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Eishockey-WM in Belarus : „Staatsterror darf nicht belohnt werden“

Eishockey-WM in der Diktatur von Lukaschenka: Kritiker fordern eine Verlegung des Turniers. Bild: dpa

In einem offenen Brief kritisiert der belarussische Schriftsteller Sasha Filipenko die geplante Eishockey-WM in seiner Heimat. Zustimmung bekommt er von mehreren Bundestagsabgeordneten. Sie fordern eine Verlegung des Turniers.

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          Abgeordnete aus Regierungsfraktion und Opposition nehmen den offenen Brief des Schriftstellers Sasha Filipenko aus Belarus an den Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes IIHF, René Fasel, zum Anlass, eine Verlegung der für Mai und Juni in Minsk und Riga geplanten Weltmeisterschaft zu fordern. Margarete Bause, menschenrechtspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, sagt: „Die Äußerungen des Präsidenten des Eishockey-Weltverbandes sind ein Skandal.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Sollte René Fasel auch nach diesem aufrüttelnden Appell daran festhalten, die Eishockey-WM in Belarus stattfinden zu lassen, hätten er wie auch der von ihm geführte Weltverband jegliche moralische Integrität verloren. Der Staatsterror des brutalen Diktators Lukaschenka darf nicht auch noch mit der Austragung eines internationalen Großereignisses belohnt werden. Bleibt der oberste Eishockey-Funktionär Fasel bei seiner Haltung, muss er sich fragen lassen, ob er noch die richtige Person für diesen Posten ist.“

          Von der Bundesregierung fordert die Abgeordnete, dass sie „endlich ein Zeichen für Menschenrechte und Demokratie setzen und sich gegenüber dem Deutschen Eishockey-Bund und der Internationalen Eishockey-Föderation nachdrücklich für eine Verlegung der Weltmeisterschaft einsetzen“ soll. „Nicht erst seit diesem Brief, aber allerspätestens nun muss allen klar sein, dass im Belarus von Lukaschenka weder eine Eishockey-Weltmeisterschaft noch ein anderes internationales Sportereignis stattfinden darf“, sagt Dagmar Freitag, Abgeordnete der SPD und Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. In Anspielung auf Fasel fährt sie fort: „Wer meint, dass es reicht, jetzt plötzlich der Opposition Gesprächsangebote machen zu müssen, zeigt, dass er nichts verstanden hat und vielleicht auch nicht verstehen will.“

          Eberhard Gienger, sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, erkennt im Text von Filipenko Hinweise auf einen Bürgerkrieg. „In einem solchen Land eine Eishockey-WM zu feiern ist nicht opportun“, sagt er. Als Weltklasse-Turner war der Abgeordnete vom Boykott der Olympischen Spiele von Moskau 1980 betroffen und ist deshalb gegen politisch motivierte Boykotte. Der Protest vieler Sportlerinnen und Sportler gegen Präsident Lukaschenka, der auch dem Nationalen Olympischen Komitee des Landes vorsteht, veranlasst ihn zu dieser Sicht auf die Forderung nach Verlegung: „Dies kommt von innen. Ich habe das Gefühl, dass hier nicht die Autonomie des Sports ausgehebelt wird.“

          „Konstruktive Unterstützung“

          „Ist es angemessen für einen Verband, der sich Völkerverständigung und Fairness auf die Fahne schreibt, in diesem Land eine WM auszutragen?“, fragt Frank Heinrich, Obmann von CDU und CSU im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. „Dort werden Prinzipien untergraben, wie das in keinem der teilnehmenden Länder hingenommen würde.“ In Anspielung auf die Diskussion, die Titelkämpfe nach Prag und Bratislava zu verlegen, empfiehlt der Abgeordnete aus Chemnitz: „Dies sollte geprüft werden. Wenn die Regierungen dieser Länder und anderer Teilnehmerländer sich zu einer Förderung entscheiden, würde ich dies als angemessenen Beitrag empfinden. Druck gegenüber den Veranstaltern hilft nicht; ich bin für konstruktive Unterstützung.“

          Der ursprüngliche Ko-Gastgeber Lettland weigert sich, die WM gemeinsam mit Belarus zu organisieren. Russland, das angeboten hatte einzuspringen, ist wegen systematischen Dopings auch als Gastgeber gesperrt. Sollte die deutsche Mannschaft, Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Pyeongchang 2018, aus politischen Gründen ihre Teilnahme absagen, würde sie aus der A- in die B-Gruppe relegiert. Der Weltverband ließ Fragen bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe unbeantwortet.

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