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Europa-Spiele in Baku : Schämt Euch!

Der größte Sieger: Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew Bild: dpa

Baku feiert seine Europa-Spiele – auch weil kein Funktionär etwas dagegen sagt. Peking 2008 hin, Sotschi 2014 her: Die Dreistigkeit, mit der Aserbaidschans Herren auftreten, hat eine neue Qualität.

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          Das hatte noch gefehlt. Aber bei diesen Europa-Spielen in Baku, den ersten der Sportgeschichte, sind alle Hemmungen gefallen. Zurückhaltung? Wozu? Am Freitagabend stellte sich Ilham Alijew, Aserbaidschans Alleinherrscher, Unterdrücker der Presse- und Meinungsfreiheit in seinem Land, in der Sporthalle, die den Namen seines Vaters Heydar Alijew trägt, auf das Siegerpodest. Auf die höchste Stufe, wo Ilham Zakijew, blinder Judoka, Goldmedaillengewinner, auf ihn wartete. Alijew ließ sich von seinem Volk huldigen. Es war der Höhepunkt der wochenlangen Inszenierung, zu der Aserbaidschans Regime die Spiele gemacht hat.

          Vor den Spielen war Alijew mit seinem Regime dem Ziel schon sehr nahe gekommen, sämtliche prominente Kritiker mundtot zu machen und hinter Schloss und Riegel zu bringen. Sodann brach die Regierung schamlos mit der Olympischen Charta, der sich auch der Veranstalter der Europa-Spiele, das Europäische Olympische Komitee, verpflichtet hatte, indem es missliebige ausländische Journalisten diffamierte und selektierte und im Falle des britischen Korrespondenten Owen Gibson bis heute eine Erklärung schuldig ist, warum ihm ein Visum verweigert wurde.

          Und acht Tage vor Ende der Veranstaltung, berichtet der in Berlin lebende aserbaidschanische Journalist Emin Milli, habe ihm Asad Rahimow, der Sportminister des Landes, ausrichten lassen, dass er nicht mehr sicher sei. „Wir werden Emin kriegen, ob in Berlin oder anderswo“, habe die Botschaft gelautet, die nicht nur „Reporter ohne Grenzen“ „fassungslos“ macht. Das Berliner Landeskriminalamt ist informiert. Unterdessen fürchten Kritiker des Regimes in Baku, die noch auf freiem Fuß sind, schon jetzt Wochen und Monate der Rache, wenn die von Alijew bezahlten Teilnehmer der Europa-Spiele wieder abgereist sind.

          Und was machen Europas Sportfunktionäre, denen nun Spiele präsentiert wurden, wie sie zu erwarten waren – mit Pomp und Prunk, in modernsten Stadien und Hallen, Milliarden teuer, damit die Inszenierung des Gewaltherrschers aufs hellste strahle über die Fernsehschirme?

          Patrick Hickey schwärmt - Thomas Bach schweigt

          Sie reagieren, wie zu befürchten stand. EOC-Präsident Patrick Hickey, von Alijew schon nach wenigen Wettkampftagen mit einem aserbaidschanischen Orden behängt, schwärmt: „Jeder Aspekt dieser Spiele war ausgezeichnet.“ Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, schweigt, wohlwissend, dass er demnächst ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sein wird, ob nun Kasachstan oder China Olympiagastgeber 2022 wird. Und Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes, wohnte einer „gelungenen Premiere“ bei.

          Es stimmt ja: Gerade die deutschen Sportfunktionäre wissen, dass die Kluft zwischen Selbstwahrnehmung von Funktionären im internationalen Sport-Event-Geschäft und ihrem rücksichtslosen Verhalten immer tiefer wird. Sie haben die erschütternde Menschenrechtslage in Aserbaidschan kritisiert, vor den Spielen. Aber den Mut, in Baku gegenüber Alijew und seinen Kumpanen öffentlich, laut und deutlich zu sagen, was von ihrem Spiel zu halten sei – diesen Mut brachten sie nicht auf. Es ist ein Trauerspiel.

          Statisten einer geopolitischen Machtinszenierung

          Dabei hätten die Sportler, gerade jene, die so oft abseits der öffentlichen Wahrnehmung siegen und verlieren, Bestleistungen bieten und Niederlagen einstecken, eine gemeinsame, europaweite, eine fröhliche und freundliche Veranstaltung verdient. Stattdessen wurden sie wieder zu Statisten einer geopolitischen Machtinszenierung eines korrupten Regimes, von der die Sportfunktionäre dieser Welt offenkundig nicht mehr genug bekommen können.

          Peking 2008 hin, Sotschi 2014 her: Die Dreistigkeit, mit der Aserbaidschans Herren auftreten, hat tatsächlich eine neue Qualität. Längst müsste diesen Scharaden, bei denen Recht und Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird, Einhalt geboten werden. „Nie wieder!“, möchte man rufen. Stattdessen überlegt Baku, ob es einen weiteren Olympiaanlauf nehmen soll. 2016 kommen die Formel 1 und 2020 die Fußball-EM nach Baku. Der Sport macht weiter sein Geschäft mit Alijew – und schweigt.

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