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Fifa-Kongress : Pro-palästinensische Proteste in Zürich

  • Aktualisiert am

Protest vor der Zürcher Stadionhalle: Palästinensische Aktivisten fordern den Ausschluss Israels aus der Fifa Bild: AFP

Weiterer brisanter Tagesordnungspunkt beim Fifa-Kongress aus den Schlagzeilen: Den von Palästina geforderten Ausschluss Israels aus der Fifa bringen Demonstranten lautstark in Erinnerung – auch in der Kongresshalle.

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          Vor und im Hallenstadion von Zürich, in dem am Morgen der Fifa-Kongress begonnen hat, haben mehrere Dutzend Menschen für einen Ausschluss Israels aus dem Internationalen Fußball-Weltverband, demonstriert.

          Kurz nach Beginn des Kongresses riefen zwei Frauen im Veranstaltungssaal Parolen und schwangen eine Palästina-Fahne. Mindestens eine von ihnen hatte offenbar eine offizielle Akkreditierung um den Hals. Sie wurden von Sicherheitskräften umgehend abgeführt. Fifa-Präsident Joseph Blatter, der in seiner Rede unterbrochen wurde, erklärte: „Das ist eine Störung des Kongresses, deshalb habe ich die Sicherheit gerufen.“

          Der palästinensische Verband hat unterdessen für die Vollversammlung der 209 Fifa-Mitgliedsländer einen Antrag auf Ausschluss Israels gestellt. „Ich will das Leid meines Volkes beenden. Ich bin für den Sport zuständig, ich mache keine Politik. Das Problem ist, dass die Rechte der Menschen in Palästina nicht anerkannt werden“, sagte der Chef von Palästinas Fußball-Verband, Jibril al Rajoub, vor der Kongresshalle.

          Protest vor der Zürcher Stadionhalle: Palästinensische Aktivisten fordern den Ausschluss Israels aus der Fifa
          Protest vor der Zürcher Stadionhalle: Palästinensische Aktivisten fordern den Ausschluss Israels aus der Fifa : Bild: AFP

          Die Palästinenser werfen den Israelis vor, Spieler in ihrer Bewegungsfreiheit und damit die Entwicklung des Fußballs in Palästina zu behindern. Darin sehen sie einen Verstoß gegen die Fifa-Statuten. Der israelische Verband agiere als verlängerter Arm der israelischen Regierung, meinte Rajoub. Aussicht auf Erfolg hat der Antrag nicht. Drei Viertel der Fifa-Mitglieder müssten sich ihm anschließen.

          Israels Fußball-Verband (Ifa) wies die palästinensischen Vorwürfe entschieden zurück. „Von unserer Seite haben wir uns um effektive und konkrete Lösungen bemüht, sowohl beim Transport von palästinensischen Athleten, als auch bei der Unterstützung von Zahlungen von Gebühren, sowie bei der Bereitstellung von Ausrüstung und speziellen Ausweisen für die Fußballspieler“, sagte Ifa-Sprecher Shlomi Barzel in einer Verbandsmitteilung. Solange es begründete Sicherheitsbedenken gebe, werde es keine Kompromisse geben.

          Netanjahu: Ausschluss würde Fifa zerstören

          Ein Ausschluss Israels aus der Fifa würde den Weltverband nach Einschätzung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zerstören. „Wenn sie mit einem Staat anfangen, dann geht es mit anderen Staaten weiter, und das würde die Organisation zum Zusammenbruch bringen“, sagte Netanjahu am Donnerstag laut Medienberichten vor Journalisten in Tel Aviv.  „Der Versuch, Israel auszuschließen, ist sehr schwerwiegend, und wir werden uns mit aller Macht dagegen wehren“, sagte der israelische Regierungschef.

          Protest beim Fifa-Kongress: Sicherheitspersonal führt eine Demonstrantin ab
          Protest beim Fifa-Kongress: Sicherheitspersonal führt eine Demonstrantin ab : Bild: AFP

          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat den Vorstoß Palästinas kritisiert. „Es ist der völlig falsche Weg, einen politischen Konflikt zwischen zwei Ländern über den Fußball auszutragen“, sagte Niersbach vor dem Fifa-Kongress. „Es war immer die große Stärke des Fußballs, dass auch in Zeiten der größten Krisen gegeneinander gespielt wurde und durch den Sport Verbindungen entstanden sind“, betonte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

          Eine Nahost-Reise von Fifa-Präsident Joseph Blatter vergangene Woche, bei der er sich mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas traf, war ergebnislos geblieben.

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