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Eishockey-WM in Weißrussland : Ignoranten und Schurken

  • -Aktualisiert am

Eishockeyfreunde mit zweifelhaftem Ruf: Staatspräsidenten Lukaschenka und Putin Bild: AFP

Eishockey beim Diktator: Am kommenden Freitag wird die Weltmeisterschaft in Weißrussland eröffnet und bietet Staatspräsident Lukaschenka eine große Bühne.

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          Eishockey beim Diktator: Auf diesen Grund zur Klage hätte man früher kommen können. Jetzt ist es zu spät. Am kommenden Freitag wird die Weltmeisterschaft in Weißrussland eröffnet, unter der Ägide des Staatspräsidenten Lukaschenka, den man guten Gewissens einen Eishockeyfreak und Schurken nennen darf, ja muss.

          Die wachsende Gruppe skeptischer Beobachter in Deutschland wird sich also zehn Wochen nach den Winterspielen beim Ukraine-Besatzer Putin bestätigt fühlen: Den großen Sportverbänden ist es offenbar völlig egal, wem sie eine Bühne bieten für eine zynische Selbstinszenierung.

          „Eine demokratische Entscheidung“

          René Fasel, Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes, fand im Interview des Deutschlandfunks jedenfalls eine ihn überzeugende Erklärung für den Trip in Lukaschenkas Reich: 2009 sei eine ganz „demokratische Entscheidung“ gefallen. Er meinte wohl die Wahl des Austragungsortes durch die Mitgliedsverbände seiner Föderation. Niemand habe sich damals dagegengestellt. Wenn das so war, dann ist es umso schlimmer. Weil Fasel in einem Atemzug die gesamte Eishockeyblase an den Pranger stellt: als Versammlung ignoranter Sportfunktionäre, die sich offensichtlich einen Kehricht um das längst bekannte üble Treiben ihres Gastgebers scherten oder aber glaubten, die brutale Gangart dieses Gesellen passe zu ihrer Welt. Auf dem Eis wird ja auch gerne zugeschlagen, wenn’s nicht nach dem eigenen Willen läuft.

          Vermutlich wird die Kritik aus der Gesellschaft in diesen Tagen wieder zunehmen. Sie wäre nicht verfehlt, weil deutsche Politiker schon vor zwei Jahren, zumindest Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und FDP, eine Verlegung der WM in ein anderes Land gefordert hatten, etwa in ein demokratisches. Das wird allerdings zunehmend schwieriger, auch mit langer Anlaufzeit. Die Bewerbung von Oslo um die Olympischen Winterspiele 2022 steht wegen eines Streits in der Minderheitsregierung um den Sinn der hohen Ausgaben und Bürgschaften auf der Kippe. Madrid wird seine Lust an den Sommerspielen 2024 verlieren, falls das Internationale Olympische Komitee (IOC) an seinem „kommerziellen Modell“ festhalte, wie der Sportchef Spaniens erklärte. Man will abwarten, ob sich etwas ändert.

          Denkmuster aufbrechen

          Eine Art Reform hat das IOC für das Ende des Jahres angekündigt. Aber diese Veränderung müsste weit mehr schaffen, als den Gigantismus kleinzufahren, als Madrid finanzierbare Spiele zu ermöglichen. Sie müsste die Denkmuster einflussreicher Sportfunktionäre aufbrechen, die wie Fasel vom Glaubenssatz nach dem Boykotttrauma der Sommerspiele 1980 (Moskau) und 1984 (Los Angeles) gesteuert werden: „Sport und Politik sollten nicht vermischt werden“, sagte Fasel am Sonntag, als wüsste er nicht, wie Lukaschenka die WM, die Spiele, die Spieler in seinem Land zu nutzen gedenkt: „Sport ist Diplomatie und Politik.“

          Die großen Verbände werden nicht weit kommen, wenn auch Betonköpfe über die Reformen ihrer Ansprüche abstimmen. Denn die Fähigkeit, Irrtümer einzusehen, ist die Voraussetzung für neue Wege. Mit IOC-Mitgliedern wie Fasel scheint das unmöglich.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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