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Krawalle bei EM-Qualifikation : Uefa ermittelt gegen Serbien und Albanien

  • Aktualisiert am

Mit dieser hereinschwebenden Fahne fingen die Provokationen an Bild: AFP

Serbischer Funktionär vergleicht Fahne Großalbaniens mit Hakenkreuzfahne ++ Freiburg nimmt Spieler Mitrovic in Schutz ++ Albaner bejubeln Abbruch ++ Uefa eröffnet Verfahren am 23. Oktober ++ EU verurteilt Provokationen.

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          Nach dem Spielabbruch der EM-Qualifikations-Partie zwischen Serbien und Albanien am Dienstagabend in Belgrad hat der serbische Außenminister Ivica Dacic alle Schuld den Albanern zugeschoben. „Serbien trägt keinerlei Verantwortung für den Spielabbruch“, sagte der Spitzenpolitiker der größten Zeitung „Blic“ am Mittwoch in Belgrad. Vor dem Spiel habe die EU auf Serbien massiven Druck ausgeübt, den albanischen Zuschauern den Weg ins Stadion zu ermöglichen, obwohl die serbischen Behörden sie am Flughafen festhalten wollten.

          „Wenn jemand aus Serbien in Tirana oder in Prihstina eine Fahne Großserbiens entrollt hätte, dann wäre das schon auf der Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates“, sagte Dacic weiter: „Besonders problematisch ist die Tatsache, dass das der Bruder des albanischen Premiers getan hat, der hier Gast sein sollte. Das verleiht dem ganzen Fall eine politische Dimension und ist eine politische Provokation“.

          In Zusammenhang mit dem Vorfall war der Bruder des albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama festgenommen. Olsi Rama soll dem serbischen Innenministerium zufolge von seiner VIP-Loge aus das Fluggerät mit der großalbanischen Flagge gesteuert haben. Er war vorübergehend festgenommen worden, flog aber mit dem Nationalteam Albaniens wieder zurück in seine Heimat

          Der serbische Fußballverbands-Vizepräsident Goran Milanovic sagte am Mittwoch in der Belgrader Zeitung „Informer“ über den Vorfall: „Stellen Sie sich nur mal eine Situation vor, in der Israel Deutschland in Tel Aviv empfängt und jemand eine Hakenkreuzfahne mit dem Kopf Adolf Hitlers entrollt. Etwas Ähnliches hat sich gestern Abend im Partisan-Stadion ereignet.“

          Albaner feiern ihre Mannschaft

          Nach dem Spielabbruch haben Tausende Albaner ihre Mannschaft gefeiert. In Tirana begrüßten Vizeregierungschef Niko Peleshi und Sportministerin Lindita Nikolla am frühen Mittwoch die aus Belgrad zurückgekehrte Mannschaft. Alle Albaner könnten stolz sein auf das Team, das aus „Helden des Tages“ bestehe, sagten die beiden Spitzenpolitiker vor jubelnden Fans. Die gesamte Regierung stehe hinter der Mannschaft. Die albanische Nation könne stolz sein „auf die Werte, die die Spieler auf dem Rasen gezeigt haben“.

          Bundesligaverein SC Freiburg hat seinen serbischen Profi Stefan Mitrovic derweil in Schutz genommen. Mitrovic hatte die Drohne mit einer großalbanischen Flagge, die über dem Rasen in Belgrad flog, an sich gerissen. „Stefan hat das gemacht, was jeder Spieler machen würde, denn jeder ärgert sich doch, wenn der Fußball durch politische Dinge unterbrochen wird“, sagte Freiburgs Präsident Fritz Keller dem Internetanbieter Sport1. „Es hat sicher kein nationalistischer oder böser Gedanke dahinter gesteckt. Wir werden Stefan schützen, weil wir uns keinen anderen Hintergrund vorstellen können“, erklärte Keller.

          In der Kosovo-Hauptstadt Prishtina gingen Hunderte auf die Straße und feierten das abgebrochene Spiel und seinen skandalösen Ausgang mit Feuerwerk, Hupkonzerten und nationalen Gesängen. In der zwischen Albanern und Serben geteilten Stadt Mitrovica im Norden des Landes mussten starke Sicherheitskräfte Hunderte aufgebrachte Anhänger voneinander fernhalten. Auch in Wien verhinderten nur starke Polizeikräfte, dass Albaner und Serben aneinandergerieten. Teile der Innenstadt mussten vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden.

          Uefa eröffnet Verfahren

          Die Europäische Fußball-Union UEFA hat nach den Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsspiel Serbien gegen Albanien erwartungsgemäß umfangreiche Disziplinarverfahren gegen die beiden Verbände eröffnet. Als Termin für die Verhandlung vor der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer nannte der Verband den 23. Oktober.

          Wild West auf dem Spielfeld beim Spiel der Serben gegen Albanien Bilderstrecke

          Uefa-Präsident Michel Platini bezeichnete die Vorfälle als „unentschuldbar“ und sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP: „Unser Spiel sollte niemals mit jeglicher Art von Politik vermischt werden.“ Auch Fifa-Präsident Joseph Blatter hat die Vorfälle aufs Schärfste verurteilt. „Fußball sollte niemals für politische Botschaften benutzt werden. Ich missbillige zutiefst, was letzten Abend in Belgrad geschehen ist“, twitterte der Boss des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch.

          EU verurteilt Provokationen

          Die Europäische Union hat nach dem Abbruch des Fußballspiels zwischen Serbien und Albanien Provokationen verurteilt. „Wir sind enttäuscht über den Abbruch des Fußballspiels nach einer Provokation“, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Mittwoch in Brüssel. Sie forderte die beiden Balkanstaaten zu regionaler Zusammenarbeit auf und mahnte: „Wir sind der Ansicht, dass Politik nicht durch Provokationen in Stadien beeinflusst werden sollte.“

          Die serbischen Behörden seien mit der Situation professionell umgegangen, sagte die Sprecherin Ashtons. Sie weise jedoch Vorwürfe serbischer Medien zurück, die EU habe bei dem Vorfall eine Rolle gespielt. Die EU bemüht sich um eine Annäherung der beiden Staaten. Im April 2013 schlossen Belgrad und Prihstina unter Vermittlung der Europäischen Union ein Abkommen zur Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen. Serbien, das Kosovo und Albanien wollen der EU beitreten.

          Die griechische Regierung hat die Ausschreitungen  als „Fehler“ verurteilt. „Auf dem Balkan haben wir unangenehme historische Erfahrungen“, sagte der griechische Außenminister Evangelos Venizelos in Athen und forderte Albanien und Serbien auf, „mit Erklärungen und Taten“ für Stabilität in der Region zu sorgen. Nach griechischen Medienberichten waren auf der großalbanischen Fahne auch Gebiete Griechenlands abgebildet. Darunter war die griechische Insel Korfu sowie große Teile des Nordwesten Griechenlands.

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