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Eiskunstlauf : Steuer gewinnt vor Gericht

Trainer darf wieder Soldaten trainieren: Ingo Steuer Bild: dapd

Das Oberlandesgericht in Brandenburg spricht Eiskunstlauftrainer Ingo Steuer das Recht zu, auch Sportsoldaten zu trainieren. Die Bundeswehr hatte ihn vor fünf Jahren fristlos entlassen und sich seitdem geweigert, ihn mit Steuermitteln zu bezahlen.

          Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer hat einen Sieg im Kampf um Fördergeld der öffentlichen Hand errungen. Das Oberlandesgericht in Brandenburg an der Havel sprach dem ehemaligen Weltmeister, der die zweimaligen Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy betreut, mit Urteil vom Dienstag (Az 6 U 66/10) das Recht zu, Sportsoldaten zu trainieren - unter der Bedingung, dass die Sportler „ihn als Trainer wählen, der sportliche Spitzenverband ihn beauftragt und der Deutsche Olympische Sportbund seine Tätigkeit befürwortet“.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Bundeswehr hatte sich, ebenso wie die Deutsche Eislauf-Union (DEU), geweigert, den Trainer mit Steuermitteln zu bezahlen. Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte die Klage Steuers im vergangenen Jahr abgewiesen. Die Revision zum Bundesgerichtshof ist zugelassen. Das Gericht befand, dass die Bundeswehr in die gewerbliche Tätigkeit Steuers mit dem Effekt eines Boykotts eingreife. Da alle deutschen Spitzenläufer außer Savchenko/Szolkowy Sportsoldaten seien, verhindere sie seine Berufstätigkeit.

          Das Paar entlohnt den Trainer selbst

          Steuer wurde vor fünf Jahren von der Bundeswehr fristlos entlassen, weil er zwei Mal wahrheitswidrig angab, nicht für den Staatssicherheitsdienst der DDR gearbeitet zu haben (siehe: Eiskunstlauf: Bundeswehr entläßt Steuer und Eiskunstlauf: DEU beendet Zusammenarbeit mit Ingo Steuer). Szolkowy verließ daraufhin die Sportfördergruppe der Bundeswehr; er und seine Partnerin entlohnen ihren Trainer seitdem selbst. Szolkowy will zur Bundeswehr zurückkehren. Steuer hat durchgesetzt, dass die DEU ihn bei internationalen Veranstaltungen wie Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften als Trainer akkreditieren muss; er versteht sich als Mitglied der deutschen Mannschaft.

          Unter Verweis auf das Innenministerium, welches den Verband fördert, weigert sich die DEU, Steuer mit eigenen Mitteln zu entlohnen. Steuer hat die DEU deshalb auf die Zahlung von Honorar und Leistungsprämien verklagt. In einem Vergleich hat die DEU sich verpflichtet, Savchenko/Szolkowy 250.000 Euro Sponsormittel zu verschaffen.

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