https://www.faz.net/-gtl-83sol

Festgenommene Fifa-Funktionäre : Nicht nur die üblichen Verdächtigen

  • Aktualisiert am

Fifa-Offizielle unter Verdacht (von links, von oben): Rafael Esquivel, Nicolas Leoz, Jeffrey Webb, Jack Warner, Eduardo Li, Eugenio Figueredo und Jose Maria Marin Bild: AFP

Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb gehört zu den sieben in Zürich festgenommenen Spitzenfunktionären des Fußball-Weltverbands. Die Konten der Verdächtigen wurden gesperrt.

          Das amerikanische Justizministerium hat die Namen der Verdächtigen veröffentlicht, die am Rande des Fifa-Kongresses in Zürich festgenommen wurden. Es handelt sich insgesamt um 14 Personen, darunter sieben Spitzenfunktionäre des Weltfußballverbandes. Sie werden des organisierten Verbrechens und der Korruption verdächtigt. Dazu gehört auch Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb, der Präsident des Concacaf-Verbandes.

          Webb ist ein enger Vertrauter Blatters. Der Präsident der Nord- und Mittelamerika-Konföderation, vergleichbar mit der Position von Michel Platini in Europa, ist auch Chef der von Blatter hochgelobten Anti-Diskriminierungs-Task-Force und Mitglied des inneren Machtzirkels der Fifa.

          Nach den Angaben der amerikanischen Behörden ist zudem das Exekutivmitglied Eugenio Figueredo (Uruguay) in Auslieferungshaft. Außerdem seien der frühere brasilianische Verbandschef José Maria Marin (Brasilien) und Eduardo Li (Costa Rica) festgesetzt worden. Li sollte beim Fifa-Kongress in dieser Woche eigentlich in die „Regierung“ des Weltverbandes gewählt werden. Fifa-Chef Joseph Blatter gehört nicht zu den Beschuldigten. Anders ist es beim langjährigen Fifa-Funktionär Jack Warner. Er war 2011 nach Korruptionsvorwürfen von seinen Fifa-Ämtern zurückgetreten.

          Wie das Schweizer Bundesamt für Justiz bestätigte, sitzen die Verdächtigen in Auslieferungshaft. Ihnen droht die Abschiebung in die Vereinigten Staaten. Den offiziell noch nicht genannten Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar seit den 90er Jahren.

          Konten der Verdächtigen gesperrt

          Nach der Festnahme von Funktionären des Fußball-Weltverbands Fifa  wegen des Verdachts auf Korruption hat die Schweiz mehrere Konten gesperrt. Es handele sich um Bankverbindungen bei Schweizer Geldinstituten, über die mutmaßlich Bestechungsgelder geflossen sind, teilte das Bundesamt für Justiz in Bern am Mittwoch mit. Zudem sei die Beschlagnahme der Kontounterlagen angeordnet worden.
          Die Festnahmen und Kontosperrungen erfolgten auf der Grundlage eines Rechtshilfeersuchens der amerikanischen Bundespolizei FBI, die gegen die Funktionäre ermittelt.

          Wahl soll wie geplant stattfinden

          Die Polizeiaktion fand am frühen Mittwochmorgen im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac statt. Der Kongress mit der Wahl des Fifa-Präsidenten am Freitag soll allerdings „definitiv“ stattfinden, sagte Fifa-Sprecher Walter De Gregorio. „Wir machen weiter mit unserer Agenda.“

          Der 79-jährige Blatter geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit beim Fifa-Kongress. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem praktisch keine Siegchancen eingeräumt werden. Der Fifa-Kongress soll am Donnerstagnachmittag mit einer Feier in einem Zürcher Theater beginnen. Al-Hussein drückte in einer ersten Reaktion seine Sorge aus. „Heute ist ein trauriger Tag für den Fußball.“ Für eine detaillierte Bewertung der Vorfälle sei es aber noch zu früh.

          Die Liste der Verdächtigen

          Jeffrey Webb: Fifa-Vizepräsident und Concacaf-Präsident. Präsident der Fußballverbandes der Kaiman-Inseln.

          Eugenio Figueredo: Fifa-Vizepräsident und Fifa-Exekutivmitglied. Ehemaliger Präsident von Uruguays Fußballverband.

          Eduardo Li: Fifa-Exekutivmitglied. Präsident des Fußballverbandes von Costa Rica.

          Julia Rocha: Fifa-Entwicklungs-Beauftragter. Präsident von Nicaraguas Fußballverband.

          Rafael Esquivel: Präsident von Venezuelas Fußballverband.

          José Maria Marin: Mitglied des Fifa-Organisationskomitees der olympischen Fußballturniere. Früherer Präsident von Brasiliens Fußballverband.

          Costas Takkas: Attaché des Concacaf-Präsidenten Webb.

          Jack Warner: Früherer Fifa-Vizepräsident und ehemaliger Concacaf-Präsident aus Trinidad & Tobago.

          Nicolas Leoz: Früheres Fifa-Exekutivmitglied und ehemaliger Conmebul-Präsident.

          Weitere Themen

          Zicken und Angsthasen

          EM im Springreiten : Zicken und Angsthasen

          Die deutschen Springreiter liegen nach einem nervenaufreibenden zweiten Tag und vor dem Showdown bei der Europameisterschaft auf Platz zwei hinter Belgien. „Gold ist möglich“.

          Kältekammer für müde Pferdebeine Video-Seite öffnen

          Cryotherapie : Kältekammer für müde Pferdebeine

          Auch Rennpferde sind Hochleistungssportler. Was bei den Menschen das Eisbad nach einem harten Training ist, ist für Pferde neuerdings die Cryokammer. Die Tiere werden in einen Behälter geführt, in dem die Temperatur auf -140 C° heruntergekühlt wird.

          Gute Nacht, Fußball!

          Elfmeterschießen abgebrochen : Gute Nacht, Fußball!

          Posse im Dienste der öffentlichen Ordnung: Während eines Elfmeterschießens betreten zwei Herren vom Ordnungsamt das Feld und untersagen wegen Ruhestörung die Ausführung der letzten Schüsse.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?

          Nach Contes Rücktritt : Linke Regierung in Rom möglich

          Die Sozialdemokraten und die Fünf-Sterne-Bewegung erwägen eine gemeinsame Regierungsarbeit – unter fünf Bedingungen. Staatspräsident Mattarella hat für Dienstag die nächsten Konsultationen angesetzt.

          F.A.Z.-Umfrage zur Lage in Hongkong : Deutsche Unternehmen meiden klare Worte

          Joe Kaeser mahnt gewaltfreien Dialog und Einhaltung des geltenden Rechts in Hongkong an. Viele deutsche Konzerne sind besorgt, drucksen aber herum – sie haben Milliarden in China investiert.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.