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Missbrauch im Sport : DOSB unterstützt Zentrum für Safe Sport

Der DOSB stellt sich hinter ein Zentrum für Safe Sport. Bild: dpa

Der Dachverband des organisierten Sports stellt sich hinter den Aufbau einer Einrichtung, die helfen soll, Missbrauchsfälle aufzuklären. Der konkrete Arbeitsauftrag bleibt jedoch noch offen.

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          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) haben sich in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier „Schutz vor Gewalt im Sport“ grundsätzlich hinter die Gründung eines Zentrums für Safe Sport gestellt. „Wir, der organisierte Sport, begrüßen ausdrücklich den im Koalitionsvertrag verankerten Aufbau eines Zentrums für Safe Sport. Das Zentrum kann und soll dabei helfen, Schutzlücken im Sport zu schließen sowie die bereits bestehenden Maßnahmen und Aktivitäten der Sportverbände und -vereine sinnvoll zu ergänzen und zu unterstützen“, wird der Vorstandsvorsitzende des DOSB, Torsten Burmester, in einer Pressemitteilung zitiert.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Die Position, die in einem mehrmonatigen Dialogprozess erarbeitet wurde, soll in den sogenannten „Stakeholderprozess“ des Bundesinnenministeriums eingebracht werden, mit dem der Aufbau, die Ausstattung und die Ausgestaltung des Zentrums für Safe Sport ausgestaltet werden sollen.

          Hohe Dunkelziffer beim Missbrauch

          Im Sport ist von einer hohen Dunkelziffer von Missbrauchsfällen und gewaltsamen Übergriffen auszugehen, die Bundesregierung hatte auch vor diesem Hintergrund im Koalitionsvertrag den Willen zur Gründung eines Zentrums für Safe Sport beschlossen.

          Das Papier betont die „originäre Verantwortung“ von Verbänden und Vereinen zur Sicherstellung von Schutz vor Gewalt. Das Zentrum solle tätig werden, wenn „diese nicht tätig werden oder aufgrund einer erforderlichen Unabhängigkeit nicht tätig werden können und sollen“. Zudem dürfe der Aufbau des Zentrums „nicht zu Lasten der bereits jetzt für den Schutz vor Gewalt im Sport zur Verfügung gestellten Mittel“ gehen, heißt es im Positionspapier von DOSB und dsj.

          Aufarbeitung in Organisationen

          Im Klartext: Der Aufbau des Zentrums soll mit zusätzlichen Steuermitteln finanziert werden, um bestehende Stellen zu schützen, die sich mit der Missbrauchsprävention und -aufarbeitung in den Sportorganisationen befassen. Laut Christina Gassner, die Geschäftsführerin der dsj und DOSB-Vorstand für Jugendsport, entfaltet das Zentrum seine Schutzwirkung, in dem es „bestehenden Strukturen unterstützt, entlastet und stärkt“.

          Hinsichtlich des konkreten Arbeitsauftrags und Aufgabenumfangs des Zentrums für Safe Sport bleibt das Positionspapier an einigen Stellen zumindest auslegungsfähig: so soll eine Clearingstelle „vorhandene Strukturen im organisierten Sport ergänzen“ und „von allen Anspruchsgruppen angerufen“ werden, auf der Grundlage einer zu treffenden Vereinbarung „durch die Anspruchsgruppen“. Schiedsverfahren der Clearingstelle sollen zur Voraussetzung haben, dass Verbände und Vereine entsprechende Kompetenzen übertragen.

          Die Sportlervertretung Athleten Deutschland, Vordenker für die Gründung eines Zentrums für Safe Sport, begrüßte die Position von DOSB und dsj „in der Gesamtbetrachtung“ als „einen weiteren Meilenstein bei der Bekämpfung von Gewalt und Missbrauch im Sport“. Zugleich gebe es einige Punkte im Positionspapier, die kritisch zu betrachten seien. So lasse dieses etwa eine Untersuchungsfunktion des Zentrums „weitgehend unerwähnt“. Zudem sollte das Zentrum nicht nur vom Bund, sondern auch von den Ländern und dem Sport selbst finanziert werden. So würde der Sport auch institutionelle Verantwortung für dessen Erfolg übernehmen.

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