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Umstrittener Präsident : Fifa-Ethikkommission untersucht Verhalten von Infantino

Was ist los? Fifa-Präsident Infantino sieht sich neuen Untersuchungen ausgesetzt Bild: AP

Wer zahlte den Flug zum Papst? Die Ethikkommission des Fußballweltverbandes soll klären, wie es zu einigen fragwürdigen Ausgaben von Gianni Infantino gekommen ist. Unterdessen trickst der Fifa-Präsident bei seinem Gehalt.

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          Die Ethikkommission des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) hat eine Voruntersuchung gegen den neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino eingeleitet. Das hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus dem Umfeld der Organisation erfahren. Vertreter der unabhängigen Untersuchungskammer und die Fifa selbst wollten dies nicht kommentieren. Zwar sind zuletzt mehrere mögliche Regelverstöße des erst Ende Februar gewählten Fifa-Chefs öffentlich geworden. In der aktuellen Prüfung durch die Fifa-Ethiker geht es offensichtlich aber vorerst nur um einen fragwürdigen Flug Infantinos in einem Privatjet zu einer Papstaudienz. Unterdessen will Infantino sein Fifa-Gehalt nun offenbar durch einen Trick höher festlegen lassen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Tag nach dem Finale in der Champions League (29. Mai) war Infantino mit Ehefrau und Mutter von Mailand nach Rom und abends nach Genf zurückgeflogen. Eine Privatreise, wie die Fifa betont. Allerdings blieb bisher unbeantwortet, wer den Trip mit dem Geschäftsflugzeug bezahlt hat. Spekuliert wird über einen russischen Oligarchen. Doch nach Fifa-Ethik-Kodex müssen Offizielle Situationen vermeiden, die sie in einen Interessenkonflikt bringen könnten. Zudem dürfen sie nur Geschenke mit symbolischem oder geringem Wert annehmen. Infantino schweigt in der Öffentlichkeit zu den Hintergründen.

          Flüge für sechsstellige Summe

          Die F.A.Z. hatte Anfang des Monats über private Anschaffungen Infantinos auf Kosten der Fifa und weitere fragwürdige Flüge in Privatjets berichtet. Diese hatten im April bei Reisen nach Moskau und Doha stattgefunden. Der Gegenwert der nach Fifa-Aussagen von den WM-Organisatoren in Russland (2018) und Qatar (2022) finanzierten Flüge lag im sechsstelligen Bereich. Es handelt sich um ebenfalls zu überprüfende geldwerte Leistungen, zumal die Organisationskomitees gegenüber der Fifa eigene finanzielle Interessen verfolgen. Tonaufzeichnungen, welche der F.A.Z. vorliegen, haben zudem gezeigt, dass Infantino hinter verschlossenen Türen ein Intrigenspiel gegen den Fifa-Chefkontrolleur Domenico Scala betrieb und die Ermächtigung des höchsten Fifa-Gremiums (Council) einfädelte, damit fortan Vertreter von internen Aufsichtsorganen jederzeit abberufen werden können. Das gilt auch für die als unabhängig titulierte Ethikkommission.

          Um ihren Status zu wahren, müssten die Fifa-Ethiker ihre Untersuchungen gegen Infantino mit aller Konsequenz auf Grundlage der Reformstatuten vorantreiben. Wenn das nicht passiert, könnte ihnen vorgeworfen werden, dass sie sich zu Erfüllungsgehilfen der Fifa-Führung und von Infantino gemacht haben. Der Reformprozess bei der Fifa wäre als gescheitert zu betrachten. Zum Vergleich: Der ehemalige chilenische Verbandspräsident Harold Mayne-Nicholls wurde im vergangenen Jahr von der Ethikkommission für sieben Jahre gesperrt, weil er 2010 als Chef der WM-Prüfkommission in Qatar nachgefragt hatte, ob sein Sohn und sein Neffe dort ein Trainingslager absolvieren dürften.

          Experten kritisierten die Entwicklung bei der Fifa. „Durch die Erweiterung der Entscheidungsgewalt im Fifa-Council sichert Infantino seine Macht ab. Die Posten nicht nur in den Aufsichtsorganen können von ihm letztlich willkürlich besetzt werden“, sagt der Rechtsanwalt Clint Magg, ein Spezialist für Sportrecht und Verbandswesen. Die Rechtsgrundlagen und vorgesehenen Kontrollverfahren würden dadurch ausgehebelt, zugleich könnte so in Zukunft das Risiko einer Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten erfolgreich verhindert werden.

          Derweil will Infantino sein von der Vergütungskommission längst festgesetztes Gehalt wohl nochmals nach oben korrigieren lassen. Wie die Fifa bestätigte, soll hier erst eine Entscheidung erfolgen, wenn ein neuer Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission als Nachfolger des zurückgetretenen Wirtschaftsmanagers Scala benannt ist. Der neue Chefkontrolleur wird diesmal von Infantino und dem Fifa-Council nominiert. Dieser führt dann auch den Vergütungsausschuss. Noch in seiner Funktion hatte Scala Infantino in einem auf den 23. März datierten Brief über die Festlegung des Präsidentengehalts informiert und den Vertrag zur Unterzeichnung mitgeschickt. Infantino reagierte nicht darauf.

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          Nach Informationen der F.A.Z war für Infantino ein Gesamtsalär von 1,95 Millionen Franken im Jahr vorgesehen. Könnte sich Infantino zwölf Jahre lang als Präsident halten, erhielte er direkt danach mit 58 Jahren laut Vertrag einen großzügigen Rentenanspruch in siebenstelliger Höhe - jedes Jahr, bis zum Lebensende. Doch in einer Council-Sitzung bezeichnete Infantino die vorgesehenen Modalitäten als „beleidigend“.

          Neben Scala hatte zuletzt auch der Schweizer Headhunter Jean-Pierre Pedrazzini seine Position als Mitglied im Fifa-Vergütungsausschuss niedergelegt. Zudem zog sich KPMG als Prüfungsgesellschaft bei der Fifa zurück. Die Machtkonzentration innerhalb des Weltverbandes schreitet voran. Rechtsanwalt Magg rechnet damit, dass dies auch dazu führen wird, dass Infantino das Gehalt am Ende zugesprochen bekomme, welches er für sich einfordere. „Er konterkariert damit die Ankündigungen bei seiner Wahl, bei der Fifa aufräumen zu wollen.“

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