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Fall Boßdorf : Der klassische IM

  • -Aktualisiert am

Hagen Boßdorf im Einsatz: Interview mit Jan Ullrich Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Disziplin und Effektivität hat die Stasi einst ihrem IM „Florian Werfer“ alias Hagen Boßdorf offenbar attestiert. Der NDR, der Boßdorf zu seinem Sportchef machen will, ist erstaunt darüber, daß er diese Informationen nicht kennt.

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          Der Norddeutsche Rundfunk hat ein Problem, um dessen Bewältigung den Sender in der ARD niemand beneidet. Man könnte allerdings meinen, daß die ARD die Sache längst hätte lösen können. Denn Hagen Boßdorf, der im März Gerhard Delling als Sportchef des NDR ablösen soll, hat bereits eine veritable Rundfunkkarriere im öffentlich-rechtlichen Sendeverbund hinter sich. Vom Chefredakteur im früheren ORB avancierte er zum Sportkoordinator der ARD. Immer wieder tauchten Fragen nach seinen Kontakten zur Staatssicherheit der DDR auf. Immer wieder wurde abgewinkt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Jetzt aber scheinen es einige genau wissen zu wollen. Hinter den Kulissen soll der Intendant Jobst Plog den Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und Christian Wulff versichert haben, man prüfe die Vorwürfe gegen Boßdorf noch einmal. Dabei tut der NDR allerdings so, als sei er von der Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen nicht hinreichend informiert worden. Man habe im Oktober offenbar weniger Informationen zu Boßdorf bekommen als nun die Presse. „Der NDR ist erstaunt über die Diskrepanz“, sagte der Sendersprecher Martin Gartzke.

          NDR-Reaktion „unverständlich“

          Dem widerspricht die Birthler-Behörde vehement. Die Reaktion des Senders sei „unverständlich“, sagte der Birthler-Sprecher Christian Booß: „Es ist nicht zutreffend, daß dem NDR wesentliche Unterlagen vorenthalten wurden.“ Vor allem treffe nicht zu, daß man keine Erkenntnisse verbreitet habe, die über den Stand von 2002 hinauswiesen, als Boßdorf Sportkoordinator der ARD wurde. Der NDR gerät in Erklärungsnot.

          Ob das Schwarzer-Peter-Spiel dem Sender gut zu Gesicht steht? Ein Mitglied des Verwaltungsrats hat gegenüber der „Welt“ angegeben, man sei am 28. Oktober, als Boßdorfs Anstellung verhandelt wurde, damit beschieden worden, in Sachen Stasi-Vorwürfe seien keine neuen Fakten da.

          Der NDR-Sprecher Gartzke stellt es so dar, daß das Material, das die Birthler-Behörde „ausgewählten Journalisten“ ausgehändigt habe, „offenbar nicht identisch mit den Unterlagen“ sei, die der NDR bekam. Man habe insgesamt 36 Seiten erhalten, eine Reihe der in der Presse zitierten Details fehlten in den Unterlagen, welche dem NDR am 26. Oktober, kurz vor der Sitzung des Verwaltungsrats, zukamen. Darin finde sich kein Entwurf einer Stasi-Verpflichtungserklärung. Auch ergäben sich „keine expliziten Hinweise darauf, daß Boßdorf als sogenannter Werber aufgebaut werden sollte“. „Im wesentlichen“ sei dem NDR der Stand von 2002 bekannt. Die Fragen konzentrierten sich darauf, ob Boßdorf nachweislich als IM tätig war. Dieser Nachweis lasse sich aus den NDR-Unterlagen nicht führen. „Sollten sich jetzt neue Sachverhalte ergeben, wird der NDR diese prüfen, soweit sie für das künftige Arbeitsverhältnis relevant sein sollten.“

          „Klassisches Bild des IM“

          Den Antrag auf Einsichtnahme in Boßdorfs Akten, sagte der Birthler-Sprecher Booß, habe der NDR ganz kurzfristig, am 20. Oktober, gestellt. In der Stellungnahme, die der NDR bekam, habe es ausdrücklich geheißen, daß es „Hinweise auf eine inoffizielle Tätigkeit“ Boßdorfs für die Stasi gebe. So werde dargelegt, daß der IM „Florian Werfer“ Kontakte zu drei Studenten aus Westdeutschland aufnahm und mit Stasi-Führungsoffizieren besprochen wurde, wie „Werfer“ vorgehe. Als IM „Florian Werfer“ wurde Boßdorf bei der Hauptverwaltung Aufklärung, der Auslandsspionage der DDR, geführt. Diese Hinweise, so Booß, „passen in das klassische Bild eines HVA-Werbe-IMs“.

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