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Fall Peng Shuai : Das IOC als Zwerg in China

Ehemalige Ideale werden beerdigt: Gegner der Olympischen Winterspiele in Peking protestieren vor dem IOC-Hauptquartier mit einem symbolischen Sarg. Bild: AFP

Das Internationale Olympische Komitee gaukelt Größe vor, wird im Fall der Tennisspielerin Peng Shuai aber vorgeführt. Vor Chinas Staatsführung macht es sich ganz klein – seit Jahrzehnten.

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          Am späten Donnerstagabend europäischer Zeit veröffentlichte das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein Video von fünf Minuten und 57 Sekunden Dauer. Im begleitenden Post auf Twitter zeigt das IOC dabei seinen Präsidenten. Thomas Bach schaut auf einen Bildschirm. Im Video beantwortet Bach rund zwei Minuten lang Fragen. Es geht um den Auftritt des kolumbianischen IOC-Mitglieds Luis Alberto Moreno vor den Vereinten Nationen (UN), deren Vollversammlung zum olympischen Frieden aufrief. Es geht nicht um Peng Shuai.

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          Tags zuvor hatte die Women’s Tennis Association aufgrund des Umgangs der Olympia-Gastgeber mit der Tennisspielerin Peng Shuai ihren Rückzug aus China verkündet. Doch das IOC und sein Präsident haben von den eigenen Gesprächen mit Peng Shuai, seit Mittwoch sollen es zwei sein, keine Sekunde veröffentlicht, keine Zeile dessen zitiert, was Peng Shuai gesagt hat. Ihr gehe es dem Anschein nach gut, behauptet das IOC, während UN, Europäische Union, Beobachter und Sportler in aller Welt überzeugt sind, dass sie überwacht wird und vermutlich weiter unter Hausarrest steht.

          Es mag gute Gründe geben, das Video von den Telefonaten nicht zu veröffentlichen, es geht im Kern ja um Pengs Vorwurf, der hochrangige Parteifunktionär Zhang Gaoli habe sie sexuell genötigt. Doch um glaubhaft zu machen, dass es keine Aufnahmen und Zitate gibt, um Peng zu schützen, müsste das IOC glaubwürdig sein. Aber das IOC erweckt weiter stark den Eindruck, es folge der Linie der chinesischen Staatsführung unter Xi Jinping.

          Und das ist, wenn man den Fokus aufzieht und über das Drama um Peng Shuai hinaus, über die Tatsache, dass der Olympia-Ausrichter eine Sportlerin wochenlang verschwinden lassen und sie öffentlich mundtot machen kann, ohne dazu vom IOC öffentlich kritisiert zu werden, das eigentliche Problem, die eigentliche Krise des IOC unter Thomas Bach. Der Fall Peng Shuai mag überraschend in die Olympia-Vorbereitungen geplatzt sein. Aber war das nicht vorhersehbar für das IOC, wenn es wieder einen Gastgeber auswählt, dessen politische Strategie es seit Jahrzehnten ist, kritische Stimmen verstummen, Menschen verschwinden zu lassen?

          2008 war das IOC in China zu Gast mit den Sommerspielen, 2014 mit den Jugendspielen, die Repression wurde stets schlimmer. Kritik vom IOC, von Bach gar? War nie zu vernehmen. Der Umgang mit Peng Shuai fügt sich ins traurige Bild. In das Bild von einem IOC, das Aufnahmen von Auftritten vor den UN verschickt, um Größe vorzugaukeln, während es Xi Jinping seit Jahren vorführt, wie klein es tatsächlich ist.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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