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Fifa-Korruptionsskandal : Gerechtigkeit für Sepp Blatter!

  • -Aktualisiert am

Mit den eigenen Händen hat Sepp Blatter die Fifa zu einer Wertschöpfungsmaschine im Milliardenbereich aufgebaut. Bild: AFP

Fast die ganze Welt schlägt zur Zeit auf den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter ein. Allenthalben wird sein Rücktritt gefordert. Doch all die Vorwürfe sind nur Ausdruck der Wut der etablierten Fußballaristokratien. Ein Gastbeitrag.

          Die Weltpresse ist sich einig, die Kommentatoren überschlagen sich. Seit dem cowboyhaften Rollkommando der Schweizer Justizbehörden gegen sieben hochgestellte Fifa-Funktionäre im Vorfeld des Zürcher Kongresses ist für alle klar: Die Fifa versinkt im Urschlamm der Korruption, und schuld ist der wieder Mal von allen Seiten attackierte Präsident Sepp Blatter.

          Selbst die sonst eigentlich zurückhaltende „Neue Zürcher Zeitung“ hebt ab in die rechtsfreien Gefilde der moralischen Empörung: „Die Fifa im Korruptionssumpf“, titelt das Weltblatt im Chor einer globalen Vorverurteilung. Die Engländer, selbstgerecht wie immer, fordern bereits die Heimholung der Fifa nach London. Die deutsche „Bild“-Zeitung trompetet mit satter Arroganz: „Hau ab!“ Haben denn alle den Verstand verloren?

          Um die Fifa tobt ein Machtkampf. Die altetablierten Fußballaristokratien Europas konnten es nie verwinden, dass der schlaue Sonnenkönig Sepp den bei Amtsantritt maroden Weltverband zu einer Wertschöpfungsmaschine im Milliardenbereich aufbaute. Sie versuchen seit Jahren, Blatter als Inbegriff der Korruption anzuschwärzen. Die Vorwürfe erwiesen sich immer als haltlos. Es treibt sie zur Weißglut, dass sich der Fifa-Präsident, der täglich um sieben Uhr morgens sein Büro betritt, noch nichts hat zuschulden kommen lassen.

          Der mächtigste Ohnmächtige der Welt

          Man muss die Realitäten sehen. Die Fifa hat mehr Mitglieder als die UN. Sie ist eine Geldmaschine mit vier Milliarden Euro Einnahmen allein von 2011 bis 2014. Der Fifa-Präsident gehört zu den prominentesten Bewohnern des Planeten. Blatter verkehrt mit Staatsoberhäuptern, Päpsten, Superstars und Unternehmern auf Augenhöhe. Das von ihm verwaltete Geschäft bewegt Milliarden. Legionen von Neidern und Feinden lechzen danach, den Walliser aus seinem Amt zu hebeln. Deshalb ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: Hätte Blatter auch nur einen Bruchteil jener Missetaten begangen, die ihm laufend unterstellt werden, seine Gegner hätten ihn schon längst ans Messer geliefert.

          Seine Dauerkritiker übersehen: Die Tatsache, dass man ihm nichts nachweisen kann, hat vor allem damit zu tun, dass es nichts gibt, was man ihm nachweisen kann. Was seine Feinde freilich nur noch rasender macht.

          Blatter ist der mächtigste Ohnmächtige der Welt. Er kann den Landesverbänden keine Weisungen erteilen. Er muss mit den von ihnen entsandten Delegierten zusammenarbeiten. Er kann nicht einmal die Mitglieder der von ihm präsidierten Fußball-Weltregierung bestimmen. In seinem Exekutivkomitee sitzen Leute, die gegen Blatter seit Jahren intrigieren. Die Schmutzkampagne begann 1998, als der damalige Chef des Deutschen Fußball-Bundes aus heiterem Himmel und ohne jeglichen Beweis behauptete, Blatter habe sich seine Wahl gekauft. Eigentlich müsste er solche Leute wegen Verleumdung anzeigen.

          Korruption gehört zum Alltag

          Im Getöse der Intrigen geht unter, dass Blatters Fifa die wohl mächtigste Entwicklungshilfeagentur der Welt geworden ist, eine NGO der obersten Hubraumklasse. All die Gutmenschen und Empörten, die jetzt gegen den Schweizer auf die Barrikaden steigen, sollten ihm danken. Seit Blatters Amtsübernahme zahlte die Fifa insgesamt über zwei Milliarden Dollar weltweit für sportlich-soziale Entwicklungsmaßnahmen, unter anderem in Afrika.

          Natürlich: Mit Sicherheit sind Teile dieser im freien Markt erwirtschafteten Fifa-Entwicklungshilfe auch in korrupten Kanälen versickert. Korruption gehört zum Alltag in der Dritten Welt. Das ist bedauerlich, aber es ist unfair, die Fifa und Blatter dafür verantwortlich zu machen. Die staatlichen Entwicklungshelfer des Westens werden ja auch nicht automatisch zu Verbrechern, wenn die von ihnen eingesetzten Steuergelder in der Dritten Welt nicht immer dort ankommen, wo sie vorgesehen waren. Die Fifa baut Fußballplätze und Schulen. Das ist bei allen Unzulänglichkeiten immerhin handfester und nützlicher als manches, was unter dem Titel „Entwicklungszusammenarbeit“ in Afrika an Steuermilliarden verbraten wird.

          Die Europäer möchten den Weltfußball dominieren. Die chauvinistischen Engländer sind enttäuscht, dass sie die Weltmeisterschaft nicht bekommen haben. Der für seine Kritiker störend erfolgreiche Schweizer bewegt sich auf einem Minenfeld unterschiedlichster Machtinteressen. Deshalb wird er zur Zielscheibe krimineller Unterstellungen. Was sich termingerecht mit höchster Anprangerungswirkung vor einem Fifa-Kongress jetzt wieder abspielt, ist eine Hysterie der Vorverurteilung, eine kollektive Empörungsorgie, die sich an sich selbst berauscht. „Die Gerichtshöfe der Moral kennen keine Prozessordnung“, schrieb der kluge deutsche Philosoph Hermann Lübbe. Gerechtigkeit für Blatter!

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