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Athletenvertreter contra DOSB : Kampf um Respekt

Ruderer für Deutschland: Jonathan Koch, hier 2013 in Südkorea Bild: EPA

„Wir stehen in dieser schwierigen und belastenden Situation an deiner Seite“: Ruderer Jonathan Koch fordert vom DOSB eine Richtigstellung. Unterstützung erhält er unter anderem von Athleten Deutschland.

          2 Min.

          Empörung herrscht bei Athletenvertretern über den Umgang des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit Jonathan Koch, ihrem Repräsentanten im Präsidium. Der Ruderer sah sich an diesem Freitag gezwungen, sich zum zweiten Mal von der Ehrenerklärung zu distanzieren, mit der das DOSB-Präsidium in Reaktion auf die Vorwürfe gegen Präsident Alfons Hörmann diesem „das uneingeschränkte Vertrauen und unsere vollumfängliche Unterstützung“ versichert.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Seit Mittwoch beschäftigt sich die Ethikkommission des DOSB unter Vorsitz von Thomas de Maizière mit den in einem anonymen Brief öffentlich gemachten Behauptungen, besonders Hörmann sei für eine „Kultur der Angst“ in der Belegschaft des DOSB verantwortlich; viele hätten gekündigt, einige seien in psychotherapeutischer Behandlung.

          „Nicht fair, wie mit ihm umgegangen wird“

          „Wir stehen in dieser schwierigen und belastenden Situation an deiner Seite“, twitterte Athleten Deutschland: „We have your back!“ Max Hartung, der Vorsitzende von Athleten Deutschland, ergänzte: „Nicht fair, wie mit @Jonathan__koch umgegangen wird, nachdem er sich über zwei Jahre ehrenamtlich für die @athleten_de im @DOSB Präsidium engagiert hat. Wir supporten ihn so gut wir können.“ Seine Stellvertreter Manuela Schmermund kommentierte: „Rückgrat kann man nicht kaufen! So wollen wir Sport nicht! Wir halten zusammen!“

          Hintergrund ist, dass Kochs Name zunächst mit denen weiterer sechs Präsidiumsmitglieder unter dem „Statement des DOSB-Präsidiums“ genannt wurde. Als Koch sich drei Tage nach Veröffentlichung distanzierte, strich der DOSB alle Namen mit dem Hinweis, dies geschehe, damit nicht der Eindruck entstehe, der neue Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Stefan Raid, zähle zu den Unterzeichnern. Der erst wenige Tage zuvor ins Amt gewählte Raid war nicht genannt worden.

          „Stefan Raid ist erst seit dem Abend des 7. Mai 2021 Mitglied des DOSB-Präsidiums“, behauptet der DOSB: Dies erscheint fraglich. Laut Satzung braucht Raid zur Aufnahme ins Präsidium das Votum der Vollversammlung des DOSB. In einer weiteren Ergänzung erklärte der DOSB zur Causa Koch, die Zusagen „aller amtierenden Präsidiumsmitglieder“ hätten vorgelegen; später habe Koch darum gebeten, das Statement nicht namentlich, sondern als Gesamtpräsidium zu zeichnen.

          Koch schreibt dazu: „Diese Stellungnahme war ohne meine mündliche oder schriftliche Zustimmung mit meinem Namen unterzeichnet. Trotz meiner Richtigstellung vom 09.05.2021 wird der Eindruck erweckt, ich hätte dieser Stellungnahme und der namentlichen Zeichnung in einem ordentlichen Verfahren zugestimmt.“ Vor der Veröffentlichung habe es einen Austausch gegeben: „Zuletzt legte ich implizit ein Veto ein, adressierte inhaltliche Kritikpunkte und bat um mehr Zeit. Gleichzeitig lieferte ich einen alternativen Entwurf.“ Von Zeitpunkt und Inhalt der Erklärung wurde Koch überrascht. Der DOSB reagierte am Freitag nicht auf die Bitte um einen Kommentar.

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