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Keine Kooperation mit Ethikkommission : Beckenbauer verzichtet nach Fifa-Sperre auf WM-Reise

„Ich bin nicht verpflichtet, mit Herrn Garcia zu reden“: Franz Beckenbauer Bild: picture alliance / AP Photo

Franz Beckenbauer wird für 90 Tage für jegliche Tätigkeit im Fußball gesperrt und will auch seine Brasilien-Reise absagen. Wie FAZ.NET erfuhr, gab es auch Nachforschungen der Fifa-Ermittler wegen Rummenigges Uhren aus Qatar.

          Die Ethikkommission des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) hat am Freitag Franz Beckenbauer für eine Zeit von 90 Tagen als Funktionär national und international gesperrt. Hintergrund ist offenbar die Untersuchung in der korruptionsverdächtigen WM-Vergabe an Qatar und eine mangelnde Bereitschaft des deutschen Fußballidols an einer Zusammenarbeit mit den Fifa-Ermittlern.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es geht in diesem Fall aber derzeit nicht um Vorwürfe der Bestechlichkeit, gegen die sich Beckenbauer schon gewehrt hatte. „Das mutmaßliche Vergehen steht im Zusammenhang mit der fehlenden Kooperation von Franz Beckenbauer in einer Untersuchung der Ethikkommission, obwohl er wiederholt angefragt wurde, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern“, heißt es in einer Mitteilung der Fifa-Ethikkommission.

          Niersbach: „Franz ist ein absoluter Ehrenmann“

          „Ich habe gedacht, das ist ein Aprilscherz. Vielleicht hat sich da jemand einen Spaß erlaubt“, sagte Beckenbauer am Freitag beim TV-Sender „Sky Sport News HD“.

          Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ließ am Freitagabend mitteilen: „Mich hat die von der Fifa ausgesprochene Sperre überrascht, aber sie ändert nichts an meiner Einschätzung. Franz ist ein absoluter Ehrenmann, der nichts zu verbergen hat. Und ich bin sicher, dass er zur Klärung der offenen Fragen beitragen wird.“

          Nachforschungen auch zu Rummenigges Zollvergehen

          Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber hinaus erfahren hat, wurde in der Vergangenheit von den Fifa-Ermittlern auch schon Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge um eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Auch hier spielte die Verbindung nach Qatar eine Rolle. Es ging um ein Zollvergehen am 7. Februar 2013, als Rummenigge nach einem Termin als Vorsitzender der Europäischen Klubvereinigung in der qatarischen Hauptstadt Doha bei der Einreise nach Deutschland auf dem Flughafen in München mit zwei neuen Luxusuhren im Gepäck erwischt worden war. Er akzeptierte später einen Strafbescheid des Landshuter Landgerichts wegen Steuerhinterziehung über 249.900 Euro und ist seither vorbestraft.

          Die Fifa-Ethikkommission wollte allerdings danach offenbar wissen, woher die beiden Uhren kamen und forderte Rummenigge zu einer Stellungnahme auf. Der Deutsche Fußball-Bund war in dieser Angelegenheit nach Ethikreglement nicht tätig geworden. Der Fifa-Aufforderung ist Rummenigge anscheinend gefolgt, sonst wäre wohl auch er wie jetzt Beckenbauer gesperrt worden. Rummenigge hatte beim Zoll angegeben, dass er die beiden Uhren von einem Freund in Qatar geschenkt bekommen hätte. Wer dieser Freund war, ist bisher nicht bekannt.

          Beckenbauer mit Mohamed bin Hammam (Bild von 2000)

          Der Chefermittler der Fifa, Michael Garcia, hatte beim Fifa-Kongress in São Paulo in seiner Rede vor den Delegierten darauf hingewiesen, dass die Ethikkommission bei ihren Untersuchungen auf den Kooperationswillen der Funktionäre angewiesen ist. Er sprach auch über die Sanktionsmöglichkeiten. Garcia ist dabei, den Untersuchungsbericht bei seiner Qatar-Ermittlung fertigzustellen.

          Der Vorsitzende der Fifa-Spruchkammer, der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, war als Deutscher wegen möglicher Befangenheit nicht am Spruch gegen Beckenbauer beteiligt. Der Weltmeister muss nun 90 Tage seine Ehrenmitgliedschaft beim FC Bayern ruhen lassen. Mehr Ämter hat Beckenbauer derzeit nicht im Fußball.

          Beckenbauer kündigte an, nicht nach Brasilien reisen zu wollen. „Die WM ist für mich gestrichen, auf die geplante Reise nach Brasilien werde ich verzichten. Ich gehe davon aus, dass ich bei der Fifa nicht mehr willkommen bin“, sagte Beckenbauer der „Bild“-Zeitung. Er hätte wohl auch gar keine Spiele ansehen dürfen, wie einer Erklärung der Fifa-Ethikkomission zu entnehmen ist. „Franz Beckenbauer kann an keiner Fußball-Aktivität teilnehmen. Das schließt andere Dinge ein, wie eine Einladung zum Besuch eines Fußballspiels oder den privaten Besuch einer jeglichen Partie“, sagte Alan Sullivan, stellvertretender Chef der Fifa-Ethikkommission, am Samstag
          der Nachrichtenagentur dpa.

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