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Druck auf Gastgeber Qatar wächst : Interner Bericht prangert Missstände auf WM-Baustellen an

Unter Druck: Fußball-WM-Gastgeber Qatar Bild: dpa

Ein von Qatar selbst in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht soll mit den unhaltbaren Zuständen auf den Baustellen des WM-Gastgebers 2022 ins Gericht gehen - und weitgehende Reformen fordern. Die Fifa sagt nun einen Besuch ins Emirat ab. 

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          Der internationale Druck auf das WM-Land Qatar steigt und könnte zu den ersten tiefgreifenden Reformen in dem Emirat führen. Möglicherweise fällt sogar das fragwürdige Kafala-System. Im Mittelpunkt neuer Spekulationen steht ein vom Emirat im vergangenen Jahr selbst in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht der Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper. Dieser soll die Missstände auf den Baustellen des Landes sowie die Behandlung der Gastarbeiter scharf anprangern und in seinen Reformforderungen sehr weit gehen. Die Ergebnisse liegen den Qatarern vor. Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) hat eine für kommende Woche vorgesehene Reise nach Qatar abgesagt. Das bestätigte Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger gegenüber FAZ.NET.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Verbandes sprach von einem „sehr qualifizierten Report“, ohne weiter auf Inhalte eingehen zu wollen. „Jetzt muss Qatar als Auftraggeber den Bericht erstmal veröffentlichen und kommentieren. Vorher macht ein Besuch der Fifa in dem Land keinen Sinn“, sagte Zwanziger.

          In den vergangenen Monaten hatten sich Medienberichte über menschenunwürdige Bedingungen Hunderttausender Gastarbeiter gehäuft. Nach Informationen der englischen Zeitung „The Guardian“ sterben im Emirat, in dem die Fußball-WM im Jahr 2022 stattfinden soll, weiterhin Arbeitsmigranten. So kamen zwischen Januar und Mitte April dieses Jahres angeblich 43 Nepaler ums Leben – ein Teil durch Arbeitsunfälle. Die Zahlen stammen vom Außenministerium Nepals. Die Qatarer führen dazu offenbar keine Statistik.

          Medien am Golf spekulieren seit einigen Tagen, dass Qatar als Folge aus dem selbst in Auftrag gegebenen kritischen Untersuchungsbericht sein Arbeitsrecht grundlegend reformieren wird. Ob das international stark in der Kritik stehende Kafala-System abgeschafft werden könnte, ist nicht heraus. Danach dürfen Gastarbeiter nur nach Zustimmung ihres Arbeitgebers ausreisen. Dies wird oft als Druckmittel gegen die ausländischen Arbeitskräfte eingesetzt und führt zur Ausbeutung der Arbeitsmigranten meist aus armen Entwicklungsländern.

          Die Baustelle der Lusail Multipurpose Sports Hall in Doha

          Am 1. Mai hatte das qatarische Arbeitsministerium angekündigt, dass die Gehälter der Gastarbeiter von den Arbeitgebern zukünftig auf Bankkonten überwiesen werden müssten, die Zahl der Arbeitsinspektoren steigen würden und die Internationale Arbeitsorganisation (Ilo) deren Ausbildung übernehmen soll. Dies sollen aber nur erste Schritte sein.    

          Emirat unter Zugzwang

          Die Kritik durch Menschenrechtsgruppen, internationale Gewerkschaftsorganisationen oder auch das Europäische Parlament brachte das Emirat zuletzt unter Zugzwang. Auch die Fifa drang auf Veränderungen und die Einhaltung der Menschenrechte. Zwanziger trat dafür in seiner Fifa-Funktion auch vor dem Menschenrechtsausschuss des Europaparlaments auf und kündigte weitere Initiativen der Fifa an. Bisher ist noch nicht entschieden, wann genau die WM 2022 stattfinden soll. Wegen der Sommerhitze am Golf soll das Turnier auf einen Termin im Winter oder Herbst verlegt werden.

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