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Fifa-Reformen : Endlich weg damit

Doppelpass unter Fifa-Funktionären: Blatter lässt sich von Zwanziger (l.) stützen Bild: AFP

Fifa-Präsident Blatter will den Reformprozess in seinem Verband so schnell wie möglich beenden und hat die Unterstützung des früheren Präsidenten Zwanziger. Dabei halten Kritiker die Modernisierung nicht mal für halbwegs vollzogen.

          Es wirkte wie große Erleichterung, als Joseph Blatter das für seine Organisation so kritische Dauerthema der vergangenen anderthalb Jahre am Donnerstag für fast erledigt erklärte. Etwa so: Endlich weg damit. „Der Reformprozess neigt sich dem Ende zu“, sagte der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) in Zürich.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Blatter versuchte nach der Fifa-Vorstandssitzung, seinen schwer belasteten Verband als Speerspitze für Transparenz und Modernität zu verkaufen. In Wirklichkeit jedoch steht auch nach den jüngsten Beratungen fest, dass die wenigsten Punkte der zuletzt von den unabhängigen Reformbeauftragten um den Schweizer Anti-Korruptions-Experten Mark Pieth aufgestellten Kernforderung umgesetzt werden sollen.

          Zwanziger macht Stimmung

          Weil sich die Fifa-Führung aber in der öffentlichen Betrachtung seit längerem in der Defensive sieht, schlug am Donnerstag der Fußballapparat zurück, zumindest verbal. Und zwar in Person des Deutschen Theo Zwanziger, der seit seiner Berufung in das höchste Fifa-Gremium intensiv am Veränderungsprozess mitarbeitet: „Herr Pieth ist nicht die Fifa. Er ist Berater. Wir haben die Kenntnis in der Zusammenarbeit mit den Nationalverbänden und brauchen für die Vorhaben eine Dreiviertelmehrheit auf dem Kongress im Mai. Was er gemacht hat, war wichtig, aber Herr Pieth verfügt nicht über der Weisheit letzten Schluss. Wir sind im Vergleich zu vorher sehr weit gekommen“, sagte der ehemalige deutsche Verbandspräsident.

          Zwanziger trug diese Darstellung selbstsicher vor und ging dann im Angriff gegen den Experten sogar noch weiter: „In diesen Punkten führe ich auch gerne einen öffentlichen Streit mit Herrn Pieth.“ Da war plötzlich heitere Stimmung im meist so dunklen Fifa-Haus. Auch Blatter freute sich sichtlich über seinen impulsiven Nebenmann auf dem Podium, der ihn tatkräftig unterstützt. Aber dennoch wird sich in den nächsten Monaten bis zum Fifa-Kongress Ende Mai auf Mauritius entscheiden, wie weit die Fifa wirklich gekommen ist und wie weit sie noch gehen will.

          Bisher soll es dabei bleiben, dass außer dem Präsidenten keines der 25 Vorstandsmitglieder zentral in Zürich auf seine Integrität überprüft werden darf. Das wäre Aufgabe der Konföderationen, die ja schließlich ihre Funktionäre in den Fifa-Vorstand entsendeten, wie Zwanziger mitteilte. „Wir haben das Vertrauen unserer Mitglieder. Es wäre falsch, alles auf sich zu ziehen“, fügte der Deutsche hinzu.

          Auch hinter weiteren Forderungen bleibt die Organisation zurück. Die von den Konföderationen bestimmten Vorstandsmitglieder sollen nicht von allen 209 Mitgliedsverbänden bestätigt werden, im Vorstand sollen keine unabhängigen Beobachter aus der Ethikkommission und der Governance-Kommission sitzen.

          Zudem sah sich die Fifa-Regierung gestern nicht in der Lage, über eine Amtszeitbegrenzung, eine Altersbegrenzung der Topfunktionäre sowie mehr Transparenz beim Entlohnungssystem für die höchsten Vertreter im Vorstand zu entscheiden. Schon gab es Spekulationen, Pieth und seine Gruppe könnten vorzeitig hinwerfen und sich aus dem heiklen Beratungsprojekt zurückziehen. Gegen das ohnehin schlechte Ansehen der Fifa wäre das ein weiterer Schlag.

          Pieth will weitermachen

          Doch der Schweizer Strafrechtler will trotz seiner Enttäuschung weitermachen und hegt sogar noch Hoffnung, wie sder Professor aus seinem Büro in Basel mitteilte.

          „Das Ergebnis ist zwar nicht befriedigend. Aber es ist noch nicht der Zeitpunkt des Rücktritts. Herr Zwanziger hat mit seinem Nachher-vorher-Vergleich in gewisser Weise recht. Wir sehen hier nicht mehr den chinesischen Volkskongress vor uns, sondern einen Laden, in dem diskutiert wird. Darüber darf man nicht unglücklich sein“, sagte Pieth dieser Zeitung. Er will also vorerst weitermachen mit seinen Angriffen auf Filz und Korruption: „Wir haben noch Pfeile im Köcher“, sagte Pieth.

          Entsteht sogar neuer Druck auf den Selbstbedienungsladen Fifa? Zwar gab es wieder keine Neuigkeiten gab es im ISL-Schmiergeldskandal, von dem höchste Funktionäre betroffen sind. Wie Blatter sagte, berichteten die beiden Vorsitzenden der Ethikkommission, Michael Garcia (Ermittler) und Joachim Eckert (Spruchkammer), zwar dem Fifa-Vorstand. Der Amerikaner Garcia hat einen 4000 Seiten langen Report angefertigt. Ob am Ende wirklich gegen Funktionäre der Fifa ermittelt wird, bleibt noch offen. Spätestens am 15. April will der deutsche Richter Eckert aus München dazu Stellung beziehen.

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