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Machtkampf im DOSB : „Amtsniederlegung“ für eine Nacht?

DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: dpa

Vor und Zurück im Deutschen Olympischen Sportbund: Präsident Alfons Hörmann und sein Präsidium nehmen einen „klaren Beschluss“ zurück. Scharfe Kritik kommt aus Hessen.

          2 Min.

          Mit scharfen Worten hat Rolf Müller, der Präsident des Landessportbundes (LSB) Hessen, den Plan von Alfons Hörmann und dem Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kritisiert, im September eine außerordentliche Mitgliederversammlung zum Zweck einer Vertrauensabstimmung einzuberufen. „Das DOSB-Präsidium wäre gut beraten, die besonnene und wohlbegründete Empfehlung der Ethikkommission zu akzeptieren“, forderte Müller am Dienstag. Die Kommission unter Leitung des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière hatte Neuwahlen im Dezember empfohlen. Das Vorgehen Hörmanns und seines Gremiums beurteilt Müller so: „Das ist Trickserei. Einsicht und Lernbereitschaft sehen für mich anders aus.“

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          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Am Samstag hatte sich die Konferenz der Spitzenverbände, die Mehrheit der DOSB-Mitglieder, für die außerordentliche Mitgliederversammlung schon nach Olympischen und Paralympischen Spielen ausgesprochen, voraussichtlich im September. Am Dienstag wurde jedoch deutlich, dass sich mehr und mehr Verbandspräsidenten, Geschäftsführer und Vorstände dem einstimmigen Votum der Landessportbünde sowie der entschlossenen Forderung von Athleten Deutschland anschlossen, die lauten: Was die Ethikkommission über Führungsstil und Verhalten des Präsidenten schreibt, kann keine andere Konsequenz haben als Neuwahlen.

          Zum Sinneswandel mag eine Mail von Präsident Hörmann und der Vorstandsvorsitzenden Veronika Rücker beigetragen haben, die am Montag bei den mit dem DOSB verbundenen Organisationen und Personen einging. Da der Eindruck erweckt werde, das DOSB-Präsidium gedenke die Empfehlungen der Ethikkommission nicht bestmöglich umzusetzen, wollten Hörmann und Rücker im Detail informieren. Sie warten mit einer brisanten Neuigkeit auf.

          „Klarer und einstimmiger Beschluss“

          Am Tag nach Erhalt des Berichts der Ethikkommission, also am Dienstag vergangener Woche, habe das Präsidium, so steht es in der Mail, „den klaren und einstimmigen Beschluss gefasst, dass wir den Weg für Neuwahlen im Dezember 2021 durch entsprechende Niederlegungen unserer Mandate frei machen werden“. Dies sei unter der „Prämisse“ geschehen, das Verfahren mit den Verbändegruppen abzustimmen. Im nächsten Absatz wird der klare und einstimmige Beschluss zu einer „vorläufigen Beschlusslage“, welche Hörmann mit den Sprecherinnen und Sprechern der Verbände „offen diskutiert“ und um enge Abstimmung bitte.

          Da die Verbände mit besonderer Aufgabenstellung und die Landessportbünde die Meinungsbildung zu diesem Zeitpunkt noch vor sich haben, ist der Einfluss der Spitzenverbände besonders gewichtig. Deren Sprechergruppe, angeführt von Basketball-Präsident Ingo Weiss, beschließt am Abend einstimmig den sogenannten zweistufigen Weg: zunächst die Vertrauensfrage als „Grundlage für eine Entscheidung über mögliche Neuwahlen im Dezember 2021“. „Dies führte“ laut Hörmann/Rücker noch am selben Abend „zu einer Anpassung der Beschlusslage des Präsidiums vom Vortag“.

          Wenn also der Beschluss des Präsidiums, der Empfehlung für Neuwahlen zu folgen, wie es in der Mail geschieht, als klare und einstimmige Entscheidung zum Niederlegen der Mandate beschrieben wird, obwohl sie lediglich implizit enthalten ist, war die Anpassung der Rücktritt vom Rücktritt.

          Niemand scheint gemerkt zu haben, dass der angeschlagene Hörmann immerhin vierundzwanzig Stunden lang entschieden war, zurückzutreten. Obwohl Hörmann am vergangenen Samstag, als er rund achtzig Repräsentanten der Spitzenverbände davon zu überzeugen suchte, dass die Ethikkommission ihn entlastet habe und er der Richtige für die Führung des deutschen Sports sei, als er bei dieser Gelegenheit also sagte, er wolle einem Neuanfang nicht im Weg stehen, wurde der Rücktritt nicht im Indikativ besprochen, wie es ein Teilnehmer beschrieb, sondern im Konjunktiv. Hörmann vermittelte den Delegierten der Verbände nicht den Eindruck, als wolle er für diesen Neuanfang beiseitetreten.

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