Verbands.

          Es irrt, wer da an eine schlichte Auszeichnung glaubt – und schon bei einer solchen stellte sich die Frage, warum sie ein, besser: der notorische Strippenzieher des Weltsports erhalten sollte, spätestens seit den Ermittlungen der Amerikaner in Sachen Korruption beim Internationalen Fußballverband (Fifa) massiv der Korruption verdächtig. Irrt gewaltig. Der „Fina Preis“ wird „nur einmal im Jahr“ verliehen und ist „eine Auszeichnung, die einer Einzelperson, einer Mannschaft oder einer Organisation vermacht werden, um ihre herausragenden positiven Handlungen im Dienste des Sports zu würdigen“.

          „Kristallklar“? In Budapest taucht mancher wieder auf, der kurzzeitig abgetaucht schien – und nicht nur Schwimmer.

          Im Jahre 2017, befand Maglione und seine Fina, hat diese Auszeichnung an den Mann zu gehen, den amerikanische Staatsanwälte ein „Mitverschwörer“ nennen, genauer: Mitverschwörer Nummer 2 im Fall „United States of America against Richard Lai“. Jener Lai, Vorsitzender des Fußballverbandes von Guam, bis zur Veröffentlichung der Anklage Mitglied der Audit- und Compliancekommission der Fifa, hat zugegeben, über eine Million Dollar an Bestechungsgeldern angenommen zu haben – von den als Mitverschwörern bezeichneten Personen. Von Sabah also, der jedes Fehlverhalten bestreitet, und von Mitverschwörer Nummer drei, in Budapest ebenfalls wiedergewählt als Erster unter den Vizepräsidenten der Fina: Husain al Musallam, wegen seiner Vergangenheit im Cockpit „The Captain“ genannt, rechte Hand al Sabahs, nach eigener Auffassung ebenfalls keines Vergehens schuldig.

          Al Musallam hat unter Beobachtern der übel beleumundeten Funktionärszirkel eine bemerkenswert garstige Reputation, aber nicht jeder begegnet ihm mit Abneigung. Auf den Fina-Kongress brachte der Kuweiter seine minderjährige Tochter mit und setzte sie neben Maglione. Sie beklatschte dessen Wiederwahl und die Bestätigung des Vaters als Erster unter den Vizepräsidenten mit heller Freude.

          Der an eine Krönungsmesse erinnernde Kongress verlief einigermaßen reibungslos für Maglione und Al Musallam. Dazu trug nicht zuletzt bei, dass dem oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Paolo Barelli aus Italien mit Verweis auf die Verfahrensordnung verwehrt wurde, sich vorzustellen und die Vorwürfe der Misswirtschaft zu wiederholen, die er in den vergangenen Monaten zu Wort gebracht hatte. Die in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Vorwürfe gegen Sabah und al Musallam, sie hätten zur Bestechung von Lai Gelder des Olympischen Rats von Asien, den sie ebenfalls führen, verwendet, änderte nichts am durchschlagenden Erfolg der Kuweit-Uruguay-Fraktion auf diesem Kongress. Auf ihrem Ticket, wiedergewählt ins Führungsgremium des Verbandes, steht auch Wladimir Salnikow.

          Der Präsident des russischen Schwimmverbandes hatte einst positive Proben russischer Schwimmer vertuscht. Aber Doping ist in Magliones Fina ja nicht mal dann ein größeres Problem, wenn, wie im vergangenen Jahr, drei der eigenen Mitglieder des eigenen Anti-Doping-Expertenrats aus Protest gegen die „Ignoranz“ der Verbandsspitze zu diesem Thema ihr Amt aufgeben. Dabei bestimmt schon der gesunde Menschenverstand, dass der Betrugsverdacht bei etlichen Badeanzug- und Badehosenträgern so manifest ist wie bei etlichen von den Herren im Fina-Blazer. Im Frühjahr war Jacco Verhaeren, der australische Chefcoach, aus der Fina-Trainerkommission zurückgetreten, aus Protest gegen Führungsschwäche und das Versagen der Verbandsführung, sauberen Sport zu unterstützen.

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          Maglione kümmert das alles herzlich wenig. Er freute sich nach der Wahl über seine phantastischen Zustimmungswerte auf einem „kristallklaren, hundertprozentig demokratischen Kongress“. Von Vertretern aus 208 Ländern sei er gewählt worden. Traumhaft. Tatsächlich waren nur 176 Mitgliedsverbände nach Budapest gekommen. In keiner Sportart, beschloss das Internationale Olympische Komitee jüngst, werden bei den kommenden Sommerspielen in Tokio 2020 so viele Medaillen vergeben werden wie unter den Schwimmsportlern. Angesichts solcher Aussichten kündigte Maglione an, die volle Amtszeit von vier Jahren durchhalten zu wollen.

          Der Mann, der einst mit dem Versprechen angetreten war, maximal zwei Amtszeiten präsidieren zu wollen, hatte schon vor zwei Jahren das Alterslimit von 80 Jahren und eine Amtszeitbeschränkung abschaffen lassen. Beim Plan, 2019 die Zügel an al Musallam übergeben zu wollen, wie es seit Jahren hieß, behauptet Maglione nun nicht mehr mitmachen zu wollen. Den Kuweitern in Budapest war das einstweilen egal. Sie haben gezeigt, wer die Macht hat, nicht nur in der Fina.

          Der ausgezeichnete Scheich al Sabah, der die jüngste Session des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne verpasste und sich nachsagen lassen muss, er habe Angst vor einem etwaigen Zugriff der mit den Amerikanern zusammenarbeitenden Schweizer Polizei, traf in der Staatsoper an der Andrassy-Straße einen guten Bekannten. IOC-Präsident Thomas Bach hat die Gala mit seiner Anwesenheit geadelt. Maglione verlieh Bach den „Fina Orden“ auf der Opernbühne.

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