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Fifa-Chef Blatter : Deutschland wollte WM in Qatar

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„Es war politischer Druck aus europäischen Ländern, die WM nach Qatar zu bringen“: Joseph Blatter Bild: dpa

In der Debatte um die WM 2022 in Qatar unterstellt Fifa-Präsident Blatter Deutschland und Frankreich politische Einflussnahme aus wirtschaftlichem Interesse. Er verlangt Aussagen von oberster politischer Stelle zu den Missständen.

          Fifa-Präsident Joseph Blatter hat Deutschland und Frankreich politische Einflussnahme aus wirtschaftlichem Interesse für eine Fußball-WM in Qatar unterstellt. „Es war politischer Druck aus europäischen Ländern, die WM nach Qatar zu bringen“, behauptete der Weltverbandschef am Freitag nach einer Audienz bei Papst Franziskus. „Zwei der Länder, die Druck auf die Wahlmänner in der Fifa gemacht haben, waren Frankreich und Deutschland. Das ist bekannt, das ist keine neue Information.“

          Angesichts der bekanntgewordenen Missstände auf den WM-Baustellen verlangte er aus beiden Ländern Äußerungen von höchster politischer Stelle. „Sie sollen erklären, was sie von der Situation halten. Es ist leicht zu sagen, alle Verantwortung liegt bei der Fifa - nein, nein“, sagte Blatter.

          Der Schweizer unterstützt die Entschließung des EU-Parlaments vom Donnerstag zu den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für das Turnier 2022. „Wir missbilligen, was dort passiert ist“, betonte er. Die großen Baufirmen, die alle aus Europa stammten, seien jedoch auch für ihre Arbeiter verantwortlich, fügte er hinzu.

          Die Regierung des Golf-Emirates wies die Entschließung des EU-Parlaments als voreilig zurück. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte laut Medienberichten von Freitag aber, man sei zu einem Dialog mit dem Parlament bereit. Die Europa-Abgeordneten hatten den WM-Ausrichter zur Vermeidung von Zwangsarbeit und Sklaverei aufgefordert.

          Die Bedingungen für Arbeiter in Qatar stehen in der Kritik

          Angedacht sei, im Frühjahr 2014 eine Delegation zu entsenden, teilte die Grünen-Politikerin Barbara Lochbihler, die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im EU-Parlament, am Freitag mit. Der Ausschuss plane auch eine Anhörung zu Qatar. Daran teilnehmen sollen Vertreter des Fußball-Weltverbandes Fifa, der Europäischen Fußball-Union Uefa und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

          „Qatars Regierung nimmt die Anschuldigungen sehr ernst“, betonte der Außenamtssprecher. Generell seien die Vorwürfe wegen der Arbeitsbedingungen übertrieben. Man habe eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben, die von der internationalen Anwaltskanzlei DLA Piper durchgeführt werden solle. Das Vorhaben genieße höchste Priorität.

          Die Unterkünfte der Arbeiter sind einfach und beengt

          Die Fifa solle nach Ansicht der Europa-Abgeordneten dem Golfstaat „eine klare und unmissverständliche Botschaft“ schicken, damit die Vorbereitungen für das Weltturnier nicht von derartigen Vorwürfen überschattet würden. Qatar solle insbesondere keine Wanderarbeiter mehr inhaftieren, die von ihren Dienstherren geflüchtet seien.

          Der Weltverband müsse die Vergabe von WM-Austragungsorten künftig an Kriterien knüpfen, die sich an UN-Menschenrechtskonventionen orientieren, forderte Lochbihler. „Es freut mich sehr, dass deren Präsident Blatter die menschenrechtlichen Probleme in Qatar nun auch öffentlich anerkennt“, erklärte sie am Freitag.

          In Doha wird gerade an einer neuen Multifunktionshalle gebaut

          Nun gelte es, ganz konkret auf Veränderung zu drängen. „Mit klaren Forderungen an Katar, mit deutlichen Benchmarks und mit der Option, bei mangelnder Umsetzung durch die qatarische Regierung die nötigen Konsequenzen ziehen zu können“, fügte Lochbihler hinzu.

          Der EVP-Fraktion im EU-Parlament warf sie vor, die Resolution verwässert zu haben. Nicht gefordert worden sei auf Drängen der Konservativen hin die Abschaffung einer Klausel, wonach jeder Migrant einen qatarischen Sponsor benötige, um arbeiten zu dürfen. Das sogenannte Kafala-System führe faktisch zu Arbeitssituationen, die Zwangsarbeit und Sklaverei ähnlich seien.

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