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Kampf um Blatter-Nachfolge : Fifa-Sponsor teilt Kritik an Scheich Salman

Dunkle Vergangenheit? Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa steht in der Kritik. Bild: AFP

Erst kritisierten Menschenrechtler Scheich Salman, der Nachfolger von Fifa-Präsident Blatter werden will. Nun nimmt auch der erste Sponsor des Fußball-Weltverbandes deutlich Stellung zum Kandidaten aus Bahrein.

          Das Kreditkartenunternehmen Visa, Sponsor des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa, teilt die Kritik von Menschenrechtsorganisationen an der Kandidatur des bahreinischen Scheichs Salman bin Ebrahim Al Khalifa um die Fifa-Präsidentschaft. Das geht aus einer E-Mail an das „Bahrain Institute for Rights and Democracy“ (Bird) hervor, die FAZ.NET vorliegt.

          „Wir teilen Ihre Sorge um die Führung der Fifa und die Menschenrechte und das Bedürfnis nach umfassenden und fundamentalen Reformen bei der Fifa“, heißt es in der von Douglas Sabo, dem Vizepräsidenten des amerikanischen Unternehmens unterzeichneten Mail. Ein Kulturwandel bei der Fifa, in dem auch der Respekt vor Menschenrechten zum Ausdruck komme, sei von „entscheidender Bedeutung“, schreib Sabo.

          Er bedankte sich ausdrücklich dafür, dass Visa in dieser Sache angeschrieben worden sei. Als Verantwortlicher für die Marke Visa nehme man die Verantwortung ernst, bei seinen Sponsoringpartnern das Bedürfnis zu verstärken, „verantwortungsbewusst und moralisch einwandfrei“ aufzutreten. „Wir haben die Fifa aufgerufen, Wandel zu befürworten, Reformen umzusetzen, eine langfristige, unabhängige Aufsicht zu unterstützen und einen Kulturwandel einzuleiten“, mit dem auch der Wert der Menschenrechte festgeschrieben werde.

          Bird hatte alle Hauptsponsoren des Weltverbandes mit Verweis auf die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen der bahreinischen Regierung und des Herrscherhauses, deren Mitglied Al Khalifa ist, angeschrieben, und die Vorwürfe dargelegt, die dem Scheich rund um die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrein im Jahr 2011 gemacht werden. Al Khalifa war bis 2013 Vorsitzender des bahreinischen Fußballverbandes und steht seither der asiatischen Fußball-Konföderation vor.

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          Das Schreiben der Menschenrechtsgruppe an die Sponsoren legt detailliert dar, wie Fußballspieler, andere Sportler und Klubs vor fünf Jahren für ihre oppositionelle Haltung bestraft wurden. So sei es zu willkürlichen Verhaftungen und Folterungen von Spielern gekommen, Klubs seien mit Zwangsabstiegen belegt worden. Al Khalifa, dem am Freitag die afrikanische Fußball-Konföderation CAF ihre Stimmen zusagte, bestreitet die Vorwürfe.

          Neben Visa bringen auch die Fifa-Sponsoren Coca-Cola und Adidas keine Zweifel an der Darstellung der Menschenrechtler zum Vorgehen des bahreinischen Verbandes unter Al Khalifas Führung zum Ausdruck. Der Getränkekonzern aus Atlanta, Georgia, antwortete Bird, man sei angesichts der Kontroversen, die den gesamten professionellen Fußball überschatteten, zutiefst enttäuscht. Die Zukunft der Fifa hänge entscheidend auch vom Respekt gegenüber den Menschenrechten ab. Man beteilige sich nicht am Tagesgeschäft des Verbands, Coca-Colas Direktor Brent Wilton versicherte aber, weiterhin auf die Reformen zu drängen, die für die Zukunft der Fifa notwendig seien.

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          Für den Herzogenauracher Sportartikelhersteller Adidas schrieben Günter Weigl, Leiter Sportsmarketing, und Chefjurist Frank Dassler, man teile mit Blick auf die Reformen und die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten die Ansicht der Menschenrechtler, dass die Zeit für positive Veränderungen gekommen sei. Adidas verwies auf den Offenen Brief an das Exekutivkomitee der Fifa aus dem vergangenen Dezember, in dem fünf Hauptsponsoren, unter ihnen Adidas, Coca-Cola und Visa, einen Kulturwandel bei der Fifa gefordert und betont hatten, dass unter anderem der Respekt vor den Menschenrechten von essentieller Bedeutung für die Zukunft der Fifa sei.

          Zudem verwiesen die Adidas-Manager wie auch Coca-Cola darauf, dass die Fifa die Richtlinien der Vereinten Nationen zu Unternehmen und Menschenrechten in die eigenen Vertragsstrukturen einarbeiten will. „Uns ist allerdings wichtig“, schrieben Weigl und Dassler, „darauf hinzuweisen, dass Sponsoren nicht den neuen Fifa-Präsidenten wählen.“

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