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Treffen mit Lukaschenka : Der Auftritt beim Diktator ist „etwas blöd gelaufen“

Treffen in Belarus: René Fasel (rechts) mit Aleksandr Lukaschenka Bild: EPA

Eishockey-Präsident René Fasel äußert sich nach dem Treffen mit Aleksandr Lukaschenka in Belarus zum herzlichen Umgang und den innigen Umarmungen. Er fühlt sich missverstanden: Und: „Das ist mir auch peinlich.“

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          Hat René Fasel, Präsident des Eishockey-Weltverbandes IIHF und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), etwas gelernt auf seiner Reise nach Minsk, auf der er Machthaber Aleksandr Lukaschenka bei der Begrüßung vor laufenden Kameras herzlich umarmte und bei der er ebenso innig mit Dmitrij Baskow für Fotos posierte? „Wenn wir die WM in Minsk nicht spielen, was wird sich ändern?“, sagte er, zurück in der Schweiz, in einem Fernsehinterview, und es klingt wie eine Antwort auf die Frage. „Nichts.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Lukaschenka lässt seit August, seit seiner dreisten Wahlfälschung, diejenigen niederknüppeln und foltern, die gegen den Betrug protestieren. Sein Getreuer Baskow, Präsident des Eishockeyverbandes des Landes, steht im Verdacht, einen Demonstranten auf offener Straße derart zusammengeschlagen zu haben, dass dieser an seinen Verletzungen starb. Auch deshalb hat das IOC ihn wie Vater und Sohn Lukaschenka, Präsident und Vizepräsident des Nationalen Olympischen Komitees von Belarus, suspendiert und von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Mit Baskow besuchte Fasel ein Eishockeyspiel, ihn zeigt ein Foto, auf dem er seinen Arm freundschaftlich um Fasels Schulter legt.

          Dem Sender SRF sagte Fasel am Dienstag, der Auftritt mit Lukaschenka sei „etwas blöd gelaufen“, ihm „auch peinlich“. Auf Schwyzerdütsch beharrte er aber: „Es tut mir ganz fest leid, wenn die Interpretation da ist, dass ich das akzeptieren würde, was in Belarus passiert“, sagte er. Die Repression „der verschiedenen Leute“ akzeptiere er „sicher nicht“. „Ich habe ganz fest daran geglaubt, dass wir als Sport dem Land etwas geben, dass die Leute wieder miteinander reden und nicht mehr auf die Straße gehen und es nicht mehr zu Straßenschlachten kommt.“ Straßenschlachten? Die Opposition in Belarus demonstriert gewaltfrei und wird niedergehalten.

          Fasel bestätigte zwar, dass sich wie die Slowakei nun auch Dänemark anbiete, als Gastgeber einzuspringen. Doch weckte er wortreich den Eindruck, dass er trotz der Proteste von Politikern und Menschenrechtsorganisationen, trotz der Weigerung Lettlands, gemeinsam mit Belarus Gastgeber zu sein, daran festhält, Lukaschenka im Mai und Juni die Bühne Weltmeisterschaft zu lassen.

          Mal behauptet Fasel, er trenne Sport und Politik, mal bietet er allen Ernstes an, er und sein Sport könnten in Belarus zwischen Regime und Opposition vermitteln. Zugleich ignoriert er die Aufrufe etwa der Belarusian Sport Solidarity Foundation (BSSF), des Zusammenschlusses von mehr als 1200 Spitzensportlerinnen und -sportlern, welche die Freilassung der politischen Gefangenen, die Strafverfolgung von Folterern und Gewalttätern in den Reihen der Staatsmacht, den Rücktritt der Regierung, Neuwahlen und nicht zuletzt ein Ende der Repressalien gegen sie selbst fordern. Sie werben mit dem Hashtag #dontplaywithdictator – Spielt nicht mit dem Diktator! Eine Petition, Belarus die Weltmeisterschaft abzunehmen, hatten am Mittwochnachmittag knapp 47.000 Menschen unterzeichnet.

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