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Fall Pechstein : Klare Ansage vom Macher

Claudia Pechstein und Matthias Große: Klare Ansage in eigener Sache Bild: dpa

Neues von Claudia Pechstein: Ihr Freund Matthias Große ruft bei Abgeordneten an, beschimpft Mitarbeiterinnen und stößt Drohungen aus. Große bestätigt die Anrufe, sagt aber, er habe lediglich eine klare Ansage gemacht.

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          Der Bundesinnenminister hat von zwei Bundestagsabgeordneten schriftliche Berichte über Anrufe und Beschimpfungen durch den Lebensgefährten der Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein angefordert. Der Berliner Immobilienmakler Matthias Große, der mit Pechstein liiert ist, hat demnach mehrmals in den Büros von Dagmar Freitag (SPD), der Vorsitzenden des Sportausschusses, und Martin Gerster, dem sportpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, angerufen, Mitarbeiterinnen beschimpft und Drohungen ausgestoßen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es sei nicht unüblich, dass Abgeordnete als Blitzableiter herhalten müssten, sagte Gerster. Nach mehreren Anrufen Großes im Parlaments- wie im Wahlkreisbüro habe er jedoch den Sicherheitsdienst des Parlamentes informieren müssen. Große bestätigt die Anrufe. Er müsse Claudia Pechstein vor unqualifizierten Angriffen schützen, sagte er. Sie wisse selbstverständlich von den Anrufen und habe selbst schon versucht, Frau Freitag per Mail zur Rede zu stellen. Er habe niemanden beschimpft oder bedroht, sagte Große, sondern lediglich eine klare Ansage gemacht, als die Volksvertreter nicht zu sprechen waren. Er habe sich nun an den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel gewandt.

          Dienstunfähig und trainingseifrig

          Claudia Pechstein ist Beamtin der Bundespolizei und hat wegen ihrer bis Februar geltenden zweijährigen Sperre wegen abnormer Blutwerte deren Sportfördergruppe verlassen müssen. Innenminister Thomas de Maizière hat sie öffentlich aufgefordert, endlich den Dienst anzutreten, dem sie zugeteilt ist. Claudia Pechstein hat daraufhin – ihr Manager sagt: deshalb – einen Nervenzusammenbruch erlitten. Sie ist dienstunfähig und trainiert für ihr Comeback.

          Gerster hatte mit einer Anfrage öffentlich gemacht, dass Claudia Pechstein seit Beginn ihrer Sperre im Februar 2009 keinen Tag Polizeidienst geleistet hatte und de Maizières Entscheidung gegen Sonderurlaub gelobt. Dagmar Freitag war Ziel der Anrufe von Große, weil sie im Sportausschuss gefordert hatte, Claudia Pechstein möge den Namen der deutschen Olympiasiegerin nennen, deren Retikulozytenwerte angeblich ebenso erhöht seien wie die ihren; Pechstein erwähnt das in ihrer Biografie. Die Athletin gelte als ungedopt, sagt Große. Claudia Pechstein habe sie lediglich erwähnt, um auf die Ungleichbehandlung hinzuweisen. Einen Spießrutenlauf, wie sie selbst ihn ertragen musste, wolle sie der Sportlerin nicht zumuten. Gerster nimmt er übel, dass er die Förderung Claudia Pechsteins Steuerverschwendung genannt habe.

          In ihrer Biografie beschreibt Claudia Pechstein Große als „Macher, der nicht nur offen für das eintrat, was er dachte, sondern auch das erreichte, was er wollte“ und stellt ihn als ehemaligen Studenten der Militärpolitischen Hochschule Minsk vor. Die Wende verhinderte demnach seinen Aufstieg zum Generalmajor und zwang ihn, als Toilettenmann im Berliner Grand Hotel neu anzufangen.

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