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FIFA-Kongress in Qatar : Fußball-WM alle zwei Jahre ist vom Tisch

Gute Laune beim FIFA-Kongress: Präsident Gianni Infantino (rechts) neben Khalid Bin Khalifa Bin Abdulaziz Al Thani, Premierminister des Staates Qatar Bild: dpa

Gianni Infantino gibt beim Fifa-Kongress in Qatar den Ton vor: Er erwartet „die beste WM jemals“, strebt eine weitere Amtszeit an und heikle Themen sind nicht gefragt.

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          Die drei wichtigsten Nachrichten, die Gianni Infantino, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbands, beim 72. Kongress der FIFA in Doha, Qatar, mitzuteilen hatte, sind, erstens: Infantino will über das kommende Jahr hinaus FIFA-Präsident bleiben. Zweitens: Die Weltmeisterschaft in Qatar im November und Dezember „wird ganz einfach die beste jemals“. Drittens: eine Austragung der Weltmeisterschaft im Zwei-Jahres-Rhythmus nach dem Jahr 2026 ist vom Tisch. Aber das habe die FIFA ja auch nie vorgeschlagen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Und nun der Reihe nach, in umgekehrter Reihenfolge: In der Tat hatten Qatars Nachbarn vom saudischen Fußball-Verband vor einem Jahr, auf dem virtuell gehaltenen 71. FIFA-Kongress, vorgeschlagen, künftig alle zwei Jahre um den Weltmeistertitel spielen zu lassen. Der Weltverband beschloss mit großer Mehrheit eine Machbarkeitsstudie, Infantino jettete durch die Welt und warb für die Idee, diverse Fußballspieler von einst mit großen Namen waren bei allen möglichen FIFA-Gelegenheiten begeistert, bei Arsène Wengers Werben dafür schwang der Ruf des Elsässers als Fußballvisionär mit.

          „Eine absolute Schnapsidee“

          Es hat alles nichts genützt. Zu viele einflussreiche Menschen im Sport, im Fußball und darüber hinaus, hielten davon, was Rudi Völler als Sportdirektor von Bayer Leverkusen so formulierte: „Eine absolute Schnapsidee.“ Die Zwei-Jahres-Weltmeisterschaft ist einstweilen gescheitert, weil sich die europäischen und südamerikanischen Verbände und mit ihnen Europas Vereine gewehrt haben und weil das Internationale Olympische Komitee anklingen ließ, dass der beschleunigte Austragungsrhythmus, der mit den Olympischen Sommerspielen kollidiert wäre, Konsequenzen für den Fußball als olympische Sportart haben könnte.

          Weil Infantino aber bei seinem Werben für die Idee des öfteren hatte fallen lassen, dass mehr Turniere auch mehr Einnahmen versprächen, weil die FIFA selbst im Pandemiejahr 766 Millionen Dollar (687 Millionen Euro) erlöste, weil es auf dem Erdball Länder gibt, in denen, Wortlaut Infantino, „Fußball ohne die Solidarität der FIFA nicht existieren würde“, wird der FIFA-Präsident andere Wege suchen, mehr Spiele auszutragen, um die Mitgliedsverbände glücklich zu machen.

          Denn das wichtigste Thema dieser Vollversammlung war, wie stets, das Geld. Das wurde besonders deutlich, als die Präsidentin des norwegischen Fußball-Verbandes, die frühere Weltklasse-Spielerin Lise Klaveness, in ihrem Redebeitrag kurz und prägnant auf den Punkt brachte, warum die FIFA in der europäischen Öffentlichkeit ein massives Glaubwürdigkeitsdefizit hat: inakzeptable WM-Vergabe an Russland und Qatar 2010, der Umgang mit Arbeitsmigranten, Russlands Überfall auf die Ukraine, die anhaltende Diskriminierung von Frauen.

          José Ernesto Mejia, Generalsekretär des honduranischen Fußballverbands, ergriff das Wort und beschied der Norwegerin, in Doha sei weder das richtige Forum noch der richtige Moment, diese Themen anzusprechen, man wolle sich auf die „Entwicklung des Fußballs konzentrieren“. Hassan Al Thawadi, Chef des qatarischen WM-Organisationskomitees, unterstellte der Norwegerin Unfairness, sie habe sich nicht informiert, und wurde mit mehr Applaus bedacht als Klaveness’ Versuch, eine offene Diskussion anzustoßen. Den Ton hatte Infantino, der FIFA-Präsident mit Wohnsitz Qatar, gesetzt, schließlich hatte er sein Urteil von der „besten WM jemals“ schon in seine Begrüßung aufgenommen.

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          Bald nach der Norwegerin bekamen die Kongressbesucher Andrij Pawelko, den ukrainischen Fußball-Verbandspräsidenten zu hören und zu sehen, eingespielt per Video und in schusssicherer Weste in Kiew. Russlands Verband war in Doha präsent, sein Ausschluss stand nicht zur Debatte, Infantino lobte noch einmal die Weltmeisterschaft von vor vier Jahren, als er dem Gastgeber Wladimir Putin bescheinigt hatte, „wir alle haben uns in Russland verliebt“. Leider könne der Fußball, sagte Infantino in Doha, „die Probleme in der Region nicht lösen“. Beim Wiederaufbau der Ukraine wolle der Fußball „eine kleine Rolle spielen“. In seinem Schlusswort kündigte Infantino an, sich beim 73. FIFA-Kongress in einem Jahr zur Wiederwahl zu stellen.

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