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Kampf gegen Corona : Leerstelle Sport

  • -Aktualisiert am

Der Ball ruht derzeit: Besonders hart trifft es den deutschen Amateursport. Bild: dpa

Der Sport mag den Experten im Gesundheitsausschuss im Bundestag nicht am Herzen liegen. Doch gerade wegen des Versagens auf parlamentarischer Ebene darf es sich der DOSB nicht leisten, bei einer wichtigen Anhörung zu fehlen.

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          Für Donnerstag hat der Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages zur Anhörung „Drittes Bevölkerungsschutzgesetz“ geladen. Das hört sich so bedeutend an, wie es ist, in Zeiten der Pandemie. Ein Fall von nationaler Tragweite. Der Kampf der Regierung gegen die Verbreitung des Coronavirus führte teilweise zu erheblichen Eingriffen in grundrechtliche Freiheiten der Bürger. Nach den Beschlüssen von Ende Oktober ist es wieder nötig, gesetzliche Grundlagen weiterzuentwickeln. Was das mit dem Sport zu tun hat?

          Vielleicht weil er, sieht man von der schmerzhaften Grätsche eines Hochtalentierten nach einem Ballverlust ab, sehr gesund sein kann. Weil er auf seine Art die Menschen schützt. Bewegung stärkt in der Regel das Immunsystem. Da der organisierte Sport in Deutschland, vornehmlich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), Millionen Menschen in seinen 90.000 Vereinen bewegt, billigt man ihm eine bedeutende Rolle zu, wenn es um die Gesundheit von Jung und Alt geht.

          Politiker von Rang und Namen singen das Hohelied auf den Sport in ihren Sonntagsreden vor DOSB-Delegierten, nicht nur bei der Mitgliederversammlung jedes Jahr im Dezember, wenn der Innenminister aufläuft oder auch schon mal der Bundespräsident. Und längst rechnen Gesundheitsexperten vor, welche horrenden Ausgaben (in Milliarden Euro) dem Gesundheitssystem erspart blieben, falls Sport in Maßen ein Lebensbegleiter wäre, von der Wiege bis zur Bahre.

          In diesen schwierigen Tagen darf er dieser Partner (vorübergehend) nicht sein. Das Recht, einen Sport-Lockdown zu verordnen, steht auch im dritten Schutzgesetz, Paragraph 28a 6. („Untersagung oder Beschränkung von Sportveranstaltungen“). Darüber könnte man vielleicht streiten. Das ist der beste Grund für eine Anhörung: Debattenbeiträge zu hören, andere Perspektiven zu erfassen, gegensätzliche Positionen zu erkennen.

          Und so stehen viele Verbände auf der Liste der Sachverständigen des Gesundheitsausschusses vom 10. November, insgesamt 32: vom Aktionsbündnis Patientensicherheit über den Deutschen Verband für Telekommunikation und Medien bis hin zu Verdi – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft. Alle wohl zu Recht. Und der DOSB? Nicht zu entdecken. Spielt er keine Rolle?

          Der Sport mag den Experten im Gesundheitsausschuss nicht am Herzen liegen. Aber die flächendeckende Bewegungskultur in diesem Land, die Expertise der Gestalter zu übersehen geht schwer in den Kopf. Der DOSB hätte sich offenbar selbst einladen müssen. Das ist der zweite schwer begreifbare Aspekt dieser Episode zur Akzeptanz des Sports jenseits der großen Profiligen auf der politischen Bühne in Deutschland. Gerade wegen des Versagens auf parlamentarischer Ebene darf es sich der anspruchsvolle DOSB nicht leisten, bei so einer Anhörung zu fehlen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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