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Entzug vom Weltverband : Lukaschenka verliert die Eishockey-WM

Keine WM beim Machthaber Lukaschenka: Der Eishockey-Weltverband entzieht Belarus die Ausrichtung. Bild: Picture-Alliance

Wegen „Sicherheitsbedenken“ entzieht der Weltverband IIHF Belarus die Eishockey-WM – nachdem Sponsoren mit dem Rückzug gedroht hatten. Wer neuer Ko-Ausrichter wird, ist noch offen.

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          Aleksandr Lukaschenka ist nicht mehr Gastgeber der Eishockey-WM im Mai. Der Rat des Internationalen Eishockey-Verbandes gab am Montag die Entscheidung bekannt, die seit dem Wochenende erwartet worden war: Dem belarussischen Diktator wird sein Teil des Turniers entzogen, das ursprünglich in der Hauptstadt Minsk und im lettischen Riga ausgetragen werden sollte. Nachdem im Laufe des Wochenendes mehrere Sponsoren dem Verband die Unterstützung entzogen hatten, sollte das Turnier wie geplant stattfinden, waren die IIHF und ihr Präsident René Fasel unter Zugzwang geraten.

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          „Auf Grund von Sicherheitsbedenken hat der Council der IIHF heute bestätigt, dass eine Verlegung der WM aus Minsk unvermeidbar ist“, heißt es in der Mitteilung, die nach der virtuellen Sitzung am Nachmittag verbreitet wurde. Unter „Sicherheitsbedenken“, das führt die Stellungnahme des Verbandes aus, seien „sowohl die wachsenden politischen Unruhen als auch Covid-19“ zu verstehen. Erwäge man alles, was der Verband bei seinen „eingehenden Prüfungen“ untersucht habe, sei es unmöglich, das Wohlergehen der Mannschaften, Zuschauer und Offiziellen zu garantieren.

          Die Reise von Fasel und seinem deutschen Generalsekretär Horst Lichtner zu Lukaschenka nach Minsk in der vergangenen Woche sei Teil des „eingehenden Prozesses“ gewesen. Lukaschenka und Fasel hatten sich herzlich begrüßt und umarmt, die Aufnahmen von den Szenen hatten international für Empörung gesorgt. Lukaschenka hat seit den Präsidentenwahlen in Belarus am 8. August 2020, die von der Europäischen Union nicht anerkannt werden, mehr als 30.000 Bürger verhaften lassen, darunter auch etliche Sportler.

          Die Belarusian Sport Solidarity Foundation (BSSF), in der sich über 1200 in Opposition zu Lukaschenka stehende Sportler zusammen gefunden haben, hatte in den vergangenen Monaten bei Sportverbänden, Politikern und Sponsoren gegen die WM in Minsk opponiert. Die Kampagne wurde intensiviert, nachdem bald nach dem gewaltsamen Tod von Roman Bondarenko in einem Minsker Innenhof der Präsident des belarussischen Eishockey-Verbandes, Dmitrij Baskow, als dringend verdächtig galt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

          Baskow war der Eishockey-Trainer eines Sohns von Lukaschenka, die belarussischen Behörden haben bislang kein Strafverfahren gegen mögliche Täter eröffnet. Der belarussische Schriftsteller Sasha Filipenko hatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in zwei Offenen Briefen an Fasel seine Empörung über das Verhalten des Weltverbandes zum Ausdruck gebracht. Unter deutschen Politikern hatte unter anderem Außenminister Heiko Maas (SPD) eine Verlegung des Turniers gefordert.

          Die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja, die nach Darstellung des Regimes bei der Wahl im August Lukaschenka unterlegen war, begrüßte die Entscheidung auf Twitter. „Dies ist ein sehr kluger Schritt – Menschenrechte und fairen Sport zu unterstützen und nicht mit dem Regime zu kooperieren. Gemeinsam mit der BSSF sind wir froh, das die Stimmen des belarussischen Volks gehört werden.“ Die BSSF schrieb, „die Entscheidung hat dem belarussischen Volk und der internationalen Gemeinschaft wieder Vertrauen in Gerechtigkeit und universelle Werte gegeben“.

          Gleichzeitig erinnerte die Organisation den Weltverband daran, Baskows Rolle zu untersuchen. Am Vormittag hatte die Mutter des Getöteten, Jelena Bondarenko, in einem über den Twitter-Kanal der BSSF verbreiteten Video gefordert, von der Disziplinarkommission der IIHF angehört zu werden, wenn diese den Fall untersucht. Von den belarussischen Behörden seien weder sie noch ihr Anwalt angehört worden.

          Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes und Mitglied in der Exekutive der IIHF, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die heute getroffene Entscheidung ist wohl überlegt, konsequent und logisch. Ausrichter Belarus kann die Voraussetzungen nicht garantieren, die notwendig sind, um in diesem Jahr ein würdiger Gastgeber einer Eishockey-WM zu sein. Letztlich ist dieser Schritt in einer sehr sensiblen Lage ohne Alternative gewesen. Wir werden uns nun mit den verschiedenen Möglichkeiten weiter befassen, die hinsichtlich der WM 2021 auf dem Tisch liegen und in den Gremien zeitnah zu den Entscheidungen kommen, die die Gastgeberrolle für das diesjährige Turnier betreffen.“

          Die IIHF ließ am Montag offen, in welcher Form und wo das Weltmeisterschaftsturnier, das Ende Mai beginnen soll, ausgetragen wird. Man müsse nun den Status des Ko-Gastgebers Riga evaluieren, heißt es in der Stellungnahme, man werde auch prüfen, ob das Turnier an einem Ort ausgetragen werden kann. Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, und Dänemark hatten zuvor angeboten, als Ersatz für Minsk zur Verfügung zu stehen.

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