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Fifa-Kommentar : Blatter im Gefängnis

  • -Aktualisiert am

Vielflieger Blatter: das war einmal Bild: dpa

Joseph S. Blatter hat seine Reisetätigkeit in den vergangenen Monaten stark eingeschränkt. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes kann sich nirgendwo mehr sicher fühlen – außer in zwei Ländern.

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          Der Fußball ist ein Weltsport. Das ist ein großes Glück. Vor allem für reiselustige Spieler und Funktionäre. In jedem Land wird gekickt. Korrigiere: Es wird in mehr Ländern und Staaten Fußball gespielt, als es offiziell (195) eigentlich gibt. Nämlich in 209. So viele Verbandsmitglieder zählt der Internationale Fußball-Verband (Fifa) zu seinem Reich. Ein König, wer als Präsident der Fußballer Fernlust verspürt. Von Aruba Lucia bis Vanuatu, heute hier, morgen da.

          Das war einmal. Joseph S. Blatter hat seine Reisetätigkeit in den vergangenen Monaten stark eingeschränkt. Die Geschäfte, Sie verstehen. Im schmucken Fifa-Chef-Büro am Sonnenberg in Zürich ist eine Menge zu tun. Und weil der Schweizer nicht mehr so rauskommt wie früher, kommen bekannte Menschen nun zu ihm. Neulich zum Beispiel suchte die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch demonstrativ seine Nähe und schloss zumindest nicht aus, dass man sich in Zukunft mal treffen werde.

          Vielflieger Blatter bleibt am Boden

          Das Interesse der ehemaligen Staatsanwältin ist etwas einseitig. Zeigt aber Wirkung. Zur Frauen-WM nach Kanada ist der Vielflieger Blatter trotz Ankündigung nicht gekommen. Das Reiseziel U-20-WM in Neuseeland ließ er fallen. Nicht mal zur Beerdigung des früheren DFB-Chefs Gerhard Mayer-Vorfelder kam der Fifa-Chef. Wie es heißt, hört der 79-Jährige seit der Festnahme einiger Fifa-Kollegen in der Schweiz auf seine Rechtsanwälte. Blatter sprach schon mal von einem „Reiserisiko“, solange nicht alles abgeklärt ist.

          Abklären? Darum könnte es am Donnerstag gehen, wenn die Mitglieder Fifa-Exekutive einen neuen Ort für ihre übernächste Sitzung suchen müssen. In Japan, wie vorgesehen, wird sie nicht stattfinden. Ob sich Blatter nicht zu den Asiaten traut? Dann könnte ein Teil der nächsten Sitzung so ablaufen: Tagesordnungspunkt ungefährliche Reiseziele; der Raum wird abgedunkelt. Auf Knopfdruck lässt Blatter eine Wandverkleidung versenken, dahinter taucht ein riesiger Bildschirm auf, der - zweiter Knopfdruck - die Weltkarte des Fußballs zeigt. Blatter lächelt: 209 Länder, sein Reich. Allerdings - dritter Knopfdruck - blinken 107 rot. Risiko!

          Die Amerikaner haben offensichtlich nicht nur mit der Europäischen Union ein Auslieferungsabkommen geschlossen. Immerhin aber blieben noch 102 Ausflugsziele, die ungefährlich wären. Theoretisch. Denn für eine Auslieferung muss nicht unbedingt eine Auslieferungsvereinbarung bestehen. Sicher kann sich Blatter wohl nur in zwei Ländern fühlen. In der Schweiz - und in Russland. Der Welt-Fußball-Präsident, obwohl bislang weder angeklagt noch verhört, sitzt offenbar im Gefängnis.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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