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Fifa-Ethikkommission : „Blatter kann man immer den Schwarzen Peter geben“

  • Aktualisiert am

Stetig auf Reisen in eigener Sache: Joseph Blatter, hier vergangenen Monat in Havanna Bild: AP

Von Donnerstag an wirbt der Fifa-Präsident Blatter auf Mauritius für sich und umstrittene Reformen. Ein Interview mit Hans-Joachim Eckert über den Kongress, Restzweifel und die heikle Qatar-Untersuchung.

          Herr Eckert, Fifa-Präsident Joseph Blatter kokettiert gerne damit, mit fast achtzig Jahren zum fünften Mal als Präsident des Fußball-Weltverbandes gewählt zu werden. Ab Donnerstag tagt der Fifa-Kongress auf Mauritius, wo Blatter wieder für sich wirbt. Was ist falsch gelaufen, dass er nicht schon längst über die krummen Geschäfte gestürzt ist, die lange Jahre innerhalb seiner Organisation liefen und die Sie in dem ISL-Untersuchungsbericht als „ethisch verwerfliche Handlungsweisen“ bezeichnet haben?

          Es ist schwierig für die Öffentlichkeit zu verstehen, dass meine Tätigkeit nicht gleichzusetzen ist mit der in der Strafjustiz. Ich prüfe Vorgänge innerhalb der Fifa nach dem Ethik-Kodex. Beim ISL-Report ist zu berücksichtigen, dass die Schweizer Justiz über Jahre sehr umfänglich ermittelt hat. Auch persönlich gegen Herrn Blatter, was bisher nicht so bekannt war. Es gab von dritter Seite Strafanzeigen gegen ihn. Darüber hinaus fanden eine Vielzahl von Verfahren im Insolvenzbereich mit zivilrechtlichen Forderungen statt. Der Staatsanwalt in Zug hat festgestellt, dass es strafrechtlich gegen Herrn Blatter nichts zu ahnden gibt. Die Zahlungen waren in einer Zeit, als Bestechung in der Schweiz noch nicht strafbar war. Das betrifft Havelange und Teixeira. Dann ist auch Michael Garcia wie ich zu dem Ergebnis gekommen, dass Ethikregeln nur verletzt werden können, wenn sie existent waren. Erste Ethikregeln gab es bei der Fifa im Jahr 2004.

          Waren Sie, nach all den Geschichten, die Sie zuvor gehört hatten, überrascht, dass Sie dem in der Öffentlichkeit so sehr umstrittenen Fifa-Chef dann doch nichts nachweisen konnten?

          Ich sehe mich als neutral. Als Jurist muss ich sehr dezidiert ausführen, ob jemand gegen Regeln verstoßen hat. Wenn dafür keine Anhaltspunkte vorliegen, kann ich auch niemanden belangen. Und wenn ich Restzweifel habe, spreche ich lieber jemanden frei, als dass ich ihn verurteile.

          Sie sind doch nicht neutral, sondern gehören zur Fifa und bekommen für Ihre Arbeit in der Ethikkommission auch Geld.

          Neutralität bezieht sich darauf, dass ich kein Fifa-Offizieller bin. Als Richter werde ich auch vom Staat bezahlt und muss trotzdem unter Umständen gegen Staatsbedienstete verhandeln.

          Hat sich Herr Blatter schon bei Ihnen bedankt für den Freispruch?

          Nein. Es gab bisher keinen Kontakt. Darum geht es auch nicht. Ich mache meinen Job und nehme keine Rücksicht. Ich betrachte den ISL-Bericht nicht als unkritisch gegenüber der Fifa. Es gibt da zwischen den Zeilen einiges herauszulesen.

          Eben, die zielgerichtete Abzocke im höchsten Fifa-Gremium, dem Blatter als Generalsekretär und Präsident seit 32 Jahren angehört.

          Die Frage, ob und wann man es hätte merken müssen, dass in der Fifa ein ganz anderes Rad gedreht wird, ist immer sehr schwierig zu beurteilen. Es heißt immer, der Herr Blatter hat oder hätte es wissen müssen. Aber das ist nicht so leicht. Es kann sein, aber muss nicht sein. Daher gilt für ihn auch die Unschuldsvermutung. Ich denke, man sollte das sehr nüchtern betrachten. Wenn man sieht, wie viele Offizielle seit der Arbeitsaufnahme der neuen Ethikkommission aus dem Fifa-Exekutivkomitee freiwillig zurückgetreten sind, manche mit Druck, manche mit etwas weniger Druck, ist das doch schon ein guter Weg. Wenn wir die Fifa mit einem weltweit agierenden Unternehmen vergleichen, bedarf es etwas Zeit, um hier neue Strukturen zu schaffen.

          Wie viel Vertrauen haben Sie in Herrn Blatter?

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