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EU-Parlamentspräsident Schulz : Fifa-Regeln sind nicht mit öffentlich-rechtlichen vereinbar

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„Ich glaube, dass der Sport aufgewertet werden muss“: Martin Schulz Bild: dpa

Im Interview mit der F.A.Z. ruft EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zu einer Überprüfung des Geschäftsgebarens in der Fifa auf. Zudem spricht er von „Rücksichtslosigkeit, Korruption, offenbar auch Habgier“ beim Fußball-Weltverband.

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          Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz, hat zu einer Überprüfung des Geschäftsgebarens im Fußball-Weltverband (Fifa) aufgerufen. „Ich rufe nicht gleich nach der staatlichen Aufsicht. Aber wir müssen zumindest klären, ob alle Regeln (der Fifa) vereinbar mit öffentlich-rechtlichen Regeln sind. Man wird relativ schnell sehen: Nein, das ist nicht vereinbar“, sagte Schulz der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Lesen Sie das Interview der Donnerstagausgabe schon ab 20.00 Uhr des Vortags im E-Paper und in der F.A.Z.-App) mit Blick auf die Korruptionsaffäre des Verbandes. Die Fifa habe sich über die Jahrzehnte zu einem multinationalen Wirtschaftsunternehmen entwickelt, das sich seine eigenen Regeln gebe.

          „Dabei werden milliardenschwere Geschäfte abgewickelt und deshalb ist das System so anfällig für Abhängigkeiten, Geschäftemacherei und letztlich auch für Korruption. Daher müssen wir genauer hinschauen.“ Der SPD-Politiker warf der Fifa vor, „das Versprechen, die weltweite Organisation des Sports zu sein, die Fairness proklamiert“, „in das Gegenteil“ umzukehren. Sport stehe auch für die Möglichkeit, den Aufstieg in der Gesellschaft auch aus dem Nichts allein durch individuelle Leistung zu schaffen. „Bei der Fifa scheinen Rücksichtslosigkeit, Korruption, offenbar auch Habgier die Botschaft.“

          Schulz ist der Überzeugung, dass der Fußball und andere Organisationen des Sport wegen „des hohen Integrationsgrades“ bei der Transformation der Gesellschaft eine große Rolle spielen werden. Weil die Verbindung der Menschen zu Institutionen wie etwa Kirchen, Parteien oder Gewerkschaften loser werde, ist die Gesellschaft nach Ansicht von Schulz gefordert, einen Verlust von Zugehörigkeitsgefühl aufzufangen. Deshalb müsse die Rolle des Sports von den Politikern intensiver diskutiert werden: „Ich glaube, dass der Sport aufgewertet werden muss“, sagte Schulz der F.A.Z.

          Der in der Nähe von Aachen geborene Europapolitiker, der in seiner Jugend bis zu einer Knieverletzung intensiv Fußball spielte, spricht sich gegen Boykotte großer Sportveranstaltungen in Diktaturen und Autokratien aus. Stattdessen müsse im Sinne Willi Brandts ein Wandel durch Annäherung erreicht werden. Er forderte aber Sportfunktionäre auf, am Ort der Sportfeste für die Einhaltung von Menschenrechten einzustehen.

          „Diejenigen, die politische Verantwortung für die Vergabe hatten, müssen ihre Stimme erheben. Von einem Verbandspräsidenten kann ich das erwarten, von einem Sportminister sowieso“, sagte Schulz und bezog sich dabei auch auf die am Freitag beginnenden Europa-Spiele in Aserbaidschan: „Und in Baku müssten sie zu den Menschenrechtsverstößen Stellung nehmen. Wer Haltung zeigt, wird wahrscheinlich auf Dauer die Bereitschaft von Diktaturen senken, sich überhaupt zu bewerben.“

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