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Schalke 04 : DFB-Ethikkommission diskutiert über „Fall Tönnies“

  • Aktualisiert am

Thema für den Ethikrat: Nun ist nach den Aussagen von Clemens Tönnies der DFB am Zug. Bild: dpa

Die Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes diskutiert den „Fall Clemens Tönnies“. Nach dem milden Urteil des Schalker Ehrenrates gewinnt die Haltung des Gremiums an Bedeutung. Fanforscher Pilz fordert ein klares Statement.

          Nun hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Problem am Hals: Vor der Beratung der Ethikkommission zum nach wir vor heiß diskutierten „Fall Clemens Tönnies“ am Donnerstag steigt der Druck auf das Verbands-Gremium. Die Stellungnahme, die es laut dem Vorsitzenden Nikolaus Schneider nach der Sitzung wohl geben werde, sollte es nach Meinung von Fan-Forscher Gunter A. Pilz besser in sich haben - sonst wird sogar der anstehende DFB-Bundestag von der Causa Tönnies überschattet.

          „Der Sitzung des Ehrenrates des Deutschen Fußball-Bundes kommt eine Signalfunktion zu“, sagte Pilz, der die Bezeichnung „Ehrenrat“ für die Ethikkommission verwendete, dem Reutlinger General-Anzeiger: „Sollte sich der Ehrenrat des Verbandes äußern wie der des Vereins, können wir uns die Implementierung der Menschenrechts-Charta in die Satzung des DFB beim Bundestag im September sparen.“

          Dem Vernehmen nach will die Kommission Tönnies zuvor anhören. Neben Schneider, dem ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, gehören Rechtsanwalt Bernd Knobloch, Rechtsanwältin Anja Martin und Betrugsermittlerin Birgit Galley dem unabhängigen Gremium an, das beim DFB-Bundestag 2016 in Erfurt gegründet wurde. Es soll in allen Fällen, „die der Integrität und dem Ansehen des DFB und seiner Mitgliedsverbände schaden, insbesondere bei illegalen und unethischen Verhaltensweisen, Ermittlungen aufnehmen“, heißt es auf der DFB-Homepage.

          Die Ethikkommission kann zwar keine Sanktionen aussprechen, sie kann allerdings Untersuchungen einleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethik-Kammer des Sportgerichts erheben. Trotz ihrer überschaubaren Befugnis ist die Haltung der Kommission für Pilz entscheidend. Sie solle anders agieren als der Ehrenrat des Fußball-Bundesligaklubs Schalke 04.

          Fordert deutliche Worte: Fanforscher Gunter A.Pilz

          Pilz sprach in diesem Zusammenhang von einem „fatalen Zeichen“. Er sei erschüttert, „wie der sogenannte Ehrenrat des Vereins mit Clemens Tönnies umgegangen ist. Das widerspricht allen Idealen, die dieser Klub in seiner Arbeit für sich reklamiert.“ Für Pilz ist klar: „Ich kann und darf nach Aussagen, wie sie Clemens Tönnies getätigt hat, nicht zur Tagesordnung übergehen.“

          Potest der Fans, Unterstützung durch Weggefährten

          Aufsichtsratschef Tönnies hatte bei der Festveranstaltung zum „Tag des Handwerks“ in Paderborn eine Rede zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung“ gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn“s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

          Tönnies entschuldigte sich danach und kündigte an, seinen Posten drei Monate ruhen zu lassen. Diesem Vorschlag wurde durch den Ehrenrat, der Tönnies vom Rassismus-Vorwurf freisprach, entsprochen.

          Zuletzt hatte Tönnies Unterstützung von prominenten Vertretern aus der Bundesliga erhalten. Friedhelm Funkel (Trainer von Fortuna Düsseldorf), Max Eberl (Sportdirektor Eberl von Borussia Mönchengladbach), Armin Veh (Manager des 1. FC Köln) und Simon Rolfes (Sportdirektor von Bayer Leverkusen) bescheinigten Tönnies zwar einen „schweren Fehler“, die heftige Kritik sei nach seiner Entschuldigung aber nicht angebracht. Tönnies habe eine zweite Chance verdient.

          Ein großer Teil der Schalke-Fans sieht das anders. Während des Pokalspiels beim SV Drochtersen/Assel (5:0) zeigten sie Tönnies symbolisch die Rote Karte. Schauspieler Peter Lohmeyer hat sogar persönliche Konsequenzen gezogen und ist als Mitglied ausgetreten, weil „Metzger“ Tönnies seiner Meinung nach den Kampf des Vereins gegen Rassismus und Diskriminierung infrage stelle.

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