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Fifa-Kandidat Al Khalifa : Das Schweigen des Scheichs

Bild: Reuters

Salman Al Khalifa ist Favorit auf die Fifa-Präsidentschaft. Nun wird ihm vorgeworfen, mehr als zwei Millionen Dollar gezahlt zu haben, um in die Exekutive des Fußball-Weltverbands zu kommen. Antworten darauf fallen dem Scheich schwer.

          Der Favorit war verhindert. Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa, Präsident des asiatischen Fußballverbands, hatte auch keine Zeit für die Abgeordneten des Europaparlaments, die am Mittwoch eigentlich hatten erfahren wollen, wie es weitergehen soll beim Internationalen Fußballverband Fifa. Am 26. Februar wird in Zürich ein neuer Präsident gewählt werden, und es sieht nach wie vor so aus, als habe der Spross des Königshauses von Bahrein am Persischen Golf die besten Chancen, Nachfolger von Joseph Blatter zu werden. Da wäre gewiss interessant gewesen, welche Antworten Al Khalifa zu ein paar drängenden Fragen findet. Aber mit Antworten tut sich der Kandidat zurzeit schwer.

          Das ist auch der Fifa aufgefallen. Die französische Sportzeitung „L’Équipe“ berichtete am Dienstag, Al Khalifa sei „unter Beobachtung“ der Ethikkommission des Weltverbandes. Eine Einschätzung, die auch für Al Khalifas Stimmenbeschaffer, den kuweitischen Scheich Ahmad Al Fahad Al Sabah, gilt und für die anderen vier Kandidaten, die sich in Zürich zur Wahl stellen wollen. Aber die Ethikkommission hat ein Auge geworfen auf Scheich Salman, auch weil ihm die Gegner seines autokratischen Stammhauses, Menschenrechtsorganisationen, inzwischen nicht mehr nur die horrende Menschenrechtslage in Bahrein zum Vorwurf machen. Sondern weil auch die Berichterstattung bahreinischer Medien aus dem Jahr 2009 publik geworden ist.

          Mit zwei Stimmen geschlagen

          Damals wollte Al Khalifa einen Sitz in der Fifa-Exekutive ergattern, doch seinen Wahlkampf musste er gegen einen Gegner führen, der genau wusste, wie Stimmen zu organisieren waren. Al Khalifa wurde von Mohammed bin Hammam geschlagen. Bin Hammam, jener notorisch übel beleumundete Qatarer, der zwei Jahre später Blatter herausforderte und wegen des Versuchs des Kaufs karibischer Stimmen schließlich lebenslang gesperrt wurde, schlug Al Khalifa. Er schlug ihn knapp, um zwei Stimmen.

          Wenige Monate nach der Wahl berichtete die Zeitung „Al Bilad“ im August 2009 von finanziellen Nöten des bahreinischen Fußballverbandes (BFA), dessen Präsident Al Khalifa zwischen 2002 und 2013 war. Der Grund: der teure Fifa-Wahlkampf des Chefs. Die BFA habe die General Organisation for Youth and Sports, das bahreinische Sportministerium, um weitere Zuschüsse ersuchen müssen. Insgesamt seien für den Wahlkampf Kosten von weit über zwei Millionen Dollar aufgelaufen, zur Finanzierung sei auch auf Zuschüsse der Fifa-Entwicklungshilfe, des „Goal“-Programms zurückgegriffen worden.

          Der bahreinische Fußballverband reagierte auf den Bericht nicht mit einem Dementi, sondern mit der Aussage, die Weitergabe des Ersuchens an die Presse sei ein „Akt des schlechten Willens“. Es sei „nur normal“, dass für Wahlkampagnen mit solch öffentlicher Anteilnahme und „bei solcher Konkurrenz“ große Summen Geld ausgegeben werden müssten. Angesichts der Schulden der BFA forderte ein früherer Sportminister eine eingehende Untersuchung der Missstände.

          Al Khalifa liegen seit mehreren Wochen detaillierte Fragen dieser Zeitung zu den Berichten über seinen Wahlkampf von 2009 vor. In seinem Namen hatte die Londoner Anwaltskanzlei Schillings am 14. Januar geantwortet, die Vorwürfe seien „belegbar“ falsch, und „zum Beispiel“ darauf verwiesen, dass ein genanntes „Goal-Budget“ gar nicht für den Wahlkampf benutzt worden sein könne, da damit die 2003 fertiggestellte BFA-Zentrale gebaut worden sei. Zu den weiteren Fragen, so die Anwälte, warte man auf Anweisungen des Mandanten. Wie viel Geld hat die Kampagne tatsächlich gekostet? Mehr als zwei Millionen Dollar? Warum? Wofür wurde das Geld ausgegeben? War die Kampagne teurer als geplant? Warum? Wurde Fifa-Geld verwendet oder nicht? Hat es eine Untersuchung des BFA-Defizits gegeben? Keine Antwort.

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          „L’Équipe“ schrieb nun, Al Khalifas Anwälte hätten geantwortet, ihr Mandant bestreite „alle Vorwürfe kategorisch“. Die Kampagne sei vollumfänglich aus persönlichen Mitteln finanziert worden, was schon allein deshalb seltsam anmutet, weil das Sportministerium zunächst über eine halbe Million Dollar eine Bezuschussung des eigenen Mannes zugesagt haben und nur wegen der angeblichen Überziehung um mehr als ein Dreifaches Alarm geschlagen haben soll. Nach Darstellung der Anwälte sei das Sportministerium nur angegangen worden, weil bei der BFA eine Ausgabenerhöhung in den Jahren 2008 und 2009 abgedeckt werden musste. Warum waren die Ausgaben des Verbandes im Wahljahr unerwartet gestiegen? Und um wie viel? Keine Antwort.

          „Nichts zu verbergen“

          Aber die Fifa, schreibt der Scheich auf seiner Wahlkampf-Website, sei ein „Phönix-Projekt“. Um sie aus der Asche zu führen, seien „Rechenschaftspflicht und makelloses Verhalten“ der Topfunktionäre vonnöten. Dem britischen Sender Sky sagte Al Khalifa in dieser Woche, bei einem Wahlsieg wolle er den Premier-League-Chef Richard Scudamore zur Fifa holen, über eine Ehrenpräsidentschaft für Blatter sei nach der Wahl nachzudenken und ein Deal mit Uefa-Kandidat Gianni Infantino nicht auszuschließen. Und: er habe „nichts zu verbergen“.

          Der Scheich bezog das auf die Vorwürfe, bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrein im Jahr 2011 durch seine Familie seien auch Fußballspieler verhaftet und gefoltert worden. Trotz diverser Aussagen von Spielern „garantierte“ Al Khalifa den britischen Journalisten, so etwas habe es in seiner Zeit als Präsident der BFA nicht gegeben. Phönix aus der Asche? Makelloses Verhalten? Nichts zu verbergen? Dann dürfte die Antworten nicht schwerfallen, wie viel der Wahlkampf gegen bin Hammam gekostet hat und wofür das Geld verwendet wurde. Das Interesse an ihnen wächst mit jedem Tag, an dem der Scheich schweigt.

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