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Fifa-Präsidentschaft : Wird Champagne zum Blatter-Herausforderer?

Kandidat fürs Fifa-Präsidentenamt? Jerome Champagne erklärt sich am Montag Bild: picture-alliance / Sven Simon

Bisher war davon auszugehen, dass sich Blatter und Platini 2015 um die Fifa-Präsidentschaft streiten. Nun taucht ein dritter Mann auf. Jérôme Champagne, einst rechte Hand Blatters, könnte sich ebenfalls bewerben.

          In den Kampf um die Macht im internationalen Fußball ist neue Bewegung gekommen. Neben Joseph Blatter, der sich im kommenden Jahr vermutlich um eine weitere Amtszeit als Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) bewerben wird, und seinem Rivalen Michel Platini kommt nun eine andere Variante ins Spiel: Der dritte Mann könnte Jérôme Champagne sein.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Er ist 55 Jahre alt und ein ehemaliger französischer Diplomat. Mehr als zehn Jahre hat er für die Fifa gearbeitet, galt als rechte Hand Blatters, bis dieser ihn 2010 fallenließ, weil Champagne dubiosen Platzhirschen innerhalb des Weltfußballs zu mächtig wurde. Es handelte sich um die inzwischen nach Korruptionsvorwürfen aus dem Vorstand entfernten oder geflohenen Funktionäre Mohammed Bin Hamman und Jack Warner.

          Spekuliert wird über Champagnes Ambitionen schon länger, nachdem er in den vergangenen Jahren immer wieder durch öffentliche Beiträge auffiel, die sich mit der Zukunft des Fußballs und der Fifa beschäftigten. Zudem gilt er bisher als unbefleckt, was die dunkle Vergangenheit des Verbands betrifft. „So kann es nicht mehr weitergehen. Wir müssen eine Debatte führen, wie der Fußball im Jahr 2025 und 2030 aussieht“, lautete meist seine Aufforderung.

          Champagne zeigte sich bei Kongressen, hielt Reden und verfasste Briefe an die Präsidenten der Nationalverbände. Zuletzt beriet er kleine Fußballverbände wie die aus Palästina und dem Kosovo. An diesem Montag will Champagne in London etwas verkünden. Das gab er am Freitag bekannt: vielleicht ja seine Kandidatur als Fifa-Präsident. Sagen wollte er am Freitag dazu noch nichts.

          Wann beginnt der Wahlkampf?

          Aus dem Umfeld der Fifa war zuletzt zu hören, dass Blatter intensiv daran arbeitet, sich im nächsten Jahr zum fünften Mal als Präsident wählen zu lassen. Der umstrittene Topfunktionär, der dann stramm auf die 80 zugeht, betone bei Sitzungen gerne, dass die begonnenen Reformen längst nicht abgeschlossen seien und er ja auch noch keinen adäquaten Nachfolger aufgebaut hätte.

          Solche Aussagen gehen dann auch immer gegen seinen Widersacher Platini, den Chef der Europäischen Fußball-Union, dem sowieso ein gesteigertes Interesse an der Übernahme der höchsten Position im Weltfußball nachgesagt wird. Doch beide haben sich bisher nicht dazu bekannt, dass sie in den Präsidentschaftswahlkampf eintreten wollen.

          Platini und viele offene Fragen

          Blatter will sich erst vor dem Fifa-Kongress im Juni in Brasilien, vor oder während der Weltmeisterschaft öffentlich erklären, wie er gerade mitteilte. Von Platini ist zu hören, dass er zögert und nicht weiß, wann der richtige Moment gekommen ist für die Ankündigung seiner Kandidatur. Schließlich will er im ganzen Gerangel um die wichtigen Posten nicht seine Position im europäischen Fußball riskieren.

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