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Fußballspiele der Männer : Dürfen Frauen in Iran bald ins Stadion?

Bei der Fußball-WM in Brasilien durften auch Frauen die Spiele Irans im Stadion sehen Bild: Imago

Seit 1979 werden Frauen in Iran von Männer-Fußballspielen ausgeschlossen. Das könnte sich bald ändern. Für ein Umdenken im Gottesstaat könnte ein von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommenes Ereignis im März gesorgt haben.

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          Dürfen Frauen in Iran bald Fußballspiele der Männer live erleben? Die klare Positionierung des Sports könnte tatsächlich eine der vielen harten Diskriminierungspositionen im Gottesstaat aufweichen. Aber sicher ist das noch nicht. Während der Feiertage machten Meldungen die Runde durch die internationalen Medien, Iran werde sein Verbot zumindest lockern. Abdolhamid Ahmadi, der stellvertretende Minister für Jugend und Sport, hatte der Nachrichtenagentur Irna gesagt, Frauen und Familien würden zu Veranstaltungen einiger, wenn auch nicht aller Sportarten zugelassen, die Änderung solle noch vor Ablauf des iranischen Jahres im März 2016 in Kraft treten.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Von welchen Ereignissen Frauen weiter ausgeschlossen würden, hänge nur noch von der Sportart ab. „Maskuline Sportarten“ wie Ringen oder Schwimmen, bei denen die Athleten nur spärlich bekleidet seien, würden weiterhin ohne Zuschauerinnen abgehalten. Präziser wurde er nicht. Die „New York Times“ wusste sogar schon, dass in den Stadien getrennte Areale eingerichtet würden, mit Blöcken für Frauen und gemischten Blöcken für Familien.

          Eine solche Entscheidung würde ein radikales Umdenken in dem Staat bedeuten, der seit der Revolution 1979 Frauen von Männer-Fußballspielen ausschließt und jüngst einer Frau den Prozess machte, die ein Männer-Volleyballspiel sehen wollte. Allerdings hat, anders als von Ahmadi dargestellt, die Entscheidung noch längst nicht alle nötigen Instanzen durchlaufen. Der Nationale Sicherheitsrat, der für eine Aufhebung des Verbots zuständig wäre, sei zwar informiert worden, habe das Thema aber noch nicht auf seine Tagesordnung genommen, meldete die Agentur Isna am Ostermontag.

          Sie berief sich auf Aussagen von Schahindocht Molawerdi, der iranischen Vizepräsidentin und Frauenbeauftragten der Regierung. Doch habe es, so wird die Politikerin zitiert, verschiedene Sitzungen mit Vertretern des Innen- und Sportministeriums gegeben. Das heißt: Es gibt zumindest einen Plan. Welche Kräfte sich am Ende durchsetzen werden, der konservative Klerus oder der liberalere Staatspräsident Hassan Rohani, wird sich erst noch zeigen müssen. Die iranischen Geistlichen sind der Auffassung, Frauen dürften nicht dem unmoralischen und vulgären Verhalten männlicher Fans ausgesetzt werden.

          „Lasst die iranischen Frauen in ihre Stadien“ – ein Transparent beim Spiel Schweden gegen Iran in Stockholm
          „Lasst die iranischen Frauen in ihre Stadien“ – ein Transparent beim Spiel Schweden gegen Iran in Stockholm : Bild: AFP

          Die „New York Times“ sieht einen Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung des sportlichen Lockerungsplans und dem Durchbruch in den Verhandlungen Irans und der Weltmächte über sein künftiges Nuklearprogramm. Ein anderes, von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommenes Ereignis könnte aber auch einen großen Einfluss gehabt haben: Im März wurde die Fußball-Asienmeisterschaft 2019 an die Vereinigten Arabischen Emirate vergeben. Iran als zweiter Bewerber fiel durch. Der Ausschluss von Zuschauerinnen soll bei der Entscheidung eine wichtige Rolle gespielt haben.

          Zuvor hatte der Volleyball-Weltverband Iran die Austragung der „U19“-Weltmeisterschaft für Jungen wieder entzogen und erklärt, er werde dem Land keine Titelkämpfe mehr zusprechen, so lange Zuschauerinnen ausgeschlossen blieben.

          Dies war die Reaktion auf die Verhaftung der britisch-iranischen Studentin Ghontcheh Ghavami vor einem Volleyball-Stadion, wo sie Zutritt zu dem Weltliga-Spiel der Männer zwischen Iran und Italien verlangte. Sie wurde zunächst zu einem Jahr Haft wegen „Propaganda gegen die Regierung“ verurteilt und im November nach Hungerstreiks und einer internationalen Petition auf Kaution entlassen. Nach iranischen Medienberichten wurden inzwischen alle Vorwürfe gegen sie fallengelassen.

          Fußball und Volleyball gehören in Iran neben dem Ringen zu den beliebtesten Sportarten. Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März hatte Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), gefordert, die „untragbare Situation“ zu ändern. „Öffnet die Stadien für Irans Frauen!“ Nun twitterte der Fußballpräsident, er habe „ermutigende Nachrichten“ gehört. Eine Vorlage ist auf dem Weg. Aber das Tor ist noch nicht gefallen.

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