https://www.faz.net/-gtl-9sgob

DOSB und der Anti-Doping-Kampf : Raus aus der Nada

Wie unabhängig ist der da Doping-Kontrollsystem? Der DOSB will sich mit Verweis auf die Unabhängigkeit zurückziehen. Bild: dpa

Die Unabhängigkeit der Anti-Doping-Kämpfer ist seit jeher ein großes Thema. Der DOSB zieht sich nun aus dem Aufsichtsrat der Nada zurück. Der Verweis auf die Stärkung der Unabhängigkeit muss nicht falsch sein, allein weil es vom DOSB kommt.

          1 Min.

          Ein Knallbonbon hat der Sport in seinem Gutachten zum Anti-Doping-Gesetz versteckt, über das am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages beraten werden soll. Er stellt das Stakeholder-Modell in der Doping-Bekämpfung in Frage, die Beteiligung aller Teilhaber des Sports. Diese sorgt durchaus für ein Dilemma. Zwar zahlt das Internationale Olympische Komitee (IOC) aus seinem Milliardenvermögen die Hälfte des jährlichen Budgets der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), 17 von 34 Millionen Dollar.

          Doch der daraus resultierende starke Einfluss der Olympier auf die internationale Doping-Verfolgung unterliegt, ebenso wie ihr Einfluss auf die Sanktionierung oder Nicht-Sanktionierung, stets dem Verdacht des Interessenkonflikts: Wollen die Veranstalter und Vermarkter der Olympischen Spiele wirklich diejenigen ihrer Hauptdarsteller loswerden, die sich mit leistungssteigernden Mitteln stärken? Es könnten schließlich die attraktivsten darunter sein, diejenigen, für deren herausragende Darbietungen das Fernsehen seine hohen Lizenzgebühren zahlt.

          Der DOSB spielt auf einer kleineren Klaviatur. Seine Spitzenverbänden bringen, unter hörbarem Ächzen, zusammen mehr als eine Million Euro auf, um die Kosten für Doping-Kontrollen zu stemmen. Der Dachverband steuert lediglich 400.000 Euro zum Etat der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) von knapp 10 Millionen Euro bei. Dafür ist er prominent im Aufsichtsrat der Organisation vertreten. Wer deshalb Interessenkonflikte beklagte, dem hielt der Sport stets vor, er wolle sicherstellen, dass sein Geld sinnvoll eingesetzt werde – Finanzierung ohne Kontrolle gehe gar nicht.

          Rückzug des DOSB

          Nun kommt der DOSB, versteckt am Ende seines Berichts zum Anti-Doping-Gesetz, mit der Forderung heraus, dass die Finanzierung des Anti-Doping-Kampfes überdacht werden solle. Sein damit verbundener Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Nada stärke schließlich deren Unabhängigkeit; gern übernehme der DOSB flankierende Maßnahmen. Tatsächlich trägt der Bund mit direkten Zuwendungen von mehr als sechs Millionen Euro ganz überwiegend die Nada, auch weil deren Stiftungsvermögen im Zinstief praktisch nichts abwirft.

          Von Sponsoren kommt – nada, nichts. Auf deren Seite will sich offenbar der DOSB schlagen, der vom Bund im kommenden Jahr mit 245 Millionen Euro bedacht werden soll. Mag sein, dass es ihm vor allem ums Geld geht. Aber das Wort von der Stärkung der Unabhängigkeit muss nicht falsch sein, allein weil es vom DOSB kommt.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Warnt vor Krieg: Der amerikanische Präsident Joe Biden

          Als Folge von Cyberangriffen : Bidens Kriegswarnung

          Der amerikanische Präsident hat neulich Russland davor gewarnt, „kritische Infrastruktur“ in Amerika anzugreifen. Jetzt hat er nachgelegt.
          Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) am 30. April 2021 vor seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft.

          Cum-Ex : Das laute Schweigen des Olaf Scholz

          Immer wenn es um Cum-Ex geht, stehen auch die Verstrickungen des SPD-Kanzlerkandidaten im Raum. So auch nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs. Erinnerungen an ein Treffen werden wach.
          Ein Bagger fährt am 27. Juli 2021 in Swisttal auf einen riesigen Müllberg auf einer Wiese vor dem Ort.

          Zwischenbilanz zu Flut in NRW : „Irgendwie erwischt es unser Land reichlich“

          In den nordrhein-westfälischen Hochwassergebieten werde niemand mehr vermisst, sagt Innenminister Reul. 47 Menschen seien in dem Bundesland ums Leben gekommen. Bei der Aufarbeitung müssten nun die Warnsysteme im Mittelpunkt stehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.