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Kampf um Fifa-Präsidentenamt : Ein Scheich als Blatter-Nachfolger?

Scheich al Sabah aus Kuweit hat große sportpolitische Pläne Bild: Imago

Die wahren Machtstrategen planen schon für die Zeit nach Blatters fünfter Amtszeit als Fifa-Präsident. Für 2019 zeichnet sich ein überraschendes Bild ab – zum Unmut der Europäer. Auch IOC-Präsident Bach könnte seine Finger im Spiel haben.

          Das Thema Winter-WM 2022 in Qatar nervt langsam, findet Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Verständlich, bedenkt man etwa Komplikationen, die der Willkürakt des Weltverbandes Fifa für die Ligen bedeutet. Schlimm genug. Aber bald könnte Niersbach sogar noch viel genervter sein: Schon jetzt, knapp drei Monate bevor der Schweizer Joseph Blatter sich mit dann 79 Jahren und besten Erfolgsaussichten zu einer fünften Amtszeit als Fifa-Präsident zu Wahl stellt, planen die wahren Machtstrategen für die Zeit danach - und da zeichnet sich ein überraschendes Bild ab.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Es könnte sein, dass Niersbach und die anderen ohnmächtig murrenden Europäer im Jahr 2022 nicht nur eine Fußball-WM am Persischen Golf werden ertragen müssen, sondern dass dann auf dem Fifa-Thron auch noch ein arabischer Fifa-Präsident sitzt. Und zwar einer ohne irgendwelche europäischen Verpflichtungen. Möglicher Name: Scheich Ahmad al Fahad al Sabah.

          Der Ruf des 51 Jahre alten Kuweiters lässt seinen Widersachern Schauer über den Rücken laufen: Wenn dieser Mann etwas erreichen will in der internationalen Sportpolitik, schafft er das auch. Sein Netzwerk ist unvergleichlich, sein Einfluss auf sportpolitische Wahlen dramatisch. Er gilt als einer der wichtigsten Unterstützer des Deutschen Thomas Bach auf dem Weg zur Präsidentschaft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

          Scheich Ahmads Aufstieg zu einem der mächtigsten Drahtzieher des Weltsports hat sich bisher hauptsächlich im olympischen Sport gezeigt: Er ist schon seit 1991 Präsident des Olympischen Rates von Asien. 2012 wurde er zum Präsidenten der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees (Anoc) gewählt und ist damit für die Verteilung der Abermillionen der olympischen Solidarität zuständig. Er ist Mitglied des IOC und könnte dort in der Exekutive sitzen, hätte er den einem Anoc-Chef zustehenden Platz nicht seinem Vizepräsidenten, dem Iren Patrick Hickey, überlassen. Offenbar hat er noch Größeres vor.

          2019 geht es um die Nachfolge von Blatter

          Am vergangenen Donnerstag gab der Fußballverband Kuweits bekannt, dass er seinen Ehrenpräsidenten Scheich Ahmad für einen Posten in der Exekutive der Fifa vorschlagen will. Es geht um einen der drei Sitze, die beim Kongress der asiatischen Föderation am 30. April in Bahrein vergeben werden. Er kandidiert vorerst nur um eine zweijährige Amtszeit bis 2017, aber bis dahin dürfte er genug Wurzeln geschlagen haben, um sich 2019, nach dem Ende von Blatters fünfter Amtszeit, an dem der 83 Jahre alt sein wird, zuversichtlich um die Präsidentschaft zu bewerben.

          Es gibt für die drei aktuellen Positionen in der Exekutive zwar sechs Kandidaten, aber Scheich Ahmad tritt üblicherweise nicht zu Wahlen an, die er nicht gewinnt. Dass hinter seinem Zeitplan eine klare Absicht stehen könnte, zeigen zwei Indizien. Erstens hat er sich erst Anfang Januar noch einmal überdeutlich als Unterstützer Joseph Blatters bei der im Mai anstehenden Wahl des Fifa-Präsidenten bekannt - und damit gegen seine Herausforderer Prinz Ali von Jordanien, Luis Figo (Portugal) und Michael van Praag (Niederlande).

          Auch auf IOC-Ebene hatte der Scheich schon mit den Mächtigen zu tun

          Er habe sich schon vor zwei Jahren für Blatter ausgesprochen, sagte er. „Und wenn ich mich festlege, dann lege ich mich fest.“ Zweitens erklärte er, warum sich seiner Meinung nach Prinz Ali, der vom verdeckt taktierenden europäischen Präsidenten Michel Platini ins Feuer geschickt wurde, verkalkuliert hat. Der Vorstoß käme „zu früh“. Das bedeutet, dass Scheich Ahmad einen besseren Zeitpunkt kennt, und zwar nicht für den Jordanier, der seine Kräfte nach dem Kongress im Mai erst einmal verpulvert haben dürfte, sondern für einen anderen. Möglicherweise für ihn selbst: vier Jahre später.

          Die Wahl des Scheichs in die 25 Personen umfassende Exekutive der Fifa würde das Qatar-Projekt stärken. Ahmad al Sabah wird von Kuweits Fußballverband ausdrücklich dafür gepriesen, dass er geholfen hat, schon viele Großereignisse in die Region zu holen, darunter die WM 2022. Als im Frühsommer vergangenen Jahres wieder einmal Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe hochkochten, wurde er heftig: „Wir werden uns diesen rassistischen Versuchen und Angriffen stellen und an der Seite Qatars stehen“, sagte er einem dortigen Fernsehsender. „Niemand wird Qatar die Austragung der WM wegnehmen.“

          Doppelpass von Bach und Scheich Ahmad?

          Jetzt, da die Verlegung auf die Monate November und Dezember 2022 in knapp drei Wochen sicher ist, werden dazu vom IOC, das seine Winterspiele in Februar schützen muss, keine Widerworte mehr kommen. Dazu würde die Plazierung des Scheichs im obersten Fußball-Gremium den Einfluss des IOC, und damit Thomas Bachs, stärken. Da Blatter 2016 aus Altersgründen das IOC verlassen muss, wäre mit Ahmad al Sabah die Fifa dort umgekehrt weiter mit einer starken Figur vertreten. Die letzte Konsequenz dieses Spiels könnte ein gigantischer Doppelpass werden: Am Ende des Prozesses könnten Thomas Bach und Scheich Ahmad, zwei gewiefte Manager der Macht, die sich gerne den Ball zuspielen, den gesamten Weltsport im Griff halten.

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