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Fifa widerspricht Iran : „Frauen müssen bei allen Fußballspielen in Iran zugelassen werden“

Selfies im Training sind kein Problem: Im Stadion gibt es nun ganz rare Zugänge für Frauen. Bild: Imago

Die Fifa versucht Druck zu entwickeln auf Iran: Nun fordert der Internationale Fußballverband freien Ticketverkauf an Frauen. Die Regierung will nur fünf Prozent der Plätze für Frauen reservieren.

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          Nach dem Besuch einer Delegation in Teheran drängt der Internationale Fußball-Verband (Fifa) darauf, dass Iran die Zahl der künftig für Frauen vorgesehenen Sitzplätze in Fußballstadien an der Nachfrage ausrichtet. Damit widerspricht die Fifa Plänen, die von der iranischen Regierung in der vergangenen Woche für das Weltmeisterschaftsqualifikationsspiel gegen Kambodscha am 10. Oktober präsentiert worden waren. Demnach sollten Eintrittskarten lediglich für 1600 Plätze in zwei Blöcken im Asadistadion, das bis zu 100.000 Zuschauer fasst, für Frauen zu erwerben sein. „Frauen müssen die Stadien frei betreten können und ihre Zahl muss sich nach der Nachfrage und Ticketverkäufen richten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Fifa. Mit einer sehr limitierten Kartenanzahl für Frauen hatte sich der Internationale Volleyball-Verband zufriedengegeben, mit der Folge, dass bei Länderspielen keine Karten in den freien Verkauf gingen, sondern die Zuschauerinnen gute Verbindungen zum iranischen Volleyball-Verband oder den Sportbehörden hatten.

          Die Fifa-Mitarbeiter hätten produktive Gespräche mit dem stellvertretenden Sportminister der Islamischen Republik Iran, Mohamad Resa Dawarsani, und Vertretern des iranischen Fußball-Verbandes geführt, eine Stadionbesichtigung habe keine Hindernisse für den Zutritt der Frauen ergeben, die Vorgehensweise beim Ticketverkauf sei im Detail besprochen worden, ebenso Fragen des Ablaufs. Am Dienstag, zitiert die Deutsche Presse-Agentur iranische Medien, habe das Sportministerium bekanntgegeben, es seien 4600 Plätze für Frauen vorgesehen – wenn man von 85.000 Sitzplätzen ausgeht, sind das 5,4 Prozent aller Tickets.

          Die von der Regierung vorgestellten Pläne waren auch auf Kritik gestoßen, weil Frauen nur dann der Zutritt gewährt werden sollte, wenn sie sich von Bushaltestellen im Teheraner Stadtzentrum in dafür vorgesehenen Bussen zum Stadion fahren lassen. Bürger- und Menschenrechtler warnten vor der dadurch möglich gemachten Überwachung der Fußball-Anhängerinnen durch Sicherheitsbehörden. In der Vergangenheit waren Frauen, die sich dem seit vier Jahrzehnten geltenden Stadionverbot widersetzen wollten oder dagegen demonstrierten, in vielen Fällen verhaftet worden.

          Zudem werde auf Grundlage der Erfahrungen des Länderspiels im Oktober mit dem iranischen Verband ein Ablaufprotokoll entwickelt, das Frauen den Zutritt zu Spielen der iranischen Liga verschaffen soll. Diese „wichtige Veränderung“ sei notwendig, allerdings wird kein Zeitplan genannt. „Die Haltung der Fifa ist fest und eindeutig: Frauen müssen bei Fußballspielen in Iran zugelassen werden. Bei allen Spielen“, endet die Mitteilung. Noch am Donnerstag hatte Fifa-Präsident Infantino sich so zitieren lassen: „Frauen müssen bei Fußballspielen in Iran zugelassen werden. Wir verstehen, dass es Schritte und Prozesse gibt, die angestoßen werden müssen, bevor dies auf die richtige und sichere Weise geschieht, aber der Zeitpunkt für Veränderungen ist gekommen und die Fifa erwartet positive Entwicklungen vom nächsten Heimspiel Irans an.“

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