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Freiburger Sportmedizin : Evaluierungskommission endet im Desaster

Kampf beendet: Die Kommissionsvorsitzende Letizia Paoli Bild: dpa

Protest gegen angebliche Einschränkung der Unabhängigkeit: Die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin kündigt ihren Rücktritt an.

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          Die „Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin“ zur Aufklärung unter anderem der Doping-Machenschaften an der Universität Freiburg hat ihren Rücktritt beschlossen. Nach Informationen der F.A.Z. protestiert das Gremium damit kurz vor dem Abschluss der Arbeit gegen die Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Professor Hans-Jochen Schiewer.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Freiburg war der Mittelpunkt des Dopings in Westdeutschland, bis die perfiden Manipulationen rund um die Radprofis des Teams Mobile durch Ärzte der Freiburger Sportmedizin belegt werden konnten. Die Kommission hatte seit ihrer Gründung 2007 immer wieder aufschlussreiche Details zutage gefördert und damit die Bedeutung von „Freiburg“ in der Doping-Historie der Bundesrepublik über Jahrzehnte alte Gerüchte hinaus bestätigen können. Darüber hinaus entdeckte sie bei der Sichtung von Promotions- und Habilitationsschriften zahlreiche Hinweise auf Plagiate.

          Gleichwohl klagten die Mitglieder immer wieder über massive Versuche, ihre Arbeit zu behindern. Unter anderem hatte eine Angestellte der Universität der Kommission angeforderte Akten jahrelang vorenthalten. Auslöser des Rücktritts, der mit Ablauf des 29. Februar gültig wird, ist die andauernde Weigerung des Rektors, dem Gremium die 2007 garantierte Unabhängigkeit zu bestätigen.

          Wie zu hören ist, sollen Gutachten der Kommission nach einer Rechtsprüfung ohne Kenntnis des Gremiums überarbeitet werden können. Schiewer bezieht sich auf ein Vertragsverhältnis zwischen den Kommissions-Mitgliedern und der Universität. Die allerdings beteuern, nie eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben zu haben. Eine vertragliche Vereinbarung besteht demnach nur zwischen der Uni Freiburg und der Universität Leuven, an der die Kommissions-Vorsitzende, die Kriminologin Letizia Paoli, lehrt.

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